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Ist die Umsetzung eines
auf Entsprechungen und Sympathien gegründeten Weltbildes in die Praxis. Von
einer »prälogischen« Einstellung des Magiers zu sprechen, weil ein rational
erfassbarer Kausalzusammenhang zwischen der magischen Operation und dem zu
beeinflussenden Objekt meist nicht gegeben ist, wäre unberechtigt, da in
gleichen Epochen und von den gleichen Personen auch völlig logische,
rationale Handlungen gesetzt werden. Hingegen ist der Begriff eines »paralogischen«,
das heisst neben der »normalen« Logik existierenden Weltbildes des Magiers
nicht ganz von der Hand zu weisen.
Professor W. Brückner bezeichnet Magie »zunächst als Inbegriff menschlicher
Handlungen, die auf gleichnishafte Weise ein gewünschtes Ziel zu erreichen
suchen. Dann die dahinterstehende magische Denkform, im besonderen Sinne ein
rationalisiertes und konventionalisiertes System von zwingenden Handlungen,
bei denen naturwissenschaftlich nicht fassbare, aber von den Handelnden
angenommene übernatürliche` Kräfte beansprucht werden«, Brockhaus-. Auf
ähnliche Weise wird Magie auch als eine Art von Geistestätigkeit bezeichnet,
die »teils in einer über das Normale hinausgehende Kraft oder Spannung der
Seele, teils in traditionellen Bräuchen wurzelnd, auf andere Menschen oder
auf eine als seelenartig verstandene Gegenstandswelt in einer unmittelbaren,
nicht kausalmechanisch vermittelten Form zu wirken vermag«, V. Frankl. Das
Wort Magie kommt im engsten Sinne im Anschluss an Herodot 1, 101 von der
Bezeichnung der persischen bzw. medischen Priester. Dieses altpersische »magus«,
griechisch magos, ist nach Ansicht mancher Etymologen urverwandt mit (ver)mögen
und wird von einem idg. Verbalstamm *mägh, *magh abgeleitet.
Religion und Magie verbindet zunächst die theoretische und praktische
Anerkennung eines transzendenten Bereiches und die innige Beschäftigung mit
ihm. Dennoch wird in der vergleichenden Religionswissenschaft zwischen Magie
und Religion meist sehr streng unterschieden. »Während sich der Mensch bei
einem religiösen Verhalten höheren Mächten gegenüber abhängig fühlt und
deshalb danach trachtet, sich zu diesen in ein richtiges Verhältnis zu
setzen, steht der magische Mensch der übernatürlichen Welt freier und
selbstherrlicher gegenüber, er greift zur ,Macht`. Die Magie ist in ihrem
eigentlichen Wesen die einfache und unverhüllte Objektivierung des Wunsches
in der menschlichen Vorstellung. Sie gelingt dem Menschen dadurch, dass er
sich die Macht, die sich in seiner Umwelt manifestiert, unterwürfig macht
und zu eigenen Zwecken verwendet«, so J. de Vries. »Zugrunde liegt ihr der
Glaube an die Automatik von Kräften, die der Mensch zum eigenen Nutzen wie
zum Schaden anderer auszuwerten sucht. Magie steht im Gegensatz zur höheren
Religion: beruht jene auf reiner Zwangsläufigkeit unpersönlicher Kräfte, die
der Mensch in Bewegung setzt, so ist in dieser ein höherer persönlicher
Wille, an den er sich wendet, im Spiel«, so A. Bertholet. Die Automatik des
»Funktionierens« echt magischer Operationen, die in diesem Sinne keines
Charismas bedürfen, wird unter anderem von Harless, 1858, in seinem Referat
über den Jamblichos-Text »De mysteriis« betont: das Eigentümliche der
magischen »Zeichen, Symbole und Worte ist, dass sie von sich selbst aus die
ihnen zukommende Wirksamkeit ausüben, und dass die unaussprechliche Kraft
der Götter, auf die sich all dies bezieht, von sich selbst diese ihre
Abbilder erkennt und demnach tätig ist, ohne dass vorgängig durch unsere
Gedanken die göttlichen Grundursachen zu ihrer Tätigkeit bestimmt würden«.
Daher spielt in der Magie das genaue Einhalten der Ritualvorschriften eine
so grosse Rolle.
Gegen die Trennung Magie-Religion wendet sich K. A. Nowotny: Diese
Unterscheidung sei eine »europäische Interpretation, und durch nichts
gerechtfertigt. Der Europäer vermutet im Opfer, also im religiösen Akt,
zunächst einen Akt der Devotion. In Wirklichkeit entspringt es einer Fülle
von Intentionen: Sicherung des Naturgeschehens, Reinigung, Sühne und
Versöhnung. Bitte, Tribut und Vertrag. Zwang. Abwehr und Vernichtung.
Festmahl zur Erlangung göttlicher Kräfte, von Unsterblichkeitstrank und
-speise usw.«, also Motiven, die auch den Magier bewegen. Die Einstellung
des Magiers zur Übernatur ist aber dennoch aktiver, »autonomer« als in der
Religion üblich. Die innere Haltung, die in Worten wie »Dein Wille geschehe«
und »nicht wie ich will, sondern wie Du willst« gipfelt und die freiwillige
Bejahung eines göttlichen Heilsplanes impliziert, ist dem Magier, der die
Überwelt in seinen Dienst zu stellen sucht, zunächst fremd, damit auch die
Anerkennung göttlicher Gnadenakte als Voraussetzung für im engeren Sinne
sakrale Manifestationen. In diesem Sinne schreibt auch K. Beth, »Beten kann
der Mensch nicht zur Zauberkraft, und aus der mag. Formel kann nie ein
religiöses Gebet werden. Es führt kein gerader Weg from spell to prayer`.
Das Empfinden des Betenden ist ein völlig anderes als das des Zaubernden.«,
so in Religion und Magie bei den Naturvölkern.
Görres verurteilt daher die Magie: »Der steigende Hochmut getraut sich, auch
die über ihm in Verborgenheit waltenden Mächte an die Schranken seines
Zauberkreises zu entbieten, und aus seiner Mitte hervor sich ihrer zu seinen
Zwecken zu gebrauchen. Auch dazu wendet er die eitlen Künste an, die er sich
eingelernt, und in ihrer Übung bildet sich im Geisterbanne die Theurgie, die
weisse Kunst, die nun, wie der Hochmut überall zum Fall ausschlägt, zur
schwarzen hinüberführt, weil sie diese innerlich schon selber ist ...und
dann zur dämonischen M. sich vollendet.«
W. F. Bonin führt Magie etymologisch auf den medischen Volksstamm der Mager
oder Magier zurück, als »die Kunst der Magier«, die durch Traumdeutung,
astrologische Kenntnisse und Wissen auf verwandten Gebieten berühmt waren,
nach Herodot. »Die scharfe Abgrenzung gegenüber Wissenschaft und Religion,
die die europäische Forschung vorgenommen hat, erscheint willkürlich: Auf
diese Weise wird z. B. bedeutenden Leistungen der Chinesen die
Wissenschaftlichkeit abgesprochen. Auch im Bereich der Religion sind die
Übergänge fliessend. Nur in idealtypischer Betrachtung kann religiöse Praxis
als total gelebte Abhängigkeit von der Gottheit und [im Gegensatz dazu]
magische Praxis als demonstrierte Über-Machtgesehen werden«, so im Lexikon
der Parapsychologie.
Der von Görres behauptete Übergang von der Theurgie zur Goetie wurde von
älteren Autoren immer wieder heftig bestritten, etwa von dem Alchemisten
Alexander von Suchten, 16. Jahrhundert, der schreibt: die Magie sei keine »Zauberry,
sondern die allergröste Weissheit Gottlicher Werck und eine Erkennerin
verborgener Natur«. Der anhaltische Leibarzt Julius Sperber, 17.
Jahrhundert. unterscheidet eine göttliche, eine menschliche Magie und eine
abergläubische oder teuflische Magie. Meist für erlaubt betrachtet wurde die
magia naturalis, der die Magia innaturalis, diabolica, prohibita oder
illicita gegenübergestellt wurde. Diese wird im üblichen Sprachgebrauch oft
mit dem Begriff der Zauberei bezeichnet. Daher ist mit dem Begriff der
Zauberei normalerweise ein abwertendes ethisches Urteil verbunden, während
»Magie« in diesem Sinn in der Regel wertungsfrei gebraucht wird.
Seltener wird in der Literatur der Typus des Magiers mit jenem des
wissenschaftlichen Forschers verglichen. Beiden gemeinsam ist der Wunsch,
die Umwelt zu beherrschen, zu »manipulieren« und sie in seinen Dienst treten
zu lassen. Verschieden sind jedoch die Methoden; der Magier folgt einem im
Anfang vielleicht intuitiv gefundenen Ritual, das er nicht verändert. Der
Forscher beobachtet und variiert die äusseren Umstände seiner rational
zielgerichteten Handlungen systematisch. Freilich gibt es auch hier
Übergänge und Zwischenstufen, etwa in dem als magia naturalis bezeichneten
Bereich. Unabhängig von jeglicher moralischen oder intellektuellen Wertung
muss festgestellt werden, dass die Magie für den Kulturhistoriker ein
geistesgeschichtliches Faktum darstellt, das im Leben der Menschheit eine
grosse Rolle spielte und zum Teil noch heute spielt. Schon aus diesem Grunde
sollte die Beschäftigung mit ihr nicht kritiklosen Phantasten vorbehalten
bleiben. |