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Im allgemeinen
Sprachgebrauch oft im Sinne von »dunkel, geheimnisvoll« verwendet, bedeutet
grundsätzlich etwas anderes als magisch. Während die Magie eine aktive
Haltung voraussetzt, ist die Mystik im weiteren Sinn ein Suchen der
Vollendung auf intuitivem Wege, etwa ein Streben nach Einswerden mit der
Gottheit, wobei der Umweg über das rationale Denken gerne übersprungen wird;
griechisch myein bedeutet eigentlich das Schliessen der Augen, damit die
Abkehr von der Aussenwelt, verbunden mit verinnerlichtem Suchen des letzten
Urgrundes. An die Stelle verstandesmässigen Philosophierens tritt die
religiöse Ergriffenheit, das Erlebnis, die Andacht, alles im Sinne einer
unmittelbaren und kaum näher definierbaren, daher nur in Metaphern zu
schildernden religiöse Erfahrung
Mystik ist »eine Erkenntnisform, die an keine Religion gebunden ist; der
versuch, der Gottheit und dem Absoluten jenseits der Ratio in innerer
Erfahrung," begegnen; nach dem Wort Thomas von Aquins die cognitio dei
experimentalis, die,experimentelle Erfahrung Gottes'... «, W. F. Bonin,
Zürich.
In der Spätantike führten mystisch akzentuierte Schulen, etwa jene des
Neuplatonismus, nicht selten zu einer Art Esoterik oder Arcandisziplin, da
nicht alle Menschen der mystisch Erleuchtung für fähig erachtet wurden.
Prinzipiell jedoch ist an der Mystik nichts dunkel und geheimnisvoll, diese
Assoziation ergab sich nur historisch aus der Tatsache, dass mystische
Systeme auch manchmal praktische-magische Randphänomene mit sich brachten.
Gardet 1956 erläutert den Gegensatz zwischen Mystik und Gnosis, wobei nur
die erste »geblendeten Auges die Liebe als Führerin empfängt« und im
Gegensatz zur Gnosis, die den Auserwählten höheres »Wissen« verspricht, im
»Nicht-Wissen« mündet: »Auf Erden kann es eine unmittelbare Bemächtigung
Gottes nicht geben. Wohl aber kann es hier eine Erfahrung geben auf dem Weg
des fruchtbaren Nicht-Wissens von den durch die Gnade mitgeteilten Tiefen
Gottes, eines Nicht-Wissens, das in der Liebes-Meditation erlangt wird«.
In Bertholets Weltbild der Religionen wird das mystische Aufgehen der
Einzelpersönlichkeit »gerne unter die Sicht einer Rückkehr zum eigenen
Ausgangspunkt gestellt als Ende und Ziel eines Kreislaufes, in den alles im
Menschen und um ihn eingespannt ist. Sie kennt eine Reihe von Wegen und
Stufen zu ihrer Verwirklichung, ihr Stil macht sich alle denkbaren Bilder,
auch erotische, zunutze: der Tropfen verfliesst im Ozean, die Kerze verzehrt
sich im Brennen, der Falter sucht in der Flamme den Tod, im Seelenfünklein'
findet der Mensch Gott in sich selbst.« Erwähnt wird die »Unterscheidung
zwischen personaler und impersonaler Mystisch nach dem Objekt und
Erlebnisgrund der mystischen Erfahrung. Nach ihrem Erlebnisraum kann man
Kult- oder Gemeinschafts- und individuelle Mystisch trennen. Auch
emotional-affektive, teilweise visionäre, und rational-intellektuelle
Gedankenmystik sind zwei verschiedene, fast gegensätzliche Erlebnis- und
Äusserungsformen des mystischen Grundtypus.«
»Völlig unsinnig ist es auch«, schreibt H. E. Miers in seinem Lexikon des
geheimen Wissens, »etwas, das man nicht versteht, als mystisch zu
bezeichnen, wie man es fast täglich in der Tagespresse lesen kann, wenn von
unaufgeklärten Sachverhalten die Rede ist.« |