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Avatara

Das Wort Avatara (Skt.) ist von der Wurzel tr (überqueren, hinübergehen) abgeleitet. Die Vorsilbe ava bedeutet „herab".
Demnach bezeichnet Avatara Herabkunft (Gottes), Erscheinung oder Verkörperungen der Götter. Erst von 500 v. Chr. an finden wir dieses Wort in Gebrauch. In den Veden ist keine Rede von Avatara. Immerhin erscheint dieser oder jener Gott in der einen oder anderen trügerischen Gestalt, z. B. als ein Vogel, um die Feinde zu täuschen. Manche versuchen den Ursprung der Avatara-Lehre auf diese vedische Idee zurückzuführen. Erst in den sehr späten Upanisaden finden wir Hinweise auf die Avatara-Lehre.
In den Epen und in den Puranas (alten Erzählungen) begegnen wir zahlreichen Avatara verschiedener Götter. Die wichtigsten Avatara stammen vom Gott Visnu. Es ist schwierig, die genaue Zahl der Avatara festzulegen. Meistens wird von zehn Avatara gesprochen: Schwan, Fisch, Schildkröte, Eber, Mensch-Löwe, Zwerg, Rama mit der Axt, Rama, Krishna und Kalki. In einigen Listen wird der Schwan durch Rama bzw. Balarama (Bruder von Krisna) und Balarama dann durch Buddha ersetzt. Avatara ist eine spielerische Herabkunft Gottes: Avataralila. Es wird zwischen den Amsavataras (unvollständigen Avatara) und den Purnavataras (vollständigen) unterschieden. Nach Bhagavata Puratia ist Krisna der einzige Purnavatara: „Kryna ist Bhagavan (der Herr) selbst". Es gibt auch Überlieferungen, die Rama für Purnavatara halten. Nach Madhvacarya sind alle Avatara gleichwertig, weil derselbe Herr in allen Avatara anwesend ist.
Bezüglich des Zwecks der Avatara herrscht Übereinstimmung unter allen hinduistischen Traditionen. Die Avatara-Lehre bezieht sich direkt auf das zyklische Verständnis der Geschichte. Der Weltzeitalterablauf wiederholt sich unendlich. Jedes Zeitalter (Kalpa) besteht aus vier Abschnitten (Yugas): Krta, Treta, Dvapara und Kali. Da der Prozess zwangsläufig vom Besseren zum Schlechteren geht, erscheint der Avatara am Ende jedes Zeitalters, um ein neues und gerechtes Zeitalter einzuleiten: „Immer dann, wenn der Dharma (die rechte Ordnung) in Verfall gerät und damit ein Anstieg des Adharma (der Unordnung) eintritt, dann erschaffe ich mich selbst. Zum Schutz der Guten und zur Vernichtung des Bösen und zur Festigung des Dharma werde ich in jedem einzelnen Weltalter geboren".
 


 

 

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