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Agnostizismus in der (Religions-)Philosophie |
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Der Sache nach ist der
Agnostizismus schon in der Antike anzutreffen, und zwar insbesondere bei
Sophisten und bei den radikalen Skeptikern. In einer prägnanten
religiös-philosophischen Formulierung ist dieser Standpunkt durch den
Sophisten Protagoras (etwa 480-410) zum Ausdruck gebracht worden: „Über die
Götter allerdings habe ich keine Möglichkeit, zu wissen, weder dass sie
sind, noch dass sie nicht sind, noch, wie sie etwa an Gestalt sind; denn
vieles gibt es, was das Wissen hindert: die Nichtwahrnehmbarkeit und dass
das Leben des Menschen kurz ist". Der Begriff Agnostizismus ist eine
Neubildung des 19. Jh. und bezeichnete damals die positivistische
Auffassung, nach der das metaphysische Wahrheitsproblem und insbesondere
religiöse Fragen nicht lösbar sind. Diese Tendenz wird im Neopositivismus
des 20. Jh. fortgesetzt und insofern radikalisiert, als der
sprachanalytische Agnostizismus Sätze der Religion generell als tautologe
oder sinnlose beurteilt, da ihr Wahrheitsgehalt empirisch weder beweis- noch
widerlegbar sei. Auch dort, wo das empiristische Wahrheitskriterium
(Verifikationsforderung) aufgegeben wird und an seine Stelle das
Falsifikationsprinzip tritt, wie im Kritischen Rationalismus (K. R. Popper),
wird jedenfalls im Hinblick auf religiöse Aussagen eine agnostizistische
Einstellung beibehalten, da sich diese nicht falsifizieren liessen; es folgt
gegenüber Religion und Theologie der Vorwurf einer Immunisierungsstrategie
(H. Albert). Von dem (neo-)positivistischen bzw.
kritizistisch-rationalistischen Agnostizismus, der weltanschauliche und
religiöse Probleme in Distanziertheit überwiegend sprachlogisch analysiert,
ist - mit H. R. Schlette - ein aporetischer Agnostizismus zu unterscheiden,
der die Probleme des Daseins, insbesondere das Leiden und den Tod, zwar auch
als metaphysisch oder religiös nicht lösbare und deswegen als „absurde"
betrachtet, diese Einsicht jedoch zum Ausgangspunkt eines radikalen
innerweltlichen Engagements macht (Albert Camus). |
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