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Ahnenkult im biblischen Umfeld

Bei der Beurteilung des Phänomens Ahnenkult im biblischen Umfeld bezieht man sich auf archäologische Funde sowie mehr noch auf die Aussage von Texten.
Die Beantwortung der Frage, ob es in Israel einen Ahnenkult gegeben hat, hängt zu eine grossen Teil davon ab, ob sich die Verbote in Dtn 14,1 f.; 18,11; 26,14 auf die Übernahme kanaanitischer oder die Ausübung eigener Praxis beziehen. Da es aber keine Hinweise darauf gibt, dass die Trauersitten darauf abzielten, die verstorbenen Ahnen zu beeinflussen, oder dass der Israelit nach seinem Tode Verehrung seitens der Angehörigen erwartete oder dass sich die Lebenden vor dem Geist der Toten hätten schützen müssen, ist Annahme eines Ahnenkults in Israel, der erst später durch einen intoleranten Jahwismus verdrängt wurde, eher unwahrscheinlich. Wohl hat es in Israel Totenbefragung gegeben, ohne dass es reguläre kultische Praxis gewesen ist. Es gibt Hinweise darauf, dass es in Kanaan einen gegeben hat. In Ebla wurde in der Nähe eines Friedhofs ein Tempel ausgegraben, in dem vielleicht Ahnenkult praktiziert wurde. Daneben findet sich z. B. in einem Text aus Ugarit, der zwölf Sohnespflichten aufzählt, die Aufforderung zur Errichtung einer Stele der vergöttlichten Ahnen. Wenn dahinter mehr als Pietät vor den verstorbenen Ahnen steht, dann ist am ehesten mit wohlwollenden Ahnen zu rechnen, worauf auch die Bezeichnung „die Heilenden" für die Verstorbenen hinweist.
Im Gegensatz zum weit ausgebauten Totenkult hat es einen regelrechten Ahnenkult in Ägypten offenbar nicht gegeben. Auch wenn der Erbsohn dem Verstorbenen Opfer und Totenspenden darbrachte und so die Familiengemeinschaft erhielt, so war dieses Ahnengedenken doch nie reine Familienangelegenheit, sondern stand im Zusammenhang mit dem offiziellen Kult um die Götter und den vergöttlichten König. Die zeitweise auftretenden Genealogien haben die Aufgabe, bei erblichen Ämtern die gesellschaftliche Stellung zu legitimieren, und können deshalb nicht als Argument für die Existenz eines Ahnenkults angeführt werden.
In Mesopotamien scheint es einen Ahnenkult gegeben zu haben, worauf die Textbelege hinweisen. Verstorbene konnten demnach sowohl positiven als häufiger noch negativen Einfluss auf die Lebenden ausüben; Unbestattete flogen sogar als unheilvolle Totengeister umher. Ziel des Ahnenkults war es insgesamt eher, sich vor den Ahnen zu schützen, als sich deren positiven Einfluss durch Verehrung zu sichern.
 


 

 

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