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Atheismus - religions-geschichtliches Vorkommen eines Atheismus |
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Die vor allem im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jh. erörterte
kontroverse Frage, ob es Völker gebe, die keine Religion bzw. keine
Vorstellung von Gott hätten und die in diesem Sinne „atheistisch" seien, ist
heute dahingehend zu beantworten, dass Religionslosigkeit als
evolutionistisches Vorstadium des Götter- bzw. Gottesglaubens nicht beweisbar
ist. Das Phänomen der Abwendung von bzw. Kritik an Gottesvorstellungen
scheint vielmehr erst innerhalb schon ausdifferenzierter Mythologien bzw.
Theologien aufzutreten. Eines der frühesten Zeugnisse einer innerreligiösen,
aber gleichwohl ohne Gott sich verstehenden Weltsicht findet sich in der
hinduistischen Samkhyaschule. In ihr wird die Existenz eines höchsten
göttlichen Wesens nicht angenommen, sondern die Erlösung der Geistseele (purusa)
aus der Verbindung mit dem leiblich-seelischen Dasein, das hineinverwoben
ist in die Urmaterie oder Urnatur (prakriti), geschieht durch die
Erkenntnis, dass beide - Geist und Materie - wesensverschieden sind.
Angestrebt ist also die totale Isolation ohne Bezug zu einem Absoluten oder
Göttlichen; insofern ist hier tatsächlich eine atheistische, aber keineswegs
religionslose Position gegeben. Als bekannteste Ausprägung einer
„atheistischen“ Religion gilt vielfach der Buddhismus. Doch im Grunde lehnt
er zwar die Idee eines persönlichen Weltenschöpfers und -regierers
entschieden ab und ist in diesem Sinne a-theistisch; zugleich anerkennt er
aber eine Vielzahl von Göttern, die zu verehren sind, um sie geneigt zu
stimmen. Aber diese Götter sind nicht unendlich und ewig, sondern
unterliegen dem Gesetz des Werdens und Vergehens; sie sind dem Samsara
zugehörig und dem Karma unterworfen, also erlösungsbedürftig wie der Mensch
selbst. Im 20. Jh. ist auch eine Rückbesinnung auf den Buddhismus als
„atheistische" Religion anzutreffen, deren Absicht es ist, eine im Gegensatz
zur Autonomie gedachte Theonomie zu überwinden. Eine Relativierung bzw.
Transzendierung der klassischen Idee eines Hochgottes findet sich im
Tao-te-king Lao-tzes. |
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