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Beschwörung der Toten,
wird meist deutlich unterschieden von Nigromantia, die schwarz-magische
Beschwörung der Dämonen. Höheres Wissen wird dabei in erster Linie den
»Schatten« jener Verstorbenen zugemutet, die sich schon bei Lebzeiten eines
höheren Wissens in visionärer Hinsicht rühmen konnten, die also über
Kenntnisse auf dem Gebiet der Mantik verfügten. Das Vorbild im alten
Testament ist die Hervorrufung des Geistes Samuels auf Befehl des Saul durch
die Hexe von Endor, doch ist die Nekromantie hier ansonsten verpönt. In der
Antike wurden nekromantische Riten anfänglich nur an den »Eingängen der
Unterwelt« vorgenommen. Opfergaben waren das belebende Blut, besonders das
schwarzer Opfertiere, des weiteren Honig, Milch und Wein. Die Schatten
gewinnen dadurch eine Spur von Leben und können wehmütige, schrille Laute
von sich geben. Auf ähnliche Weise beschwor Nero die Seele seiner ermordeten
Mutter, nachdem ihn der Partherkönig Tiridates in die Kunst der Nekromantie
eingeweiht hatte, Caracalla die Schatten seines Vaters und seines Bruders.
In späterer Zeit nahmen diese Riten orientalische Gepräge an.
Leichenreliquien spielen als »Medien« eine Rolle, ebenso gewisse
Zauberpflanzen und Edelsteine. »Hexen« führen die Beschwörungen durch, etwa
Canidia, bei Horatius, und Erichtho, bei Lucanus. Der Zweck dieser
Operationen war einerseits, wie der Name sagt, die Erforschung des
Künftigen, später unter anderem auch leichteres Auffinden von Schätzen. Im
2. Jahrhundert berichtet Hippolytos über Betrüger, die einen Totenschädel
mittels eines darin verborgenen langen Kranich Schlundes von ferne reden und
offenbaren liessen. In der Älteren Edda beschwört Odin die tote Seherin
Völva, um Aufschluss über die Bedeutung der Träume Balders zu erhalten.
In frühchristlicher Zeit hat man die Toten »durch Gesänge, Gebete,
Zauberformeln, allerlei Gaukelwerk, durch Incantationes, carmina und artes
magicas hervorgerufen«, Gams, Kirchengeschichte von Spanien.
In Synoden wurde oft gegen die »Beunruhigung der Toten« Stellung genommen,
nicht zuletzt wegen der mit nekromantischen Riten verbundenen Menschenopfer.
In späteren Jahrhunderten wurde die Nekromantie etwa im Indiculum
superstitionum erwähnt und war im Mittelalter angeblich besonders in
Spanien, um Toledo und Salamanca, üblich. Die Riten ändern sich kaum. Auch
Faust soll Nekromantie betrieben haben, ebenso Trithemius und John Dee.
Agrippa von Nettesheim berichtet im 3. Buch, seiner »Occulta Philosophia«
einerseits über die »Scyomantie« und andererseits über die »Nekyomantie«,
durch die sich der Körper des Toten wieder aufrichtet, wozu ein Blutopfer
nötig sei. In Zedlers Lexikon heisst es: »die Toten werden freiylich nicht
würcklich aus den Gräbern geruffen, allwo die Cörper wohl liegen bleiben,
und den Seelen ist aus ihrem Aufenthalt, wohin sie nach dem Abschied von den
Leibern kommen sind, auch keine Wiederzurückkehr verstattet. Inzwischen
stellt der Teuffel durch solche Macht die Gestalten gewisser Verstorbener
vor Augen... Was endlich die auf dieses Verbrechen in Rechten gesetzte
Straffe anbetrifft: so ist selbige, wie überhaupt der Zauberey, das Feuer.«
Paracelsus kennt eine »Nectromantia«, versteht darunter jedoch die
Beschwörung der Flagae, das sind persönl. Schutzgeister aus der Sphäre der
Elementargeister. Der Spiritismus setzt seit 1848 die alte Nekromantie,
besonders die »Scyomantie« fort. |