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LIEBESZAUBER

In der Volkskunde seit der Antike reich belegte Art von magischen Praktiken, durch die in dem ausersehenen Objekt eine masslose Liebesraserei hervorgerufen werden soll. Verschiedene Arten des Liebeszaubers werden in antiken Quellen beschrieben: etwa eine nicht als Schadenzauber gedachte Abart des Nestelknüpfens, mannigfache Beschwörungen und Liebeszauber mittels eines Kreisels, der Inyx oder Wendehals heisst: Während sich dieser Kreisel dreht, werden Zaubersprüche gemurmelt.
Im Mittelalter bestand der Liebeszauber vorwiegend aus Sympathie-Operationen, wobei das Bindeglied zwischen dem Objekt und dem Zaubernden Haare, Fingernägel, Teile des Gewandes usw. waren, die von Hexen zu unwiderstehlichen Philtren verarbeitet wurden. Ähnliche Operationen werden in manchen volkstümlichen Zauberbüchern der neueren Zeit beschrieben. Bildzauber mit Hilfe von Wachspuppen, schon in der 2. Idylle des Theokrit erwähnt, ist oft belegt. Diese »Atzmänner« liess man, um in der betreffende Person Liebesglut hervorzurufen, in der Sonne liegen oder am Feuer »bähen«. Auf diese Weise soll Guichard, Bischof von Troyes, versucht haben, die Königin Johanna von Navarra zu bezaubern. Er wurde 1308 beschuldigt, sie magisch getötet zu haben, als er ihr Wachsbild über den Misserfolg der Operation ergrimmt ins Feuer warf, wurde aber freigesprochen. Wächserne Herzen konnten die Stelle ganzer Figuren einnehmen. Robert Burton zählt in seiner berühmten, von 1621-1849 18 mal aufgelegten »Anatomy of Mclancholy« die im 17. Jahrhundert hauptsächlich verwendeten Ingredienzien des Liebeszaubers auf: Kleider Verstorbener, Alraunwurzeln, Edelsteine, Kerzen, Haare des Wolfsschwanzes, Herzen von Schwalben und Tauben, Schlangenzungen, Eselshirn, den Penis des Pferdes, den Strick eines Gehenkten und »Adlersteine«. Häufiger als rein zauberische Mittel des Liebeszaubers wurden Philtren verfertigt, die pharmazeut. und magische Wirkungen vereinen sollten. Beschwörungen im Dienste des Liebeszaubers werden seltener erwähnt, etwa in der Selbstbiographie des Renaissance-Plastikers Benvenuto Cellini.
Der Glaube an den Liebeszauber bewirkt auch den Bedarf für Gegenmittel eines davon beschreibt Trithemius nach Petrus Hispanus: wenn frühmorgens ohne Wissen des Bezauberten Kot der geliebten Person in den rechten Schuh des Opfers gelegt wird und dieses hineintritt, so ist es von seiner Liebesraserei sogleich geheilt. In Zedlers Lexikon heisst es hingegen: »Unter allen dergleichen Mitteln wird das beste seyn, Mässigkeit im Essen und Trinken: Denn 'sine Cerere et Baccho friget Venus'«. Ältere Darstellung der Thematik: »Okkultismus und Liebe.

 

 

 

 

 

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