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Ahmadiya (arab. Djamd at-i Ahmadiya)
Indisch-islamische Gemeinschaft des ausgehenden 19. Jh. Ihr Gründer, Mirza
Ghulam Ahmad (geb. um 1835 in Qadiyan, Panjab), empfing 1876 die Offenbarung
(wahy), Allah habe ihn zum Propheten (nabi) berufen, unter der
Voraussetzung, dass er den Kur'an (Koran) befolge und er kein neues Gesetz (shar)
aufrichte. Seine Mission verband er von Anbeginn mit einer deutlichen
Ablehnung sowohl der christlichen Mission als auch des wiedererwachenden
Hinduismus. Seine Argumente legte Ghulam Ahmad in dem Werk „Barahin-i
Ahmadiya" (Beweise der Ahmadiya; 3 Bde. 1880-1883) nieder. In ihm gab er
sich als der erwartete Erneuerer (mudjaddid) und Mandi des Islam zu
erkennen. 1890 wurde die Gemeinschaft in Qadiyan formell begründet. 1904
erklärte Ghulam Abmad, auch eine Wiederverkörperung (Avatara) Krsnas
(Krishna) zu sein, nachdem er sich schon zuvor mit dem Messias (masih) der
Juden, mit Jesus ('Isa) und mit dem Mandi der Muslime identifizierte.
- Die Lehren der Ahmadiya stimmen mit jenen des orthodoxen Islam weitgehend
überein. Abweichungen ergeben sich vor allem in der Christologie und in der
Auffassung über den Beruf des Mandi. Nach Meinung der Ahmadi hat Jesus die
Kreuzigung überlebt und emigrierte darauf nach Kashmir (Indien), wo er im
hohen Alter von 120 Jahren verstarb. Sein Grab befinde sich in Srinagar,
welches den Namenszug „Yuz Asaf“ aufweist. Die Mission des Mandi ist
ausschliesslich als eine friedfertige zu verstehen. Der Djihad, der Heilige
Krieg, sei deshalb nicht mit Waffengewalt, sondern mit friedlichen Mitteln
zu führen. Die Würde seines Prophetenamtes interpretierte Ghulam Ahmad
dahingehend, dass er selbst kein gesetzgebender Prophet sei, denn einen
solchen kann es nach allgemein islamischer Auffassung nach Muhammad nicht
mehr geben. Er sah sich vielmehr in der Rolle eines Religionserneuerers,
ohne selbst ein Gesetz empfangen zu haben. Die Bezeichnung khatam an-anbiya'
(„Siegel der Propheten") für Muhammad sei als Krönung oder Siegel des
Prophetenamtes zu verstehen, nicht aber im Sinne von „der letzte Prophet".
- Nach Ghulam Ahmads Tod im Jahre 1908 wurde Nür ud-Din als „Kalif des
verheissenen Messias" (khalifat'ul-Masih) sein Nachfolger. Unter seiner
Herrschaft vollzog sich eine erste Spaltung der Gemeinschaft, die zur
Gründung der Ahmadiya Andjuman Islam führte. Diese anerkennt Ghulam Ahmad
lediglich als mudjaddid, nicht aber als Propheten (nabi). Sie hat ihren
Hauptsitz in Lahore (Pakistan) und unterhält weltweit zahlreiche
Missionsstationen. Die Hauptrichtung der Ahmadiya entfaltet eine ebenso
aktive und expansive Missionstätigkeit und errichtete auf der ganzen Welt
islamische Zentren. Schwerpunkte ihrer Verbreitung sind neben Pakistan
(wohin sie nach der Aufteilung des ehemals Britisch-Indien ihre Zentrale von
Qadiyan nach Rabwah verlegte) vor allem Indonesien, Westafrika, Guyana und
die Karibik. In Europa und Nordamerika ist die Anhängerschaft gering.
Weltweit wird die Mitgliederzahl mit etwa 10 Mio. angegeben, hiervon etwa 3
Mio. in Pakistan. In ihrem Ursprungsland seit Anbeginn im Widerstreit mit
der sunnitischen Orthodoxie (Sunna/Sunniten), wurde sie 1974 zur
nicht-islamischen Minderheit erklärt. Seither ist die Gemeinschaft dort wie
auch in anderen islamischen Staaten starken Repressionen ausgesezt.
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