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WIERUS, Weyer, Wier, Weyer, Wierius, Johannes, geboren 1515 zu Grave in Nordbrabant

Begann seine Studien als Schüler des Agrippa von Nettesheim, machte nach dessen Tod 1535, ausgedehnte Reisen und wurde nach seiner Heimkehr 1550 Leibarzt des freisinnigen Herzogs Wilhelm IV. von Jülich, Cleve und Berg, »in welchem Amte er sich 33 Jahre sehr rühmlich aufführte und selbigen Fürsten auf seinen Reisen in Deutschland und Preussen begleitete... er war auch an der Kayser Carl V, Ferdinands I., Maximilians II. und Rudolphs II. am  Hofe in Ansehen«. Kulturgeschichtlich hochbedeutsam ist sein Buch »De praestigiis daemonum et incantationibus et veneficiis libri V«, von Neufforge als »die bedeutendste Kulturtat der Zeit« bezeichnet; Wierus vertrat darin die Ansicht, dass die »Hexen« nicht abgeurteilt werden sollten und dass, laut Zedler, »alle diejenige, denen man dergleichen Dinge Schuld gäbe, Melancholische Personen wären, und daher sich einbildeten, dass sie einen Packt mit dem Teufel hätten, so, dass sie in der Tat mehr Erbarmens- als Strafwürdig wären«. Damit zählt Wierus mit Bekker, Spee, Tanner und Thomasius zu den Vorkämpfern gegen den Hexenglauben: »De praestigiis daemonum. Von ihrem Ursprung, Onderscheid etc.«.
Das Bucherlebte zahlreich Auflagen und wurde auch ins Deutsche übersetzt: »Von Zauberern und Hexen«, »De praestigiis daemonum. Von Teuffelsgespenst, Zauberern und Gifftbereytern, Schwarztkünstlern, Hexen und Unholden« etc., Frankfurt 1586. Dieses Werk wurde von Jean Bodin sehr bekämpft, mit Hinweis darauf, dass Wierus zwar die Hexen verteidige, selbst aber wie Agrippa teuflische Beschwörungsformeln lehre. Dass Wierus nicht bloss ein »Aufklärer und Neuerer«, sondern auch ein Kind seiner Zeit war, schildert Zedler: »Er beschrieb auch das Reich der Hölle mit dem Nahmen und Zunahmen der 572 Fürsten unter den Teufeln, und der 7405926 geringen Geister. Ferner bekannte er, er habe des Trithemii steganographia... gefunden, nebst den Nahmen der Teufel und den Gebeten, die man gebrauchen muss, wenn man sie um ihren Beystand anruffen will«. Zedler nennt an weiteren Werken des Wierus »De incantationibus ac veneficiis«, Basel 1556 und 1583; »De lamiis et commentitiis jejunis«, Basel 1582; »Liber apologeticus de Pseudo-Monarchia Daemonum«, Basel, ferner die in manchen Bodin Ausgaben als Anhang veröffentlichte Diskussion mit diesem Autor; schliesslich medizinische Werke wie »De morbo irae«, »De scorbuto«, »Observationes mediae rariores« und ein »in Deutscher Sprache geschriebenes Artzney-Buch, von einigen zu selbiger Zeit nicht gar zu bekannten Kranckheiten, Franckfurt 1588«. Eine lateinische Gesamtausgabe wurde 1600 in Amsterdam publiziert. Als Herzog Wilhelm, der Schutzherr des Wierus, unheilbar erkrankte, nahmen die Hexenverfolgungen zu und Wierus musste den jülich-bergischen Hof verlassen. Er starb 1588 in Tecklenburg.

 

 

 

 

 

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