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Deutscher Chemiker und
Alchemist, einer alten holsteinischen Glasmacher- und Alchemistenfamilie
entstammend, wirkte als Hofalchemist bei den Herzögen von Lauenburg, dann im
Dienst des sächsischen Königs Johann Georg 11., ab 1679 für den »Grossen
Kurfürsten« auf der »Pfaueninsel« bei Potsdam. Hier beschäftigte er sich vor
allem mit der Glasmacherkunst; berühmt wurde Kunckel durch sein
Goldrubinglas, des weiteren durch die Fabrikation von Amethyst- und
Hyazinthglas und nach dem Tod seines Protektors, 1688, ging Kunckel nach
Schweden, baute dort die Glaserzeugung aus, wurde Bergrat und erhielt 1694
sein Adelsprädikat. 1702 zog sich Kunckel auf seinen Landsitz in Livland
zurück, wo er im Alter von 73 Jahren starb.
Es war ihm gelungen, zahlreiche chemische Prozesse für die Praxis auszubauen
und zu verbessern, so etwa die Darstellung von Phosphor, die Ausfällung von
Edelmetallen aus Lösungen mit Hilfe von Kupfervitriol und anderen Die
paracelsische Theorie der drei Elemente, sal, sulphur und mercurius erhielt
durch Kunckel einen schweren Schlag, als er das Fehlen von Schwefel in
reinen Metallen und von Quecksilber in organischen Substanzen nachweisen
konnte. Von seinen Schriften sind zu nennen: »Ars vitraria experimentalis
oder Vollkommene Glasmachereikunst«, 1689; »Philosophia chymica«, 1694;
»Laboratorium chymicum, Collegium physicochymicum experimentale«, 1716;»V
curiöse chymische Tractätlein«, 1721; »Vollständige Glassmacherkunst«, 1785.
Im zweiten Band von Jöchers »Allgemeines Gelehrten-Lexicon«, Leipzig 1750,
wird Kunckel folgendermassen charakterisiert: er »hatte nicht studiret,
sondern nur die Apothecker Kunst erlernet, legte sich aber nachmals auf die
Untersuchung der Metallen und Mineralien mit allem Fleiss, entdeckte darinne
viel besonders, erfand einen Phosphorum mirabilem, und leuchtende Wunder
Pillen, worüber er eines Plagii beschuldiget worden; verwarf die sogenannten
principia chymica, vertheidigte hingegen unterschiedenes, so von andern
unter die non-entia chymica gezehlet worden; gab die salia acida vor warm,
die urinosa vor kalt aus, meinte, dass die acida in alcalia, und diese in
jene könten verwandelt werden, suchte im Spiritu vini ein subtiles acidum zu
behaupten. Wüste den innerlichen Gebrauch des rothen antimonii bey vielen
desparaten Kranckheiten nicht genug zu rühmen, hielt unter des Alchymisten
des Isaac Hollandum vor den redlichsten und aufrichtigsten Scribenten« etc.
»Aus dem Umstand, dass sich Gold durch öfteres Schmelzen mit Salmiak sehr
feurig färbt, während es durch Schmelzen mit Borax ausbleicht, schliesst
Kunckel, dass das Gold künstlich verändert werden könne. Dagegen hatte
Kunckel ein sehr scharfes Auge für Betrügereien, falsche Vorschriften
alchymistischer Prozesse und die Albernheiten vulgärer Alchymisten, die er
in dem Kapitel seines `Laboratorium chymicum' `Von der Thorheit der
Chymicorum in ihrem Vorhaben' mit scharfer Satire durchhechelt. Kunckel ist
ein durchaus ehrenwerter Charakter, der wissenschaftliche Entdecker des
Phosphors und wahrscheinlich auch des Kaliums, das er durch Destillation des
Chlorsilbers oder Chlorbleies mit Ätzkalk und Pottasche erhielt und für aus
obigen Metallen erzeugtes Quecksilber hielt. Als Theoretiker bekämpfte
Kunckel wie Boyle die Lehre von den drei alchymistischen Grundprinzipien«. |