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Askese - religionsgeschichtlich

In ihr findet sich Askese in verschiedenen Kulturen und Epochen, heute näher untersucht entweder in religions-wissenschaftlicher Beschreibung oder in theologischer Wertung.
Negativ-passive Askese gibt es als Verzicht auf Genussmittel (Alkohol: Muslime, Buddhisten, Sikhs, Nasiräer), Speisen (Abstinenz; Tabu), Schlaf, Kleidung, (Trauerkleider, Barfüsser, sakrale Nacktheit; vgl. Gymnophysiten im Jinismus), Vermögen (altarische Inder), Heimat (buddh.: Burma bei Jugendweihe), Geschlechtsverkehr (total urspr. im Buddhismus, Jinismus); strenge Askese (meist im Dualismus wie Orphismus, Platonismus, Manichäismus) führt bis zur körperlichen Verstümmelung (z. B. Selbstkastration in hellenischen Mysterienreligionen) und lebendigem Begraben (Sterbefasten im Jinismus; ind. sadhu).
Aktiv-positiv wird die Askese geübt als Anfangshandlung (Götter verrichten asketische Busshandlungen vor Weltschöpfung), Fasten, Keuschheit, Beichte, rituelle Reinigungen (altamerikanische Kulturreligionen: um „Zorn" abzuwenden), Kasteiung (in babylonisch-assyrischen Religionen büsst der König als Stellvertreter des Volkes), Opfer von Menschenblut, periodische Menschenopfer (Azteken), Heiliger Krieg, Tätowierung, „Disziplinen" (Auspeitschung als Selbstgeisselung).
- Als angewendete Askese hat sie bestimmte, meist profane und individuelle Ziele (Verzicht auf Geschlechtsverkehr, um Erfolg bei der Jagd zu haben; Peinigung bei Initiation, und jungen Menschen Kraft und Wachstum zu ermöglichen; im Taoismus sucht man durch Übung der Tugend die Langlebigkeit); auferlegte Askese hingegen steht im Interesse der Gemeinschaft (Abwendung von Katastrophen, Unheil), ist eng mit Kult und Ethik verbunden und hat meist religiösen Charakter, zuweilen unter Vermischung mit magischer Askese wie in den dualistischen Anschauungen zum Ablegen des „Leiblichen" und Erreichen des Jenseitigen (Jinismus).
In lebensbejahenden Religionen mit positiver Auffassung von Welt und Körper gibt es eher eine negative Einstellung zur Askese (vorderorientalische Schriftkultur, klassisches Griechenland, altes Rom, Konfuzianismus, Naturreligionen, Judentum), bei lebensverneinenden hingegen gewinnt die Askese ein vielgestaltiges Gesicht, besonders in dualistischen Anschauungen (Gnostizismus, Manichäismus) und in Mönchskreisen (Hinduismus Buddhismus, chinesischer Taoismus). Es kann dabei durchaus zu Parallelerscheinungen kommen: so gibt es in Indien neben radikalen Formen der Askese (freiwilliger Hungertod, Selbstmord aller Menschen) verschiedene Weisen äusserer (Kasteiung, Fasten, Verzicht auf Körperpflege) und innerer Askese (Beichte, Dienstbeflissenheit, Studium, Meditation); es kommt sogar zu parallelen Strömungen in derselben Religion (Islam). Schliesslich fehlen nicht kritische Stimmen gegenüber zu strenger Askese. Die hinduistische Praxis verwirft die jinistische Askese; Gautama Buddha verkündet nach anfänglicher Askese den „goldenen Mittelweg", und Zarathustra-Anhänger lehnen Kasteiungen jeder Art ab und befolgen einzig das gute Gesetz.
 


 

 

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