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Zu unterscheiden sind
Pflanzenbau treibende Kulturen, bei denen die Tierzucht keine oder so gut
wie gar keine Rolle spielt, von solchen mit einer gemischten Wirtschaft von
Ackerbau und Viehzucht. Die alten animalistischen Züge der Jäger- und
Sammlerkulturen zeigen sich zumal dort noch, wo die Haltung zum Tier
jägerisch geblieben ist. Im übrigen aber nehmen mehr und mehr die für die
Ernährung wichtigen Pflanzen eine die ganze Existenz des Menschen
bestimmende Stellung ein.
Ein besonderes Gewicht kommt dem als Animismus bezeichneten
Vorstellungskreis zu. Geisterglaube grossen Ausmasses, Beseelung so gut wie
aller Dinge der Natur, ein ausgeprägter Ahnenkult mit Aufbewahrung und
Verehrung der Ahnenschädel, in denen die Kräfte und die Seelen der Vorfahren
gegenwärtig bleiben, spielen eine wichtige Rolle. (Archäologisch ist
dergleichen spätestens im 8. Jt., d.h. in einer Zeit ersten Nachweises von
Ackerbau, bereits belegt.) Vom Geist der Ahnen und ihrer Kraft ist auch der
Boden durchdrungen, der vielfach als Eigentum der Ahnen gilt. Die Herkunft
der Kulturpflanzen wird weithin mit dem gewaltsamen Tod eines zumeist
weiblichen Urzeitwesens in Verbindung gebracht, aus dessen Körper sie
hervorgingen sind. In Verbindung mit dem Wachsen und Reifen der kultivierten
Pflanzen, bildete sich - vor allem auf der Grundlage eines weiblichen
Prinzips - ein untrennbarer Zusammenhang von Tod und Töten, Zeugung und
Fortpflanzung, Kulturpflanzen und Fruchtbarkeit heraus. Der Kreislauf von
Werden und Vergehen muss stetig in kultischen Handlungen gesichert werden,
bei denen das mythische Ereignis rituell wiederholt wird, u. a. durch
Menschenopfer, zumal von jungen und weiblichen Individuen, teilweise später
oder auch daneben als Tier-, vor allem als Schweineopfer. (Auch dafür gibt
es spätestens im 4. Jt. bereits archäologische Hinweise.) Öfters werden
Teile der Opfer verzehrt oder in den Pflanzungen vergraben, um das Gedeihen
der Kulturpflanzen zu sichern. Letzten Endes stehen auch Kannibalismus und
Kopfjagd in enger Verbindung mit einer solchen Vorstellung von Tod und Töten
als Lebens- und Kraftquelle.
Dass die weibliche Fruchtbarkeit sich bei agrarischen Kulturen leicht mit
dem Gedanken der Fruchtbarkeit der Felder verbindet, mag zu der grossen
Bedeutung weiblicher Symbolplastik beigetragen haben, die archäologisch seit
dem Beginn des Neolithikums in zahlreichen Gebieten zu beobachten ist.
Während die weiblichen Figürchen aus den frühesten agrarischen Horizonten
kaum ein Urteil über eine nähere Bestimmung zulassen, zeigen etwas spätere
(etwa im 7. Jt.) Züge einer Mutter- und Fruchtbarkeitsgottheit, daneben aber
auch solche, die eher an die junge Frau oder das Mädchen denken lassen
können. Im ganzen ist bei der figuralen Kleinplastik eine Dominanz des
Weiblichen nicht zu leugnen, doch daneben und damit verbunden ist immer
wieder einmal die männliche Figur vorhanden, wenn auch in verschiedener Art
und Haltung. Selten nachzuweisen, aber dann sehr eindrucksvoll, ist eine
Symbolik von Stieren und Widdern, die eher der männlich-viehzüchterischen
Sphäre zuzuordnen sein dürfte. In Richtung auf Männliches weist
wahrscheinlich auch eine Beil- oder Axtsymbolik. Alles in allem deutet sich
ein Dualismus von Männlichem und Weiblichem an, wenn auch in der Symbolik
das Männliche zurücktritt.
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