|
Sind in der Alchemie die
Farben der zwei Stoffe, die in der chymnischen Hochzeit vereinigt werden
sollen, um den Stein der Weisen zu ergeben. Im »Chymnischen Lustgärtlein«
des Stoltzius ist diese Operation unter dem Symbolbild der Meeresnymphe
wiedergegeben, aus deren Brüsten die zwei Grundstoffe quellen.
Im »Compass der Weisen« des »Ketmia Vere« heisst es darüber: »Der Mercurius,
wovon Montesnyders redet, hat eine zwiefache Natur und wird deswegen
Hermaphrodit genennet. Hat zween Eltern, oder entstehet aus zween andern
Mercuriis, deren der eine weiss, der andere roth.... Dieser beyde Mercuriun
besser zu determiniren, ernähre sie mit einem Fleische ihres Geschlechts.
Das Blut der ertödteten unschuldigen Kinder, die Geister der Leiber, sind
das Bad, darinn sol und luna baden gehen. Lullius sagt: Wisse! dass der
Mercurius sublimiret seyn müsse, entweder von einem weissen oder rothen
Metalle, und dass die Auflösung nicht anders geschehen könne, als in seinem
eignen Blute, und in seinem eigenen Gefässe«. A. von Bernus 1969, spricht
von einem weissen und roten »Öl«, auch »vinum rubeum et album«, die mit dem
»spiritus mercurii«, worin reines Gold gelöst ist, vereinigt werden müssen,
uni im Pelikan bei langsam steigender Temperatur »durch die Farben« zu
gehen, woraus dann das Elixier entstehen soll. Im Hintergrund der bipolaren
Farbsymbolik steht wohl der von gnostischen Sekten der Spätantike bewahrte
Glaube, dass eine Zeugung erfolge, wenn im »Feuer des Begehrens« das
Menstrualblut bei Zutritt des Spermas gerinne. Diese Zeugungstheorie wurde
offenbar wegen der zu ihrer Umschreibung verwendeten kryptischen
Ausdrucksweise später nicht mehr verstanden und im chemisch-alchernistischen
Sinne umgedeutet, wobei jedoch die Symbolik der »Hochzeit« erhalten blieb.
|