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Adam

Adam bezeichnet im Alten Testament als ein stets singularisch gebrauchtes Kollektivum den Menschen, die Menschheit schlechthin, dient aber auch als Eigenname des ersten Menschen. Zweifellos gehört Adam zu den stärksten Bekundungen des altisraelitischen Universalismus. Priesterlicher und jahwistischer Bericht stimmen darin überein, dass sie mit Adam die Stellung des Menschen im Kosmos, seine Verantwortung gegenüber Gott und die schöpfungsmässige Einheit von Mann und Frau aufzeigen und begründen wollen. Diese Einheit bzw. die Wesensgleichheit, Verschiedenartigkeit und Gleichwertigkeit von Mann und Frau wird in der Schaffung der Eva (hebr. die Lebenschenkende) aus Adam dargestellt.
Neutestamentlich erscheint Jesus als der eschatologische Antityp zu Adam. Im Gegensatz zu Matthäus führt Lukas den Stammbaum Jesu über Abraham hinaus auf den von Gott erschaffenen Adam zurück, um so den universalen Geltungsbereich der durch Christus gebrachten Erlösung anzuzeigen. Paulus, der im 1. Korintherbrief die Erschaffung des ersten Menschen ausgehend von Gen 2, 7 her interpretiert, sieht im ersten Menschen Adam, den er als geschichtliches Wesen auffasst, ebenfalls den Antityp zu Christus, den für ihn endzeitlichen Menschen. Diese paulinische Trennung fehlt in den Kreisen der Gnosis, sowohl in der mandäischen Religion als auch im Manichäismus. Beide bemühen sich in gleichwertiger Weise, den Adam-Mythos als Vorbild für das Erlösungsgeschehen zu nehmen.
Im Frühjudentum hat die Beschäftigung mit der Gestalt des Adam eine eigene Adam-Literatur entstehen lassen, die insbesondere bei den Rabbinern weiterwirkt. Neben der Vorstellung Adams als Mikrokosmos und Androgyn finden sich in den rabbinischen Schriften zahlreiche Hinweise auf seine gigantische Gestalt, die die Welt erfüllt und erfasst. Wahrscheinlich sind in diese Tradition die Reste eines von den Rabbinern adaptierten und z. T. umgedeuteten Urmensch-Mythos erhalten. Für das Frühjudentum und die Rabbiner galt aber, dass es ihnen weniger um die individuelle Person Adam als um die in Adam gründende Gesamtheit der Menschen geht. Im Islam ist Adam der „Vater des Menschengeschlechts" und der „Auserwählte Gottes". Der Bericht von der Schöpfung Adams, von seinem Verweilen im Paradies und dem Sündenfall finden sich im Koran vornehmlich in den Suren 2,30-39 und 7,11-23, wobei Muhammad hier hauptsächlich die jüdische Haggada verarbeitet hat.
Zu erwähnen ist noch die Adam-Spekulation, die den Fall des Menschen und seine Sündhaftigkeit neutralisiert, indem sie den ersten Menschen androgyn versteht und in der Unterscheidung der Geschlechter die zu überwindende Folge des Falls der Menschheit.
 


 

 

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