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Avesta (Awesta)

Ist das heilige Buch der zoroastrischen Religion (heute Parsismus). Die Avesta-Texte sind spätestens in der Zeit der Sassaniden (226-651 n.Chr.) gesammelt und mit einem eigenen schriftlichen Alphabet aufgezeichnet worden. Der uns heute erhaltene Text umfasst ungefähr ein Viertel des ursprünglichen Umfanges. Der Inhalt des heutigen Avesta-Textes ist geordnet nach den Erfordernissen der Liturgie. Aus dem Avesta, wie es heute vorliegt, ragt ein kleiner Teil durch seinen Inhalt und das grössere Alter der Sprache hervor und beansprucht einen Quellenwert ersten Ranges: Es sind die Gathas (gatha), kurze metrische Texte, die nach der allg. Auffassung der Fachleute von Zarathustra selbst stammen.
Die Gathas sind auch inhaltlich vom übrigen Avesta verschieden. Neben persönlichen Gebeten an den Weisen Herrn finden sich Wünsche und Ermahnungen, Hinweise für den Gläubigen und seine Gemeinde, sich für das Gute zu entscheiden und das Böse zu bekämpfen. Dass die Interpretation der Gathas nicht einfach ist, zeigen die verschiedenen vorliegenden Übersetzungen und Kommentare in den verschiedenen Sprachen.
Von den Gathas verschieden sind die zahlreichen jüngeren Texte (jüngeres Avesta). Inhaltlich setzen sie gegenüber den abstrakten Lehren der Gathas eine weitere Entwicklung des zarathustrischen Gedankengutes voraus. Der Inhalt des jüngeren Avesta ist gegenüber den Gathas bunt und mannigfaltig geworden. Ältere, von Zarathustra bekämpfte Göttervorstellungen sowohl religiöse Gebräuche kommen wieder zum Vorschein.
Nach der heute üblichen Einteilung des uns vorliegenden nicht-gathischen, jüngeren Avesta unterscheiden wir:

1. Videvdat (Vorschriften gegen Dämonen). Diese Texte zielen auf die Erhaltung oder Wiederherstellung ritueller Reinheit.

2. Yasna enthält beim Gottesdienst verwendete Texte. Yasna 28-34; 43-51 und 53 bilden die ältesten Stücke in der 17 Hymnen (Gesänge) umfassenden GathaSammlung. Yasna-Texte werden heute noch von den Parsi-Priestern beim Gottesdienst verwendet, z. B. bei der Vorbereitung des Hoama-Opfers.

3. Yasts enthalten Texte zu Ehren verschiedener Gottheiten, nach Tagen und Monaten geordnet. In avestischer Sprache ist noch abgefasst: Hodokht Nas. Dieser Text bezieht sich auf das Schicksal der Seele nach dem Tod und schildert die Begegnung mit ihrer daena (d. h. im Falle eines guten Menschen begegnet ihm seine daena in der Gestalt eines jungen Mädchens; im Falle eines bösen Menschen ist es die Gestalt eines hässlichen Weibes). Das kleine Avesta und andere kleine Teile enthalten Gebete für den Morgen und Abend und andere Anlässe.
Der Franzose Anquetil-Duperon veröffentlichte 1771 die erste Übersetzung der Avesta. Die deutsche. Ausgabe von F. Wolf umfasst 460 Seiten. Ungefähr im 4. vorchristl. Jh. versuchte man, die unverständlich gewordene Sprache der Avesta durch Kommentare und Paraphrasen zu ergänzen, die in mittelpersischer Sprache abgefasst wurden, um das Verständnis des Avesta lebendig zu erhalten. Ein in Sprache der Sassaniden (Pehlevi) abgefasstes Buch, Denkart genannt (9./10. n. Chr.), gibt im 8. Buch eine Zusammenfassung des Avesta wieder, wie es noch im 1. Jh. n. Chr. vorhanden war, und enthält u. a. eine Inhaltsangabe des Avesta. Zu eineinem anderen wichtigen Werk, ungefähr zu der gleichen Zeit, dem Bundahishn oder Bericht der Anfänge, wurden verlorengegangene Teile des Avesta verwendet.
 


 

 

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