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Bedeutender
deutsch-schweizerischer Arzt, Alchemist, und eigenwilliger neuplatonischer
Philosoph, gilt als Begründer der Chemiatrie und zusammen mit Andreas
Vesalius, als Vorkämpfer der neuen, von Galenos und Avicenna unabhängigen
Heilkunst, in der auch die Chirurgie ihren Platz hat. Es wäre aber
einseitig, die magische Seite seines Denkens, die sich in zahlreichen Werken aus
seiner Feder äussert, zu vernachlässigen. Die Beurteilung dieser Seite
seines Wesens steht und fällt allerdings mit der Beurteilung der
Echtheitsfrage der betreffenden Schriften, die noch immer umstritten ist.
Zweifellos nehmen neuplatonisch-magische Gedankengänge wie bei Trithemius
und Agrippa von Nettesheim hier einen breiten Raum ein. Ihr
geistesgeschichtlich wichtiges gegenseitiges Verhältnis charakterisiert
Peuckert 1967: Agrippa habe Trithemius 1510 besucht und ihm die »Occulta
Philosophia« zugeeignet, der sie sehr freundlich aufnahm. Man »wird annehmen
dürfen, dass zumindest seine Grundzüge ihm genügten, und dass der Abt in den
hermetischen Gedankengängen ebenfalls zuhause war, so wie der liohenheimer
(P.) ihn als adeptus philosophus bezeichnete«.
Paracelsus wurde in der Nähe von Einsiedeln, im Kanton Schwyz, geboren. Sein
bekannter Beiname ist entweder eine freie Übersetzung von »Hohenheim« oder
soll seine Vorrangstellung von der Antike andeuten. Nachdem Paracelsus seine
Jugend in Villach, Kärnten, und Schwyz, im Tirol, verbracht hatte, dürfte er
in Basel studiert haben, was jedoch nicht exakt nachweisbar ist. 1526 hielt
er sich in Strassburg auf, hielt bald darauf medizinische Vorlesungen in
Basel und verbrannte öffentlich die Bücher Galens und Avicennas. Wachsende
Opposition zwang ihn jedoch 1528 zu einem unsteten Wanderleben. 1541 wurde
Paracelsus durch den Erzbischof Ernst von Bayern nach Salzburg eingeladen.
Doch schon am 24. September dieses Jahres starb er, drei Tage nach Abfassung
eines Testamentes, wie die Sage behauptet: infolge eines Mordanschlages
durch missgünstige Konkurrenten.
Das Studium der Paracelsus-Schriften erfordert eigenes Vokabular, wie etwa
das von Adam von Bodenstein, da der Autor zahlreiche Termini prägte oder
abweichend vom üblichen Gebrauch verwendete. Paracelsus fordert, dass der
Arzt nicht nur Heilkunst und Alchemie beherrschen müsse, sondern zum
Verständnis der astralen Einflüsse auch Astronomie, ebenso Theologie, um dem
übernatürlichen Ursprung mancher Leiden gerecht werden zu können. In der
Alchemie wurde seine Lehre von den drei Grundstoffen sal, sulphur und
mercurius bedeutsam. Zahlreiche Sagen knüpfen sich an des Paracelsus
Goldmacherkunst, doch stand für ihn offenbar die Bereitung der
Universalmedizin im Vordergrund dieser Bemühungen. Er entwickelte dabei
zahlreiche Medikamente auf anorganisch-chemischer Basis, das heisst
Verbindungen von Quecksilber, Schwefel, Eisen, Kupfer usw., daneben auch
alkoholische Auszüge von pflanzlichen Inhaltsstoffen.
So wurde Paracelsus der Begründer einer pharmazeutischen Richtung, die man
als Iatrochemie oder Chemiatrie bezeichnet. Da die Anhänger dieser
Rezepturenlehre meist auch in philosophischer Hinsicht mit den Schriften des
Paracelsus vertraut waren, spricht man von einer Schule der »Paracelsisten«;
dazu zählt man neben dem Herausgeber vieler Paracelsus-Schriften, Johannes
Huser, vor allem die Ärzte Croll und, Dorn, den »Hermetiker« Heinrich
Khunrat und später J. B. van Helmont. Die Zahl der Paracelsus-Schriften ist
deswegen so gross, weil zahlreiche Manuskripte erst nach seinem Tode, zum
Teil unter immer neuen Namen und in mannigfachen Kombinationen,
herausgegeben wurden, wobei die Frage, »echt oder spurios« nicht immer
beantwortet werden kann. Unter den zu des Paracelsus Lebenszeit
veröffentlichten Werken sind zu nennen: »Practica, gemacht auff Europen«; »Ausslegung
des Cometen erschynen im hochgebirg«, Zürich 1531; »Practica Teütsch auf das
M. D. XXXV. Jar«, Augsburg 1535; Die »grosse Wundartzney«, Ausgabe 1536;
Praktiken auf die Jahre 1537 und 1538. Die berühmtesten Werke, etwa die »Astronomia
Magna«, erschienen erst aus dem Nachlass. Die wichtigste Quelle für
bibliograph. Fragen ist die »Bibliographia Paracelsica« von K. Sudhoff, der
zusammen mit W. Mattiesen auch die grosse Ausgabe der Paracelsus-Schriften
überwachte.
Sicherlich nicht von Paracelsus selbst verfasst ist die »Archidoxis magica«,
erstmals vollständig enthalten in der Ausgabe Basel 1572. Es handelt sich um
eine Version der viel älteren Schrift »De septem quadraturis planetarum« in
paracelsischem Stil. Die ersten 4 Bücher waren schon 1570 in einem in Basel
1570 unter dem Titel »De summis Naturae Mysteriis libri tres«, ins Latein
übersetzt von Dorn, erschienen. Die eigenartige Persönlichkeit des
Paracelsus erschliesst sich erst bei längerem Studium seiner Werke.
Zahlreiche Porträts tragen sein persönliches Motto »Alterius non sit qui
suus esse potest«, das heisst »Wer sein eigner Herr sein kann, soll keinem
andern hangen an«, ein Beweis für seine autokratische, dem Autoritätsglauben
abholde Grundeinstellung.
Als ideengeschichtliche besonders wertvoll gilt die »Astronomia Magna oder
die ganze Philosophia sagax der grossen und kleinen Welt«, um 1536 begonnen.
» Paracelsus entwirft darin eine esoterische theosophische Kosmographie, in
der hierarchisch geordnet Belebtes und Unbelebtes seinen Platz einnimmt, in
der der Mikrokosmos in den Makrokosmos eingebettet ist. Kräfte von oben
wirken nach unten: Die Kräfte des Firmaments wirken unmittelbar psychisch
und physisch auf den Menschen, formen seinen Charakter, zwingen ihn zu
Handlungen, setzen Zeichen; auf der anderen Seite aber hat der Mensch den
göttlichen Auftrag zu erkennen, das heisst bestimmte Künste zu üben,
firmamentische Kräfte aufzunehmen, um sie zu realisieren. Dazu zählt zum
Beispiel die Signaturen-Lehre, die nichts ohne den erkennenden Akt ist, und
dazu zählt die Magie, ein gottgewolltes ,natürliches` Erkennungsmittel«,
Bonin 1978. Paracelsus »beeinflusste massgeblich die Entwicklung der
protestantischen Mystik, des Spiritualismus und Separatismus, ferner Jakob
Böhme und die Theosophie des 17.-18. Jahrhunderts und die Naturphilosophie
des 18.-19. Jahrhunderts«, Bertholet 1985. |