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JEZIRAH, Sepher J., Yezira, das heisst Schöpfung

Ein grundlegender Text der Kabbala, nach Ansicht der meisten Historiker etwa im 9.Jahrhundert entstanden, während neuere Forschungen seine eigentlich Entstehungszeit in die Epoche zwischen den zwei jüdischen Kriegen, 70 und 135 nach Christus, verlegen, so etwa G. Scholem. B. Geyer 1927, S.332, nennt das Buch Jezirah ein »pythagoräisierendes und platonisierendes Werk«, das die Zahlen und Buchstaben als Inbegriff der göttlichen Weltseele und der ganzen Schöpfung betrachtet; es enthält »eine sehr gedrängte Darstellung der Kosmogonie und Kosmologie, wobei ein merkwürdiger Konstrast besteht zwischen der Verbosität und Feierlichkeit mancher Sätze und der lakonischen Form in der die eigentliche Grundanschauungen und die kosmolog. Sachverhalte vorgetragen werden«. Der Kosmos leitet sich aus dem Ur-Einen, dem »Alten der Tage« ab, aus welchem sich im Sinne der Emanationslehre 10 Grundkräfte oder Lichtkreise aussondern, u.zw. in drei Ebenen: Beriah, der Ideenwelt; Jezirah, der geschaffenen Himmelswelt der Engel und Seelen; Assija, der Welt der materiellen Gotteswerke. Die oberste Dreiheit entspricht der Ideenwelt, die mittlere dem Seelischen und die unterste dem Materiellen. Alle finden in der untersten Sephira, Malkuth –Königreich, ihre gemeinsame Basis. Der Ausdruck Sephirot soll nicht, wie dies meist geschieht, vom griechischen sphaira abzuleiten sein, »sondern von dem hebräischen Wort für zählen, saphar. Durch die Einführung eines neuen Terminus, sephirah statt des üblichen mispar, scheint der Autor anzudeuten, dass es sich nicht einfach um gewöhnliche Zahlen, sondern um die Zahlen als metaphysisches Weltprinzip oder Schöpfungsstufen handelt«, Schedl 1969.
Diese Sephirot wurden meist als Emanationen der Gottheit betrachtet, gelegentlich auch als von der Gottheit verschiedene Wesenheiten. Diese Lehre, genauer ausgearbeitet im Buch Sohar, ermöglichte eine graphische Darstellung der Grundkräfte, etwa als »kabbalistischen Baum« oder als Körper des mythischen Urmenschen, Adam Kadmon. »Auf derartige Jetzira-Spekulationen dürften auch die Anfänge jener Vorstellungen zurückgehen, nach den mit Gottesnamen, das heisst mit schöpfungsmächtigen Buchstabenkombinationen, ein Golem, das heisst ein Homunculus, erzeugt werden kann«, Schubert 1983. Das Sepher Jezirah dürfte aus dem Bestreben entstanden sein, die Lehre des Neuplatonismus mit jüdischer Philosophie zu vereinigen. Es lehrt laut Jehuda Halevi, circa 1083-1140 »die Existenz des Einen Gottes, indem es zeigt, dass inmitten von Mannigfaltigkeit und Vielheit doch Harmonie und Einheit bestehen, die nur von dem Einen 'Zusammenfasser' herrühren können«. Diese eindrucksvolle Kosmologie beeinflusste auch die abendländische Philosophie, so vor allem Fludd, Agrippa von Nettesheim, Athanasius Kircher, 1652, und Paulus Ricius.

 


 

 

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