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Ist die Erforschung
menschlicher Geschichte und Kultur auf der Grundlage materieller Überreste.
Verschiedene „historische" Archäologien liefern Ergänzungen und Korrekturen,
manchmal auch nur Illustrationen unseres aus schriftlichen Quellen,
mündlichen Traditionen usw. geschöpften Wissens. Je weiter wir in die
Vergangenheit zurückschreiten, desto spärlicher werden die schriftlichen
Quellen und Traditionen, bis zu einem Einmünden in die Prähistorie.
Da Religion in der Regel mehr oder weniger eng mit dem „Wort" verbunden ist,
kann reine Archäologie dazu nichts unmittelbar aussagen, sondern lediglich
anhand interpretationsbedürftiger Funde von Gegenständen, die mit religiösen
Praktiken verbunden zu sein pflegen, Befunden, die auf Heiligtümer,
Opferplätze und dergleichen hinweisen, sowie durch den Inhalt von Bildern
und Plastiken. Hilfen kann sie dabei nur in Randgebieten durch eine direkte
Verbindung mit schriftlichen Nachrichten oder sonstigen Traditionen
gewinnen; im übrigen ist sie fast ausschliesslich auf das Vergleichen mit
späteren Berichten und Beobachtungen angewiesen. Die Schwächen eines solchen
Verfahrens liegen auf der Hand, lassen sich aber durch entsprechende
Vorsicht und Sorgfalt sowie die Berücksichtigung gewisser kulturhistorischer
und anthropologischer Erfahrungen mildern und eingrenzen.
Besondere Schwierigkeiten bilden die Vielfalt der Erscheinungen und der
Umstand, dass ein und dieselbe Form verschiedene Inhalte besitzen kann;
indes ist die Zahl der Möglichkeiten begrenzt und wird weitgehend
eingeschränkt durch die jeweiligen Gesamtverhältnisse und ihre besonderen
Bedingungen. Das gewinnt zumal als eher negativ-ausschliessendes Kriterium
Gewicht, d. h. durch das Ausscheiden oder die Modifikation von Analogien und
Modellen, die wegen der andersgearteten kulturellen Zusammenhänge nicht oder
doch nicht ohne weiteres brauchbar sind (z. B. Interpretation von
Frauenfigürchen der jägerisch-sammlerischen Altsteinzeit ["Jäger- und
Sammlerkulturen] im Sinne der „Magna mater" agrarischer Hochkulturen). Vor
allem gilt es, Vergleiche auf möglichst breiter Basis anzustellen, um aus
weitverbreiteten Erscheinungskomplexen übereinstimmende Kerne
herauszuarbeiten. Dabei ist allerdings der Nachteil in Kauf zu nehmen, dass
bei fortschreitender Verallgemeinerung sich notwendig die Einzelheiten
verflüchtigen und der konkrete Informationswert dementsprechend geringer
wird.
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