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PARACELSUS, eigentlich Theophrastus, Bombastus, von Hohenheim, circa 1493-1541

Bedeutender deutsch-schweizerischer Arzt, Alchemist, und eigenwilliger neuplatonischer Philosoph, gilt als Begründer der Chemiatrie und zusammen mit Andreas Vesalius, als Vorkämpfer der neuen, von Galenos und Avicenna unabhängigen Heilkunst, in der auch die Chirurgie ihren Platz hat. Es wäre aber einseitig, die magische Seite seines Denkens, die sich in zahlreichen Werken aus seiner Feder äussert, zu vernachlässigen. Die Beurteilung dieser Seite seines Wesens steht und fällt allerdings mit der Beurteilung der Echtheitsfrage der betreffenden Schriften, die noch immer umstritten ist. Zweifellos nehmen neuplatonisch-magische Gedankengänge wie bei Trithemius und Agrippa von Nettesheim hier einen breiten Raum ein. Ihr geistesgeschichtlich wichtiges gegenseitiges Verhältnis charakterisiert Peuckert 1967: Agrippa habe Trithemius 1510 besucht und ihm die »Occulta Philosophia« zugeeignet, der sie sehr freundlich aufnahm. Man »wird annehmen dürfen, dass zumindest seine Grundzüge ihm genügten, und dass der Abt in den hermetischen Gedankengängen ebenfalls zuhause war, so wie der liohenheimer (P.) ihn als adeptus philosophus bezeichnete«.
Paracelsus wurde in der Nähe von Einsiedeln, im Kanton Schwyz, geboren. Sein bekannter Beiname ist entweder eine freie Übersetzung von »Hohenheim« oder soll seine Vorrangstellung von der Antike andeuten. Nachdem Paracelsus seine Jugend in Villach, Kärnten, und Schwyz, im Tirol, verbracht hatte, dürfte er in Basel studiert haben, was jedoch nicht exakt nachweisbar ist. 1526 hielt er sich in Strassburg auf, hielt bald darauf medizinische Vorlesungen in Basel und verbrannte öffentlich die Bücher Galens und Avicennas. Wachsende Opposition zwang ihn jedoch 1528 zu einem unsteten Wanderleben. 1541 wurde Paracelsus durch den Erzbischof Ernst von Bayern nach Salzburg eingeladen. Doch schon am 24. September dieses Jahres starb er, drei Tage nach Abfassung eines Testamentes, wie die Sage behauptet: infolge eines Mordanschlages durch missgünstige Konkurrenten.
Das Studium der Paracelsus-Schriften erfordert eigenes Vokabular, wie etwa das von Adam von Bodenstein, da der Autor zahlreiche Termini prägte oder abweichend vom üblichen Gebrauch verwendete. Paracelsus fordert, dass der Arzt nicht nur Heilkunst und Alchemie beherrschen müsse, sondern zum Verständnis der astralen Einflüsse auch Astronomie, ebenso Theologie, um dem übernatürlichen Ursprung mancher Leiden gerecht werden zu können. In der Alchemie wurde seine Lehre von den drei Grundstoffen sal, sulphur und mercurius bedeutsam. Zahlreiche Sagen knüpfen sich an des Paracelsus Goldmacherkunst, doch stand für ihn offenbar die Bereitung der Universalmedizin im Vordergrund dieser Bemühungen. Er entwickelte dabei zahlreiche Medikamente auf anorganisch-chemischer Basis, das heisst Verbindungen von Quecksilber, Schwefel, Eisen, Kupfer usw., daneben auch alkoholische Auszüge von pflanzlichen Inhaltsstoffen.
So wurde Paracelsus der Begründer einer pharmazeutischen Richtung, die man als Iatrochemie oder Chemiatrie bezeichnet. Da die Anhänger dieser Rezepturenlehre meist auch in philosophischer Hinsicht mit den Schriften des Paracelsus vertraut waren, spricht man von einer Schule der »Paracelsisten«; dazu zählt man neben dem Herausgeber vieler Paracelsus-Schriften, Johannes Huser, vor allem die Ärzte Croll und, Dorn, den »Hermetiker« Heinrich Khunrat und später J. B. van Helmont. Die Zahl der Paracelsus-Schriften ist deswegen so gross, weil zahlreiche Manuskripte erst nach seinem Tode, zum Teil unter immer neuen Namen und in mannigfachen Kombinationen, herausgegeben wurden, wobei die Frage, »echt oder spurios« nicht immer beantwortet werden kann. Unter den zu des Paracelsus Lebenszeit veröffentlichten Werken sind zu nennen: »Practica, gemacht auff Europen«; »Ausslegung des Cometen erschynen im hochgebirg«, Zürich 1531; »Practica Teütsch auf das M. D. XXXV. Jar«, Augsburg 1535; Die »grosse Wundartzney«, Ausgabe 1536; Praktiken auf die Jahre 1537 und 1538. Die berühmtesten Werke, etwa die »Astronomia Magna«, erschienen erst aus dem Nachlass. Die wichtigste Quelle für bibliograph. Fragen ist die »Bibliographia Paracelsica« von K. Sudhoff, der zusammen mit W. Mattiesen auch die grosse Ausgabe der Paracelsus-Schriften überwachte.
Sicherlich nicht von Paracelsus selbst verfasst ist die »Archidoxis magica«, erstmals vollständig enthalten in der Ausgabe Basel 1572. Es handelt sich um eine Version der viel älteren Schrift »De septem quadraturis planetarum« in paracelsischem Stil. Die ersten 4 Bücher waren schon 1570 in einem in Basel 1570 unter dem Titel »De summis Naturae Mysteriis libri tres«, ins Latein übersetzt von Dorn, erschienen. Die eigenartige Persönlichkeit des Paracelsus erschliesst sich erst bei längerem Studium seiner Werke. Zahlreiche Porträts tragen sein persönliches Motto »Alterius non sit qui suus esse potest«, das heisst »Wer sein eigner Herr sein kann, soll keinem andern hangen an«, ein Beweis für seine autokratische, dem Autoritätsglauben abholde Grundeinstellung.
Als ideengeschichtliche besonders wertvoll gilt die »Astronomia Magna oder die ganze Philosophia sagax der grossen und kleinen Welt«, um 1536 begonnen. » Paracelsus entwirft darin eine esoterische theosophische Kosmographie, in der hierarchisch geordnet Belebtes und Unbelebtes seinen Platz einnimmt, in der der Mikrokosmos in den Makrokosmos eingebettet ist. Kräfte von oben wirken nach unten: Die Kräfte des Firmaments wirken unmittelbar psychisch und physisch auf den Menschen, formen seinen Charakter, zwingen ihn zu Handlungen, setzen Zeichen; auf der anderen Seite aber hat der Mensch den göttlichen Auftrag zu erkennen, das heisst bestimmte Künste zu üben, firmamentische Kräfte aufzunehmen, um sie zu realisieren. Dazu zählt zum Beispiel die Signaturen-Lehre, die nichts ohne den erkennenden Akt ist, und dazu zählt die Magie, ein gottgewolltes ,natürliches` Erkennungsmittel«, Bonin 1978. Paracelsus »beeinflusste massgeblich die Entwicklung der protestantischen Mystik, des Spiritualismus und Separatismus, ferner Jakob Böhme und die Theosophie des 17.-18. Jahrhunderts und die Naturphilosophie des 18.-19. Jahrhunderts«, Bertholet 1985.

 

 

 

 

 

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