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Entwickelte sich auf der
Grundlage einer Vielzahl religiös-geschichtlicher Befunde zu einem
religiös-wissenschaftlich vielschichtigen Begriff. Als Arbeitshypothese wird
heute zumeist die Begriffsbestimmung K. Goldammers anerkannt, Bekehrung sei
ein „tiefgreifender seelischer Prozess der erneuten Besitzergreifung durch
das Heilige, der Vergewisserung in der Religion". Bekehrung ist darum nicht
nur ein christlich-theologisches Thema, sondern vielmehr theologisch,
philosophisch, kultisch und rituell in der vorgegebenen Vielschichtigkeit zu
begreifen und zu erklären in ihrer Entfaltung zum Bekehrungs-Erlebnis bis
zum Religions- und Bekenntniswechsel.
Grundlegend ist allen Vorstellungen von Bekehrung die im Wort enthaltene,
wenn auch sprachlich verschieden artikulierte Kehrtwendung des gesamten
Menschen zu der Gottheit, die sich liebend auf den Menschen einlässt. Als
Bekehrungs-Erlebnis wird dieser Vorgang als Geschenk der Gottheit von den
Dichtern des indischen Bhakti überschwenglich gepriesen. In den
verschiedenen Schulen des Buddhismus ist Bekehrung persönliche Entscheidung
in der Nachfolge Buddhas durch Einüben und beständiges Üben, aber auch
Ergriffenwerden von der Kraft und dem Licht der Gottheit in der Erleuchtung.
Lehren der Ethik helfen dem Menschen, das Neugeschenkte bzw. Neugewonnene
festzuhalten, und führen gelegentlich, z. B. im Islam, zur Tendenz, die
„Konversion" zu einer anderen Religion auszuschliessen. Der Prozess der
Bekehrung kann sich lange und in Stufen und mehreren Kehren vollziehen, die
sich in einer Vielfalt von kultischen Weiheriten, asketischen Übungen,
Speise- und Kleidervorschriften äussern. Begriff und Auslegung der Bekehrung
wird so oft zu einem Vorgang, der das religiöse Leben insgesamt umfasst und
gelegentlich zu dessen Wahrheitsgehalt und -anspruch in Konflikt gerät, so
durch Rigorismus und Abspaltungen im Christentum. Im Gegensatz zu den
fernöstlichen und griechisch-römischen Vorstellungen von Bekehrung als
Umkehr zu einem sittlich geläuterten und in der Nähe Gottes erfüllteren
Leben kennt das Alte Testament Umkehr als Abkehr vom Bösen und als Bekehrung
zu Gott. Das Leben des Israeliten vollzieht sich wie das des ganzen Volkes
in ständiger Abkehr und reuiger Rückkehr, deren ergreifender Ausdruck die
prophetische Dichtung des Alten Testaments ist und als Thema tief auf die
sakramentale und nichtsakramentale Busspraxis der christlichen Kirchen
nachwirkt. Das Bezugsfeld von Bekehrung erfährt so eine ständige
Anreicherung vom klassischen Bekehrungs-Erlebnis des Paulus bis zum
missionarischen Auftrag der Jünger Jesu und den Massen- und
Zwangsbekehrungen im Mittelalter und in der Neuzeit unter Einwirkung des
sozial-politischen und auch ökonomischen Umfelds. Die neuzeitliche Forschung
nennt fragwürdig die Abkehr der Mittelmeervölker vom Christentum zum Islam
Bekehrung
Das Ziel der Bekehrung ist in den griechisch-hellenischen Mysterienkulten
die Identifikation mit der Kultgottheit, im Alten Testament die
Rechtfertigung des Gottesfürchtigen durch die Gnade Gottes, die
neutestamentlich in der Offenbarung und Selbstmitteilung Gottes in Jesus
ihre Vollendung findet. Die Bekehrung zu ihm muss in einer Lebensführung
verwirklicht und bewährt werden, die sich terminologisch in der engen
Beziehung der Wörter conversio-conversatio artikuliert.
Hervorragende Persönlichkeiten als Konvertiten und die in der
Glaubensgeschichte sich entfaltende enge Beziehung zum Mönchtum verleihen
der Bekehrung besondere Bedeutung. Von den Theologen der christlichen
Frühzeit geprägt (Origenes, Evagrius, Johannes Cassianus), verdichtet sich
die Bekehrung zu einem eigenen Gelübde der conversio bzw. conversatio morum
und wird schliesslich sogar zur Standesbezeichnung „Konversen".
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