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Besessenheit |
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Die Annahme, ein Gott
oder Dämon habe von einem Menschen Besitz ergriffen (im Gegensatz zur
Ekstase, die man sich als Entfernung der Seele vom Körper vorstellt), ist
ein allgemein verbreitetes Erklärungsmodell für auffällige Veränderungen der
psychischen oder körperlichen Verfassung oder des Verhaltens, die den
Betroffenen verfremdet erscheinen lassen. Insbesondere psychosomatische
Erkrankungen werden als Besessenheit interpretiert, zumal da gerade sie der
sozialpsychologischen Dynamik ritueller Therapien zugänglich sind, was den
Glauben an ihre Verursachung durch übermenschliche Wesen bestärkt. Als
gottgesandt galt beispielsweise in der griechischen Antike die Epilepsie,
der man deshalb durch kathartische Riten zu begegnen suchte. Dagegen wandte
sich Hippokrates in seiner Schrift „Über die heilige Krankheit", in der er
sich für eine physiologische Erklärung und ärztliche Therapie einsetzte.
Ebenso wie die Grenzziehung zwischen Normalität, Krankheit und Besessenheit
sind auch die Rollen des Kranken oder Besessenen kulturell variabel.
Unterschiede, die sich vor allem auf den Umgang mit dem als besessen
Betrachteten auswirken, ergeben sich daraus, ob sein Zustand als Bedürfnis
nach Hilfe und Zuwendung verstanden wird oder als Strafe für ein Vergehen
gilt. Letzterem entspricht aus der Perspektive des Leidenden die
Hypostasierung von Schuldgefühlen zu verfolgenden Rachegeistern. |
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