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Auferstehung - jüdisch |
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Die Hoffnung auf eine
Wiedererweckung zu einer körperlich verfassten Existenz nach dem Tod stellt
einen zentralen Glaubenssatz des rabbinischen Judentums dar, der biblisch
eindeutig allerdings erst im Buch Daniel, dem letzten Buch des hebräischen
Kanons, belegbar ist. Im Kontext der Religionsverfolgungen wird verheissen,
dass „viele von denen, die im Haus der Erde schlafen, aufwachen (werden),
die einen zu ewigem Leben, die anderen zur Schmach, zu ewiger Schmach". Das Martyrium gerade der Frommen provoziert in bis dahin ungekannter
Schärfe die Frage nach der Bundestreue Jahwes. Neben der Gewissheit seiner
Verlässlichkeit ist es das Wissen um seine Macht über Leben und Tod, was den
Auferstehungs-Glauben biblisch vorbereitet. Da die
altisraelitisch-hebräische Anthropologie keinen Leib-Seele-Dualismus kennt,
sondern den Menschen in seiner Partizipation an Lebens- und Todessphären
begreift, verwundert es nicht, Aussagen über die Erweckung zu neuem Leben im
Kontext von Heilung, Geburt, vegetativem Wachstum oder politischer
Neukonstituierung des Volkes zu finden. Ab wann diese Aussagen über ihren
Wortsinn hinaus als Interpretation eines Auferstehungs-Glaubens fungieren,
ist im einzelnen schwer zu unterscheiden. Während 2 Makk 7,9 und 7, 22 f.
einen Auferstehungs-Glauben kennen, belegen Randglossen zu 2 M. 12,43-45,
wie umstritten ein solcher Glaube noch in zwischentestamentlicher Zeit war.
Auch wenn die Auferstehung zunehmend bejaht wird, variieren das jeweilige
Verständnis - vor allem das jeweilige Verhältnis von traditionell-biblischer
und griechischer Anthropologie - wie die Bedeutung der einzelnen
Gemeinschaften stark. Lassen Indizien auf einen durch Naherwartung
relativierten Auferstehungs-Glauben in Qumran schliessen, wird ein solcher
von den Saduzäern strikt abgelehnt. Dagegen die Auferstehung vom
pharisäisch-rabbinisch geprägten Judentum nach 70 n. Chr. zum zentralen
Glaubenssatz erhoben und als einziger Satz der jüdischen Eschatologie
dogmatisch formuliert: „Alle in Israel haben Anteil an der kommenden Welt
... Folgende haben keinen Anteil an der kommenden Welt, wer da sagt, es gibt
keine Auferstehung der Toten ...", wofür die Autorität der Tora und anderer
biblischer Schriften beansprucht wird. Wesentlich zur Verbreitung trug die
Aufnahme der Auferstehung in so zentrale Gebete wie das Amidah und das
Morgengebet bei. So konsenshaft und entschieden die Rabbinen am Faktum der
Auferstehung festhalten, so offen bleibt die Diskussion ihrer Modalitäten.
Bezieht man die Auferstehung im allg. auf Israel (wobei umstritten bleibt,
ob Gesamtisrael oder nur für die Gerechten), verhindert dies nicht die weite
Verbreitung der Auffassung, die Gerechten aller Völker würden einst erweckt
werden. In der Auseinandersetzung um die Bedeutung des Körpers wird das
zentrale Interesse der Rabbinen an der Integrität und Endgültigkeit
menschlicher Verantwortung deutlich. So antwortet Jehuda ha-nasi auf die
Frage, ob einst der Körper oder die Seele gerichtet werde, mit der Parabel
von einem König, der seinen Obstgarten von einem Lahmen und einem Blinden
bewachen liess. Nach dem Obst, das während der Abwesenheit des Königs
gestohlen worden war, befragt, antwortete der Lahme: „Habe ich denn Füsse,
mit denen ich gehen könnte? Ebenso antwortet ihm der Blinde: Habe ich Augen,
mit denen ich es sehen könnte? Was tat er nun? Er setzte den Lahmen auf den
Blinden und richtete sie gemeinsam. So bringt auch der Heilige, gepriesen
sei Er, die Seele in den Körper zurück und richtet sie gemeinsam". Auch die
so abgelegen erscheinenden Fragen, ob die Verstorbenen mit ihren Gebrechen
oder bereits vollendet erweckt würden, in ihren Sterbekleidern oder ohne
diese, oder die Vorstellung von der Unverwesbarkeit eines Rückgratknochens
bei Gerechten zielen darauf ab, die Identität von prä- und postmortaler
auferweckter Person sicherzustellen. Die Herkunft der Auferstehungs-Hoffnung
aus der biblischen Verheissungsgeschichte wird in den Diskussionen um das
Land Israel erkennbar. Wurde einerseits die Überführung von in der Diaspora
Verstorbenen für notwendig erachtet, so erübrigt sich diese, wenn
andererseits ein unterirdisches Kanalsystem angenommen wird, über das die
Toten ins Land gelangten. Erde aus 'erez Jisrael auf dem Grab in der
Diaspora kann ebenfalls die Verbindung herstellen. Mit den eschatologisch
zentralen Begriffen der „kommenden Welt" (olam ha-ba') und der „Tage des
Messias", die in ihrer Bedeutung und Zuordnung im Talmud uneindeutig
bleiben, bleibt dies auch die Auferstehung hinsichtlich Zeitpunkt, Subjekten
und konkreter Funktion im endzeitlichen Geschehen. Zahlreich sind die
Vorstellungen über den Zwischenzustand der Seele. Sei es, dass sie nach dem
Tod direkt gerichtet werde, im Fall von Ungerechten passiv in der Sche'ol
das endzeitliche Gericht erwarte oder - eine Präexistenz der Seele
unterstellt - in das himmlische Behältnis ihres Ursprungs zurückkehre. Neben
der drastischen Ausmalung des endzeitlichen Lebens der Gerechten im Paradies
bleibt der Sinn für die grundsätzliche Unausdenkbarkeit dieses Zustandes
bewahrt, wenn Jes 64,3 leicht variierend erinnert wird: „Kein Auge hat es
gesehen ausser Gott allein". |
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