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STERNSCHNUPPEN, auch Sternputzen oder -butzen, Sternschneutzen, Sternschnupfen |
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Alte Bezeichnung für die
gallertartigen Klumpen der Zitteralge Nostoc aus der Gruppe der Cyanophyceen,
die im freien Land an feuchten Tagen oft an Rainen, Wegen und Felsen zu
sehen ist. Der Volksglaube hielt diese Schleimansammlungen für einen Auswurf
der Sterne und brachte sie mit Meteoriten in Verbindung. Manche Alchemisten
schenkten ihnen wegen ihrer an Sperma erinnernden Konsistenz viel Beachtung
und hielten sie für die materia prima oder proxima, so etwa der
kurpfälzische Hofrat B. J. Schleiss von Löwenfeld, der unter dem Pseudonym
Phoebron die Schrift »Der im Lichte der Wahrheit strahlende Rosencreutzer«
hinterliess. Er schrieb über diese »bekannte, aber verachtete, unansehnliche
Materie«, dass sie sich von den übrigen Naturdingen dadurch unterscheide,
»dass sie erstens die Natur in der Luft erzeugt und durch sie ihren drei
Reichen, und zwar am bemerklichsten dem Pflanzenreiche, Nahrung, Stärke und
hauptsächlich jenen Salzschwefelgeist als das Vehiculum ihrer allgemeinen
Samenkraft zuschickt, wogegen sie sich zweitens mit einem jeglichen
Naturreich unmittelbar vereinigen... und drittens ihre drei wesentlichen
Bestandteile Sal, Sulphur und Mercurius nur den geringsten oder ersten
Gerinnungsgrad in ihrer Zeugung von der Natur erhalten haben.«, Zitat nach
A. Müller-Hamburg, Alchemist. Mit diesen Sternschnuppen befasst sich J. S.
Halle im 9. Bd. seiner »Magie«, und meint, es handle sich keineswegs um
stellare Substanz, sondern um von Möwen ausgespieene Quallen. In Zedlers
Lexikon, heisst es: »Was einige Leute im Früh Jahr zuweilen von einem auf
der Erde liegenden Gallert förmigen Klumpen glauben, dass die abgefallene
Sternputze sey, ist ein Irrthum indem es insgeheim nichts anderes, als ein
Leich von Kröten und dergleichen Ungeziefer ist. Es fället demnach von sich
selbst weg, dass sich die Sterne durch dieses Schnäutzen reinigten, und die
Alchemisten suchen in diesem Schnupfen den Stein der Weisen vergeblich«. Die
in alchemistischen Schriften unter dem Namen Himmeltau beschriebene Substanz
kann sich auf diese Nostoc-»St. «bezogen haben. In der Berliner
Rosenkreuzerschrift »Annulus Platonis« heisst es: »Die Sternschneuze oder
Sternputze, ein vornehmes Meteor und wahres Sperma astrale... ist die über
unsern Häuptern schwebende jungfräuliche Erde, die von je an von denen
Weltweisen mit so vielen Lobsprüchen beleget worden«. In diesem Sinne auch
G. Brabbee: um 1782 existierte in Wien eine Alchemistengruppe, »die hohen,
weisen, edlen und fürtrefflichen Ritter vom Sternschnuppen... gut berittene
Brüder jagten oft ganze Nächte hindurch in weitem Umkreis den fallenden
Sternschnuppen nach, und brachten die gewonnene Ausbeute sodann ihren
ungeduldig harrenden Genossen heim, welche diese köstliche Masse so lange in
einem Cirkulir-Gefäss gefangen hielten, bis sie sich aus Verzweiflung zu
gediegenem Gold verwandelte«. Die für den heutigen Leser zunächst sehr
befremdlich wirkende Assoziation »Sperma« und »astral« könnte auf das
gnostisch-manichäische Weltbild des Hellenismus zurückgehen. So etwa G.
Widengren: »Die alten griechischen Ärzte-Schulen stellten sich vor, dass das
Sperma... ein feuriges Fluidum ist: das pneuma. Hinter diesen Vorstellungen
steht eine mythische Vorstellung, die wir auch in der indo-iranische Kultur
antreffen. Die Voraussetzung aller solcher Theorien ist, dass das höchste
Element im menschlichen Körper das Feuer ist. Das Sperma ist eine
Feuersubstanz und wird als pneuma betrachtet. Sonne, Mond und Sterne
bestehen ebenfalls aus einer feuerartigen Substanz. Von dort stammt das
höhere Ich des Menschen und dorthin kehrt es zurück« . |
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