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IATROMATHEMATIK

Von griechisch iater Arzt, in der Renaissance in Europa ausgebildeter Zweig der Heilkunst im Anschluss an die arabische Medizin. Man verstand darunter irn Sinne der Parallelität Makro- und Mikrokosmos den Versuch, das Leben des Menschen und die Beeinflussbarkeit seiner Krankheiten, sogar die Wirksamkeit der Medikamente nach der Stunde ihrer Bereitung und Verabreichung astrologischer zu deuten und festzulegen, und zeitweise im Anschluss an die antike Astrologie. Plinius berichtete über den Arzt Krinas von Massilia, der seine ärztliche Vorschriften nach den Konstellationen mit Hilfe seiner astrologischen Tabellen machte. Galenos »war überzeugt, dass aus der Stellung des Mondes zu den sogenannten guten und bösen Planeten sich für den Kranken gute und böse Tage ergeben«, so Stemplinger 1948. Grundlage der Iatromathematik war der Glaube, dass den Planeten je nach ihren gedachten Eigenschaften die vier Körpersäfte der Humoralpathologie zugeordnet wären. Die Ansicht von der planetarischen Bedingtheit des Menschenleibes äussert sich zum Beispiel auch in der Metoposkopie des Cardanus. An der Wende vom 13. zum 14.Jahrhundert stellte Petrus Aponensis den Grundsatz auf, dass für den Arzt die Kenntnis der Astrologie unerlässlich sei. Die medizinische Fakultät der Universität Paris hiess im 15.Jahrhundert »Facultas in medicina et astrologia«. O. Brunfels erklärte, die Menschen müssten Maulwürfe sein, um den Nutzen der Astrologie für die Medizin nicht einzusehen. Im 16.Jahrhundert wurde sogar für den Antritt einer Badekur oder die Verabreichung von Abführmitteln der Stand der Gestirne untersucht, was bei einzelnen Ärzten zu einer heftigen Reaktion führte. Pico della Mirandola bezeichnete die medizinische Sterndeuterei als »Pest der Medizin«, und der Berner Arzt Hildanus beklagte, dass manche Ärzte dem Lauf der Gestirne mehr Beachtung schenkten als dem Verlauf der Krankheit ihrer Patienten. Ein Nachklang der Iatromathematik ist der in der Volksmedizin häufig vertretene Grundsatz, dass bestimmte Heilpflanzen nur bei bestimmten Mondphasen gepflückt werden dürften.

 

 

 

 

 

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