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Bei Jesaias 34, 14 und
später in den Zauberbüchern nicht selten genannter weiblicher Dämon, geht
auf altorientalische Vorstellungen von einem Sturm- oder Nachtdämon zurück.
In der rabbinischen Legende spielt Lillith als gefährliche Unholdin eine
grosse Rolle und tritt in Goethes Faust als »Adams erste Frau« auf. Im
talmudischen Schrifttum erscheint Lillith als Nachtgeist. In den
kabbalistischen Legenden tritt Lillith als eine Art Succubus und Erwürgerin
der Neugeborenen auf.
In den von Israel Zwi Kanner herausgegebenen »Jüdischen Märchen« wird
berichtet, Lillith sei anfangs wie Adam aus Erde geschaffen worden und
wollte ihm gleichberechtigt und nicht untertänig sein. »Nach einer heftigen
Auseinandersetzung wurde sie ihm abtrünnig und lief davon. Da sandte Gott
drei Engel, Snoij, Sasnoij, und Smanglof, ihr nachzujagen und sie zu ihrem
Manne zurückzubringen. Sie erjagten sie. Da sie aber nicht zurückkehren
wollte, wollten sie sie im Meere ertränken. Hierauf enthüllte ihnen Lilith,
dass sie erschaffen wurde, um Neugeborene zu töten. Aber wenn sie sie laufen
lassen würden, werde sie sich verpflichten, keine Säuglinge zu töten, in
deren Wohnung sie ihre Namen Snoij, Sasnoij und Smanglof finden werde.
Diesen Schwur erfüllt sie bis zum heutigen Tage. Im Zimmer, wo die Wöchnerin
liegt, zeichnet man einen Kreis, und in seiner Mitte stehen die Worte: Adam
und Eva, ausser Lilith und an der Tür des Zimmers stehen die Namen der drei
Engel geschrieben. Diese vertreiben die langhaarige Lilith, wenn sie in der
Nacht erscheint, um die Wöchnerinnen zu erschrecken, die Säuglinge zu quälen
oder zu töten. «Eva wird in den jüdischen Märchen »das zweite Weib Adams«
genannt, nach Bereschith Raba . Die Gestalt der Lillith scheint einerseits
auf eine einst nicht dezidiert patriarchalische Gesellschaftsform mit
weiblicher Gleichberechtigung hinzuweisen, die später »dämonisiert« gesehen
wurde, andererseits Phänomene wie sexuelle Traumerlebnisse und die
Säuglingssterblichkeit zu personifizieren. Lilliths Rolle als Nachtgespenst
wird von Bertholet 1985, durch die Assoziation mit hebräischer Lajela, das
heisst Nacht, erklärt. »Auch in den Büchern der Mandäer wird Lillith öfter
genannt.« |