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Alter Analogiezauber, der
im Sinne der Entsprechungen andere Bindungen bewirken oder Lösungen
verhindern soll. Das Nestelknüpfen ist schon in der Antike bezeugt, etwa bei
Vergil, »necte tribus nodis ternos, Amarylli, colores / necte, Amarylle,
modo et Veneris' dic vincula necto'«, d. h. Dreimal knüpf, Amaryllis, in
Knoten die dreierlei Farben / Knüpf, Amaryllis und sprich: ich knüpfe die
Fesseln der Venus. Meist wurde im Mittelalter das Nestelknüpfen als
Schadenzauber ausgeübt, und zeitweise um Akte, bei welchen die »Eröffnung
des Leibes« nötig ist, unmöglich zu machen: also etwa zur Verhinderung von
Empfängnis und Geburt, letzteres im Sinne der antiken Mythe, derzufolge Hera
die Geburt des Herakles durch Verknoten der Finger sieben Tage magisch
verhinderte.
Impotenz und Sterilität wurden der Einwirkung von missgünstigen Dämonen
zugeschrieben, und zeitweise schon bei Plotin. Im Mittelalter wurden Hexen
und Zauberer als Vermittler dieser Einflüsse angesehen. »Impotentia ex
maleficio« rechtfertigt nach Ivo von Chartes eine Auflösung der Ehe.
Die Tatsache, dass die an sich nicht »leibfreundliche« christliche
Orthodoxie sich zum Anwalt der Zeugungs- bzw. Kohabitationsfähigkeit machte,
lässt darauf schliessen, dass dies in bewusstem Gegensatz zu
»leibfeindlichen« neognostischen Bewegungen und Sekten geschah etwa um die
an theologische Spitzfindigkeiten kaum interessierte breitere Masse der
Bevölkerung im Kampf gegen häretische Strömungen zu motivieren. Daher wurden
in Hexenprozessen die Angeklagten häufig beschuldigt, durch Nestelknüpfen
Zeugungsunfähigkeit verursacht zu haben. Es wurde schon im Salischen Gesetz
als schweres Verbrechen eingestuft und die »Ligatura Neonymphorum« auf dem
Konzil zu Konstanz mit der Strafe der Enthauptung bedroht. Eine Reihe von
magischen Gegenmitteln gegen Nestelknüpfen und andere Arten der zauberisch
verursachten Impotenz führt Trithemius im »Liber octo quaestionum« und »Antipalus
maleficorum« an, etwa das Bestreichen der Türschwelle des Behexten mit dem
Blut eines schwarzen Hundes, während darüber die Pflanze Artemisia, Beifuss,
aufgehängt wird. Dioskurides empfiehlt als Amulett gegen dieses Übel
Samenkörner und Wurzel der Pfingstrose.
Reiches Material über die Vorstellung des Nestelknüpfens findet sich in dem
Werk von Jean Delumeau: Angst im Abendland. Die Geschichte kollektiver
Ängste im Europa des 14. bis 18. Jahrhunderts, rororo-TB 7919-7920, hier
wird unter anderem die Methode der Kastration von Widdern, Stieren und
Hengsten durch Abbinden des Scrotums erwähnt, und »man kann nun den
Gedankengang unserer Vorfahren nachvollziehen, die die Kunst des Tierarztes
auf die Behexung von Menschen übertrugen«. Delumeau erwähnt ausserdem, dass
wohl die frauenfeindliche Propaganda vieler Prediger und Dämonologen
zwischen 1450 und 1650 eine wichtige Ursache psychisch bedingter Impotenz
gewesen sein dürfte, die dann dem Nestelknüpfen zugeschrieben wurde. |