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ZADDIK, hebräisch »der Gerechte«; Mehrzahl Zaddikim

Name der geistigen Führer in den ostjüdischen Gemeinden, die sich der Bewegung des neueren Chassidismus einer mystisch-pietistisch kabbalistischen Bewegung, die im 18. Jahrundert besonders in Polen blühte angeschlossen hatten. Ihr Begründer war Rabbi Israel ben Elieser, meist »Baal Schem-Tov« oder kurz Besht genannt und oft als »Messias« bezeichnet. Auffallende Krankenheilungen trugen ihm bald den Ruf eines Wundertäters ein und machten ihn zum Vorbild der in vielen Anekdoten und Legenden erwähnten »Wunderrabbis«. Das Vertrauen weiter Kreise in die übernatürlichen Fähigkeiten der Zaddik im bildete einen wichtigen Faktor in der Geschichte des Chassidismus. »Schon im Talmud begegnen wir Wundermännern, die als Vorbilder der Wundermänner des Chassidismus bezeichnet werden können. Unzählig sind die im talmudischen Schrifttum mitgeteilten, von frommen Männern bewirkten wunderlichen Begebenheiten«, nach Bloch. Das chassidische Weltbild zeichnet sich dadurch aus, dass es in jenem der talmudischen Orthodoxie nicht ihr Auslangen findet; bei ihm ist das Böse die Wurzel des Guten, böse Strebungen sollen in ein Streben nach dem Göttlichen umgewandelt werden. Der Zaddik hat »den Trieb besiegt, die Vollendung erreicht, und löst sich von den irdischen Dingen los, ... der Leib ist nur dazu da, um ihm während seiner kurzen Weile in der niederen Welt eine Menschengestalt zu geben«. Demgegenüber leugnen Historiker des Chassidismus jedoch nicht, dass manche Zaddik im den Aberglauben ihrer Anhänger nicht bekämpften und sich seiner zur Mehrung ihres Ansehens bedienten. Die negativen Seiten werden aber bei Betrachtung des mystischen Schwunges und der »göttlichen Begeisterung« (hitlahuvut) meist kaum beachtet. »Gott ist in allen Dingen als 'Deus sive natura` im Sinne Spinozas. Die Welt ist das Kleid, in das Gott sich hüllt. Es gibt Wechselwirkungen zwischen irdischer und himmlischer Welt. Nicht nur Gott wirkt auf die Menschen, sondern menschliche Gedanken wirken auch auf himmlische. Man könnte diese Leute »die Chassidim des 18. Jahrhunderts also Paracelsisten des Ostens nennen«, so W. Leibbrand 1956. Der im Geiste der Fröhlichkeit gefeierte Gottesdienst dient dazu, den Fluss der göttlichen Gnade in die getrennten Teile der Schöpfung zu aktivieren und kosmische Harmonie herzustellen. Unter den Nachfolgern des Baal Schem-Tov sind besonders Jakob Joseph von Polonnoje und Dov-Bär von Meseritz zu nennen, ebenso Jakob Isaak, »der Seher von Lublin«. Diesem wurden hellsichtige Fähigkeiten nachgerühmt. Die napoleonischen Kriege fasste er als endzeitliche Kämpfe auf und soll sich bemüht haben, mit magischen Mitteln den Sieg des Guten zu beschleunigen.
Wundererzählungen eines Mittelalter Kabbalisten, der als Vorläufer der späteren Zaddik im gelten kann: Die Schwochim des Rabbi Schmuel und Rabbi Juda Chassid, editiert Maitlis, London 1961.

 

 

 

 

 

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