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Anthroposophie - Lehre

a) Anthroposophie will mittels eines esoterischen Stufenwegs zur Initiation führen und „objektive Erkenntnisse” vermitteln im Bereich des Geistig-Göttlichen, das bislang nur dem Glauben bzw. der Kalkulation vorbehalten war (daher „Geisteswissenschaft"). Steiner beansprucht, auf diesem Weg die grossen Entwicklungsgesetze des Kosmos und des Menschen erforscht zu haben. Grundaxiom ist, dass allem physischen Sein ein geistiges Sein entspricht, dass astrale und geistige Wesenheiten das Leben der Erde beeinflussen.

b) Seine geistige „Quelle" nennt Steiner Akasha-Chronik, ein vorhandenes Weltengedächtnis, das allein dem Eingeweihten zugänglich ist. Steiner behauptet alles, was er gesagt und geschrieben habe sei eigenen Schauungen in der geistigen Welt entsprungen. Das gelte auch für seine Aussagen über Gott und Christus. Nicht die Evangelien sind Quellen des anthroposophischen Erkennens, sondern anhand der „Ergebnisse" seiner geistigen „Forschung" konnte Steiner über ihren Wert entscheiden. Was er auf diese Weise über Christus entdeckt hat, hat er u. a. unter dem Titel „Aus der Akasha-Forschung: das Fünfte Evangelium" veröffentlicht. Gemäss der Akasha-Chronik vollzog sich die Weltgeschichte in Weltsystemen. In jedem von ihnen inkarnieren sich die Planeten siebenmal (so war unser jetziger Planet Erde bereits Saturn, Sonne, Mond und wird einst Jupiter, Venus und Vulcan werden). Jede Inkarnation eines Planeten umfasst sieben Kreisläufe.

c) Innerhalb dieser Planetenstufen entwickelt sich der Mensch. In jeder Planeteninkarnation wird ihm ein neues Wesensglied beigegeben. Derzeit besteht der Mensch aus vier Wesensgliedern: dem physischen Leib (Verbindung mit Mineralreich, Trancebewusstsein), dem Ätherleib (Lebensleib, Stoffwechsel, Verbindung mit Pflanzenreich, Schlafbewusstsein), dem Astralleib (Seelenleib, Triebe und Affekte, Bilderbewusstsein) und dem Ich oder Bewusstsein (Verbindung zur geistigen Welt, Gegenstandsbewusstsein).
Während seiner Entwicklung auf dem Planeten „Erde" hat der Mensch die Aufgabe, mit der Kraft seines Ichs die drei unteren Wesensglieder zu vergeistigen, so dass sich aus ihnen Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch entwickeln.
Die vier Wesensglieder des Menschen sind in drei Systemen miteinander verbunden: das Nerven-Sinnes-System hat sein Zentrum im Kopf, hier hat das Denken seinen Raum. Das Stoffwechsel-Gliedmassen-System hat sein Zentrum in Unterleib und Gliedmassen, es ist der Ort des Wollens. Zwischen diesen beiden sich entgegenstehenden Polen liegt das rhythmische System mit dem Zentrum in Lunge und Herz, hier ist das Fühlen angesiedelt. Die drei Systeme bewirken, dass jeder Einfluss, der auf ein Wesensglied ausgeübt wird, Auswirkungen auf alle anderen zeitigt.
Die menschheitsgeschichtliche Entwicklung der sukzessiven Zufügung der Wesensglieder wird von jedem Menschen in seiner Entwicklung nachvollzogen. Bei der physischen („ersten") Geburt ist nur der physische Leib vorhanden, die anderen Wesensglieder entwickeln sich in der Folgezeit jeweils im Sieben-Jahres-Rhythmus („Lebensjahrsiebt"). Die anthroposophische Pädagogik („Waldorfschule") setzt mit ihren Methoden und Inhalten bei dieser menschenkundlichen Besonderheit der Anthroposophie ein: sie will Inkamationshilfe für das jeweils sich entwickelnde Wesensglied sein.

d) Diese Höherentwicklung des Menschen vollzieht sich in vielen Inkarnationen, zu denen das Ich immer wieder neu aus dem geistigen Bereich auf den „physischen Plan" tritt (im Unterschied zu den drei unteren Leibern wird es nicht von den Eltern auf die Kinder vererbt), um nach dem Tod wieder in die geistige Heimat aufgenommen zu werden - mit allen positiven und negativen Prägungen durch das gelebte Leben, die als Karma den Schicksalsrahmen der nächsten Inkarnation ausmachen. Die persönliche Schuld, die im Karma weiterwirkt, muss im Laufe der Inkarnationen von der ewigen Individualität des Menschen abgearbeitet werden. Hier kann keine göttliche Vergebung, keine Erlösung eingreifen. Die „Erbsünde", jenen menschheitsgeschichtlichen Abstieg aus der Geistwelt in die Materie, hebt dagegen das „Mysterium von Golgota" auf. Das Geschehen auf Golgota ermöglicht dem Menschen, sich dem Geistigen zu nähern, sich höherzuentwickeln. Die damit bewirkte Stärkung der Ich-Kräfte nennt Steiner „Gnade".

e) Das Kommen der „Christuswesenheit" auf die Erde ist der Wendepunkt der Menschheitsgeschichte. Die Christus-Wesenheit wirkte zuvor als grosser Sonnengeist liebestrahlend zugunsten der Menschheit. Sie gab auch Jahwe sein Licht, der als Mondgott Weisheit auf die Erde strahlte und damit unter den Juden das Kommen des Christus vorbereitete. Jahwe, der Gott des Alten Testaments, ist bei Steiner jüdischer Nationalgott, aber nicht Vatergott; Vatergott ist jene Wesenheit, die den ganzen Kosmos durchwaltet. Für die Christus-Wesenheit wird eine menschliche „Hülle" (so im Bekenntnis der Christengemeinschaft, von Steiner formuliert) vorbereitet: Jesus von Nazaret. Steiner behauptet, es seien zwei Jesusknaben geboren worden, beide nach langer kosmischer Vorgeschichte. Einer wurde umschwebt von der Aura des Buddha, der andere war eine Inkarnation des Zarathustra. Im 12. Lebensjahr Vereinigung der beiden durch „Ich-Umwandlung" (= Vereinigung der beiden vorchristlichen Religionsformen des Buddhismus und des Zarathustrismus im Christentum). Bei der Johannestaufe verlässt das Zarathustra-Ich Jesus, und die Christus-Wesenheit senkt sich in ihn ein. Am Kreuz verlässt Christus den Jesus, zieht in die Erdenaura ein, wird zum „Erdengeist", während der Leib des Jesus stirbt, nach der Grablegung in eine Erdspalte gesenkt wird, die bei dem Erdbeben entstand - somit von den Frauen und den Jüngern am Ostermorgen nicht mehr gefunden wird. Als Christus-Impuls wirkt die Christus-Wesenheit seither in der Menschheitsgeschichte. Allerdings kann erst seit dem Kommen Steiners richtig verstanden werden, was Christus bewirkt hat: Anthroposophie ist nach Vorverkündigung und materialistischem Irrweg das „dritte Kapitel des Christentums", versteht sich als „Testamentsvollstreckung des Christentums".
 


 

 

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