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Anatta (Pali; Skt.
Anatman, öfter nairatmya) „Nicht-Selbst".
Neben den Vier Heiligen Wahrheiten ist die Anatman-Lehre kennzeichnend und
einzigartig für den Buddhismus. Sie bedeutet die Leugnung jeder Vorstellung
eines „Selbst" oder „Ego" (atta; Skt. Atman) als einer
bleibenden, unveränderlichen metaphysischen Substanz oder „Seele", die
Träger der aufeinanderfolgenden Handlungen und Erfahrungen wäre, unabhängig
vom Körper, immateriell und ewig. Die Anatman-Lehre steht in scharfem
Kontrast zu den Atman-Theorien der Upanishaden, in denen einem
überweltlichen, ewigen Brahman („Weltseele") ein individueller Atman als
Kern oder Seele des Menschen gegenübersteht und das Ziel des Lebens in der
endgültigen Vereinigung des Atman mit dem Brahman gesehen wird. Über die
Beschaffenheit des atman sagen die Schriften nichts; kennzeichnend ist die
Aussage Yajnavalkyas im Brhadaranyaka Upanishad „neti neti" (nicht dies,
nicht das) über die Unmöglichkeit der Erkenntnis des atman. Ebenso werden
Seelen-(jiva-) Theorien der Jinas und Ajivikas, die nähere Beschreibungen
der Seele geben wollten, verworfen.
- Vom Buddha bereits in seiner zweiten Predigt vorgetragen, zieht sich die
Anatman-Lehre durch seine ganze Lehrtätigkeit. Das Brahmajala-sutta fasst
etwa 60 atman-Theorien zusammen und verwirft sie.
Argumente gegen die Existenz eines atman:
Die Analyse des Menschen ergibt, dass er ein Kompositum ist aus den fünf
Daseinsgruppen (skandha) oder aus den sechs Sinnesfähigkeiten und ihren
Objekten oder den 18 Elementen (dhatu). Auf keinen dieser Aspekte der
Persönlichkeit lässt sich die Definition eines atman anwenden.
Der Mensch und alle Aspekte der Persönlichkeit sind zusammengesetzt und
darum vergänglich. Daraus ergibt sich, dass sie leidvoll sind; was leidvoll
ist, kann nicht der atman sein.
Annahme eines Selbst verleitet zu selbstischem Denken und Tun und führt
damit zur Verlängerung des Leidens; Aufgabe des Selbst vernichtet die Wurzel
des Leids. Der Mensch befindet sich in einem Zustand dauernder Bewegung,
ewigen Werdens. Alle Dinge sind nur aneinandergereihte momentane Ereignisse,
„Daseinsfetzen". Erfahrung von Kontinuität ist Ergebnis der
Einbildungskraft, hervorgebracht nach der Gesetzmässigkeit des
Pratityasamutpada. Der Buddha gebraucht Worte, die „Person" bedeuten, doch
dies sind nur konventionelle Redeweisen. Ziel der Anatman Lehre ist die
moralische Vervollkommnung des Menschen auf das Nirvana hin.
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