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OUROBOROS, griechisch

Die sich in den Schwanz beissende Schlange, als Ring ohne Anfang und Ende eine im Zeitalter des Manierismus beliebte Allegorie für die sich wandelnde Materie, etwa für das in Transmutation befindliche Quecksilber. In einigen Darstellungen tritt an Stelle der Schlange ein Drache, sehr selten finden wir einen langhalsigen Vogel, wobei das Ouroboros-Emblem gelegentlich auch für das aus dem Stein der Weisen erzeugte Elixier vitae steht. Ein Ouroboros-Drache ist das persönliche Emblem von Eugenius Philalethes und E. A. Hitchcock. Dass dieses Symbol auf gnostisch-spätantike Tradition zurückgeht, zeigt seine Darstellung im Codex Casselanus mit der griechischen Beschriftung »hen to pan« das Eine ist Alles. Die Bedeutung des Ouroboros-Symbols für die Alchemie liegt in der spätantiken Aion-Symbolik begründet. Der Urgreis Aion haust in einer tiefen Höhle, und sie wird »umschlungen von einer Schlange, die in lautlos waltender Macht alles verzehrt, und immer hat sie grüne Schuppen und mit zurückgebogenem Maul beisst sie in ihren Schwanz, in lautlosem Gleiten zum Anfang zurückkehrend«, so Claudianus, alexandrinischer Dichter 400 nach Christus. In dieser Höhle befinden sich unter den Geheimnissen des Aion (Aevi arcana) die Zeitalter, nach den Metallen geordnet. Sol, der Sonnengott, führt das aureum saeculum von dort an das Tageslicht hervor; der Aion-Greis wurde mit Kronos gleichgesetzt.
Soweit sich das Bild des Ouroboros oder des ihn ersetzenden langhalsigen Vogels in rein alchemistischen Werken findet, könnte es sich jedoch auch um eine bildliche Darstellung des Kreislaufes Verdampfung-Kondensation-Verdampfung usw. handeln. Gleichzeitig ergibt sich im weiteren Sinne eine Anspielung an die gnostische Symbolik, und zeitweise auf das wichtige Bild des ewigen Kreislaufes vom Abstieg des Geistes in die Körperwelt und seiner Rückkehr in das Reich des Absoluten: ein »Zyklus von Evolutionen und Involutionen, von Degradationen und Regradationen... ein nicht-ausgerichteter, unbegrenzter Prozess: die Schlange, die sich in den Schwanz beisst«, C. Tresmontant.
Im ikonographischen Sinne hängt das Bild des Ouroboros wohl zusammen mit der alten Vorstellung von der Weltschlange, ähnlich der erdumgürtenden Midgard-Schlange in der altnordischen Mythologie. Berühmte Darstellungen des Ouroboros findet man zum Beispiel in der »Ripley Scrowle« und in der Handschrift Rh 172. Wiedergaben bei Burckhardt 1960. An Stelle des Ouroboros treten manchmal zwei drachenähnliche Wesen, die einander in den Schwanz beissen und sich so ebenfalls zum Ring schliessen.

 

 

 

 

 

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