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Astrologie/Astronomie

Im mythischen Bewusstsein der Antike, für das die materielle Welt, besonders der gestirnte Himmel, von geistigen oder gar göttlichen Kräften beseelt war, waren die Erforschung der am Lauf der Sterne - besonders der Sonne - ablesbaren Gesetze des Kosmos (Astronomie) und die Erhebung ihrer Bedeutung für den Menschen (Astrologie) nicht streng getrennt. Die für uns greifbaren Anfänge der Sternkunde liegen in Mesopotamien, und zwar als einer priesterlichen Wissenschaft zur kalendarischen Zeitberechnung und damit verbundenen Erschliessung des Willens der Götter (Omen-Astrologie). Bei den griechischen Naturphilosophen und als Teil ihrer Kosmologie gelangte die Sternkunde zu erstaunlichen astronomischen Erkenntnissen (z. B. Berechnung der Ekliptikschiefe, der Präzession der Äquinoktien) - wie weit in Übernahme vorgriechischer Kenntnisse, ist im einzelnen unklar, jedenfalls mit Auswirkungen im gesamten persisch-hellenischen Bereich bis Indien und Ägypten, später im Römischen Reich. Diese Profanierung der Sternkunde führte auch zu einer sich verselbständigenden Vulgär-Astrologie mit trivialen Verallgemeinerungen und Wahrsagereien, mit denen Scharlatane - damals wie heute - einträgliche Geschäfte machten. Solche Abarten der Astrologie wurden schon in der heidnischen Antike vielfach abgelehnt (Cicero, Tacitus, Seneca). Andererseits befassten sich die bedeutendsten Astronomen bis in die Neuzeit (z. B. N. Kopernikus, J. Kepler) auch ernstlich mit Astrologie.
Spätestens seit C. Ptolemäus (2. J n. Chr.) beschränkt sich die Astrologie auf die Beobachtung der Planeten, der „Wandersterne" (zu denen auch Sonne und Mond zählen), deren Positionen innerhalb des Tierkreises trigonometrisch berechenbar sind. Grundlage der Astrologie in dieser Beschränkung ist die Überzeugung, dass Planetenkonstellation als qualitative Bestimmung des jeweiligen Zeitpunktes im gesamten Kosmos „synchronistisch“ (C. G. Jung) ihre Entsprechungen hat, darum „wie oben, so unten" gilt: im Makrokosmos des Universums wie im Menschen als einem Mikrokosmos (Mikrokosmos/Makrokosmos). Schon seit hellenischer Zeit gab es neben den astrologischen Voraussagen über zu erwartende Ereignisse von allg. Bedeutung auch eine Individual-Astrologie, die über die Charaktereigenschaften sowie die Lebensbedingung und -erwartungen des einzelnen Menschen Aussagen macht, und zwar mit Hilfe seines Horoskops, d. h. einer Auszeichnung des Planetenstandes, bezogen auf Zeit und Ort seiner Geburt. Die dem antiken Menschen selbstverständliche Entsprechung von seelischen Konfliktfeldern und körperlichen Organen führte aufgrund ihrer Zuordnung zu den Tierkreiszeichen (Melothesie) auch zu einer astrologischen Heilkunde (Iatromathematik).
Ihren festen Ort hatte die Astrologie/Astronomie - neben Mathematik, Musik und Geometrie - im antiken Bildungskanon, dessen Ziel war, die nach Mass und Zahl geordnete Harmonie des Weltalls auch im Menschen gemäss seinen Anlagen zu verwirklichen. Als jedoch in der Spätantike der optimistische Glaube an eine kosmische Harmonie in die Furcht vor beängstigenden Schicksalsmächten umschlug, gewann die Astrologie in den gnostischen Erlösungslehren eine neue Bedeutung und esoterische Wegweisung. Darum lehnte die frühe Kirche Astrologie als Aberglauben ab, weil die ängstliche Genauigkeit, mit der man sich nach den Ephemeriden richtete, die Menschen zu „Sklaven der Elementarmächte" machte.
Wie schon das Judentum betonte die Kirche, dass die kosmischen Kräfte keine Götter sind (Weish 13), sondern im Auftrag Gottes und in Wahrung der Freiheit des göttlichen Handelns von Engeln gelenkt werden, von denen manche sich freilich ihrer Bestimmung widersetzen, so dass es in der kosmischen Ordnung auch Auswirkungen der Sünde gibt und in ihrem Bann irrige und verführerische Astrologie (Eph 6, 12). Als über die Araber die Astrologie auch in der Kirche - zuerst im Osten, dann auch im Westen - Verbreitung fand, betonten die mittelalterlichen Theologen (z. B. Thomas v. Aquin) den Spielraum menschlicher Freiheit: Die Sterne zeigen „Neigungen, nicht Notwendigkeiten". Das Verschwinden der Astrologie aus der - nicht nur kirchlichen - Öffentlichkeit nach ihrer Hochblüte im 15./16. Jh. ist hauptsächlich Folge des rationalen Bewusstseins der Aufklärung, besonders ihres auf objektivierbare Kausalzusammenhänge reduzierten Wirklichkeitsverständnisses. Als Wegweisung zur Selbstfindung, Integration und Verwandlung wurde astrologische Weisheit in esoterischen Kreisen jedoch weiter gepflegt und findet sie heute auch in der psychologischen Beratung und für die Zukunftsplanung - wieder weite Verbreitung im Rahmen eines Bemühens um ein ganzheitliches Weltverständnis, in dem die Subjekt-Objekt-Spaltung neuzeitlicher Natur-Wissenschaften aufgehoben ist.
Möglichkeit und Sinnhaftigkeit von Astrologie sind darum rein naturwissenschaftlich oder statistisch objektiv nicht zu entscheiden. Ihr Gegenstand ist nicht die Wirkweise kosmischer Energien, sondern deren Semantik aufgrund anthropozentrischer Beobachtung (unabhängig vom Wandel des astronomischen Modells). Um die makrokosmisch-mikrokosmischen Entsprechungen zum Ausdruck zu bringen, bedient sich die Astrologie mythischer Sprache zur Charakterisierung der Tierkreiszeichen und der Planeten. Diese beruht nicht auf willkürlicher Projektion, sondern auf einer meditativen Beobachtung der unterschiedlichen Wirkungen der Sonne im Laufe des Jahres sowie der Eigenart des jeweiligen Planeten in Färbung und Bewegung.
Beurteilungen der Astrologie müssen davon ausgehen, wie sie den kosmischen Zusammenhang versteht: mechanistisch oder pantheistisch, als Weltseele, als Wirkbereich guter oder böser Geistwesen, als Ordnung der Schöpfung Gottes, in der es auch die Wirklichkeit geschichtsmächtiger Sünde gibt, nach christlichem Glauben jedoch im Rahmen der Verwirklichung der Gottesherrschaft gemäss göttlichem „Plan". Entsprechend verstehen sich astrologische Ergebnisse als Aussagen über unentrinnbares Schicksal oder wiederverkörpertes Karma oder aber über individuelle Anlagen, Leidenschaften und Begrenzungen, in denen die Möglichkeiten menschlicher Freiheit zu ergreifen ethische Aufgabe ist.
Abergläubisch, fatalistisch sowie als Heilslehre gehandhabte Astrologie ist mit christlichem Glauben unvereinbar. Christlich verantwortbar ist Astrologie nur, wenn sie die Herrschaft Gottes sowie die universale Bedeutung des Kreuzes Christi wahrt. Indem sie die kosmischen Bedingtheiten und den Wegcharakter menschlicher Freiheit zu beachten sucht, verweist sie auch auf die anthropologische Bedeutung der kosmischen Zusammenhänge biblischer Urbilder und liturgischer Riten.
 


 

 

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