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Ahnenkult in Afrika

Der Ahnenkult in afrikanischen Stammesreligionen ist kein Götzendienst. Die Ahnen werden nicht angebetet, sondern nur verehrt. Der Ahnenglaube ist daher keine Verneinung des Gottesglaubens, auch wenn das Verhältnis zu Gott nicht immer explizit zum Ausdruck gebracht wird. Das alltägliche Leben aber zeigt unzählige Gebete, die den Negro-Afrikaner mit seinem Gott als Schöpfer und höchstem Wesen verbinden, dem einen Gott, der die Gemeinschaft sowohl der Lebenden als auch der Verstorbenen (Ahnen) gestiftet hat.
Gleichwohl ist der Negro-Afrikaner überzeugt, dass die wohltätigen und gottesfürchtigen Ahnen in besonderer Weise beauftragt sind, für das Leben ihrer Nachfahren zu sorgen. Andererseits überleben die Ahnen in letzteren, so dass das jenseitige Glück nicht ohne Mitbeteiligung der irdischen Gemeinschaft möglich sein kann. Sie muss die Erinnerung an ihre Vorfahren durch Gebete, Mahlzeiten und andere Gaben wach halten.
Die Irdisch-Lebenden erlangen dann Segen von den Ahnen: Milde, Friede, Fruchtbarkeit, Beständigkeit, Gesundheit und alles, was das Leben in Fülle schenkt. Dafür aber müssen sie sich genauestens an Gesetze und Weisungen halten, die von den Ahnen als gut erkannt wurden. Diese Gesetze und Weisungen sind eigentlich Ergebnisse der von den Ahnen gesammelten Erfahrungen. Deshalb kommt letzteren eine überaus grosse Bedeutung im Leben des Negro-Afrikaners zu. Die Gesten, Riten und Worte, die von den gottesfürchtigen Ahnen stammen, werden zu Normen und müssen aufgrund ihrer Bewährtheit in verschieden Lebenssituationen wiederholt und weitererzählt werden, weil die durch sie gemachten Erfahrungen die Vorfahren zum Heil geführt haben. Solche Gesten, Riten und Worte der Väter haben nicht nur diesen selbst, sondern auch deren Volk bzw. Sippengemeinschaft Sieg und Glück gebracht; zugleich haben sie von jeglichem Unheil (Böses, Leid) befreit. Das bedeutet schliesslich, dass Nachfahren, die sich nach den Vorbildern und Erfahrungen der Ahnen richten, der Sippen- und Stammesgemeinschaft eine Überlebenschance bieten und das Wohl jedes einzelnen Mitglieds dieser Gemeinschaften sichern. Wer die Ahnen übergeht, richtet das Leben zugrunde, verachtet Gott selbst, den Lebensspender schlechthin.
Diese Idee des Lebens bzw. der Befreiung zum Leben durchzieht das ganze Verhältnis zwischen Lebenden und Toten. Erwähnenswert sind z. B. die Jagdzeremonien. Vor und/oder nach der Jagd wendet man sich an Gott und an die Ahnen, damit das Unternehmen glückt, um für die reiche Beute zu danken. Ebenso werden während der Aussaat nach der Ernte, bei Dürre und Hungernot die Ahnen (und Gott) angerufen. Auch wird man keine Ehe schliessen lassen, ohne dass die Brautleute den Ahnen vorgestellt/geweiht werden, damit diese ihnen ihren Segen erteilen. - Ist jemand krank, wird man nicht versäumen die Ahnen um Genesung zu bitten. Anzumerken ist, dass der Ahnenkult nicht als festgelegtes, gut strukturiertes Moment verstanden werden darf, wie etwa christlicher Gottesdienst. Obwohl es für besondere Anlässe (Eheschliessung, Amtseinführung, Initiation u. ä.) offizielle Beauftragte (Familienvater/-mutter, der/die Älteste der Familie usw.) gibt, kann jeder sich bei jeglicher Angelegenheit privat an seine Vorfahren wenden. Der Ahnenkult bezieht sich daher auch auf jedes respektvolle Verhalten, das im Laufe des Tages und ein Leben lang den Ahnen Ehre erweist.
In negro-afrikanischen Kulturen ist dieser Kult so fundamental, dass er unbedingt Eingang in die christliche Theologie finden sollte.
 


 

 

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