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Absolut - relativ

Die kontradiktorischen Begriffe absolut (lat.; „abgelöst") und relativ (lat.; „bezogen") mit ihren zahlreichen Wortverbindungen (das Absolute, Absolutheit; Beziehung, Relativismus u. a.) gehören der Sache nach zu den zentralen metaphysischen, gnoseologischen und theologischen Grundbegriffen der Philosophie, da alles wissenschaftliche Erkennen im Einzelnen das Allgemeine, hinter dem Abhängigen, Verursachten, Begründeten, Bedingten, Zufälligen, Endlichen und Beschränkten das Unabhängige, Gesetzesartige, Grundlose, Unbedingte, Notwendige, Unendliche und Unbeschränkte, d. h. im und vor bzw. hinter dem Relativen das Absolute sucht.
Absolut oder relativ ist
 

a) dem Begriffe nach dasjenige, was ohne oder nur mit Beziehung auf anderes definiert werden kann;
 

b) dem Sein nach zum einen dasjenige, dem Sein an sich (als Substanz) oder nur in bezug auf etwas anderes (Akzidenzien) zukommt, zum anderen dasjenige, was durch bzw. aus sich selbst ist (Substanz) oder dessen Sein eine reale Beziehung zu einem anderen begründet (alles endliche Sein);
 

c) der Geltung nach dasjenige, was unabhängig davon gilt, ob es erkannt oder gewusst wird (Allgemeingültigkeit, Denkprinzipien der Logik, Normen, Gesetze, z. B. apriorische Grundsätze des Verstandes; Sittengesetz, transzendentale Ideen) oder dasjenige, was nur bedingterweise und hypothetisch Geltung hat.
 

Der Relativismus der Geltung ist durch die Auffassung gekennzeichnet, dass es weder eine absolute, umfassende Wahrheit noch eine allgemein-verbindliche Sittlichkeit für den Menschen gibt, dass vielmehr alles Erkennen (erkenntnistheoretischer Relativismus) bezogen auf bzw. abhängig von veränderliche(n) Bedingungen (z. B. individuelle, kulturelle und geschichtliche Denkstrukturen) ist und auch das sittliche Handeln (ethischer Relativismus) jeweils sich an wechselnden Massstäben, Normen und Rechtsideen ausrichtet (Geschichtlichkeit, Historismus, Perspektivismus).
Philosophisch von ausschlaggebender Bedeutung ist das metaphysische Absolute, das in der Geschichte des Denkens gefasst wird als die Idee des Guten (Platon), das Eine bzw. Obereine (Plotin), die absolute Substanz (B. de Spinoza), als absoluter Geist (G. W. F. Hegel), absolute Persönlichkeit, absoluter Wert (im metaphysischen Idealismus seit Platon), absolute Sittlichkeit, absolutes Ich (überindividueller Kraftgrund des Einzelwesens bei J. G. Fichte) oder urspr. Einheit von Subjekt und Objekt, Identität und Nichtidentität. Die Frage nach der Präsenz des Absoluten im Endlichen und die nach dem Verhältnis von Absolutheit und Geschichtlichem ist zentrales Thema aller kritisch reflektierenden und spekulativen Philosophie.


 

 

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