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Edelmann aus Brabant,
Alchemist, Arzt und Philosoph, wohl der bedeutendste Nachfolger des
Paracelsus. Helmont wurde zu Brüssel geboren, studierte in Leuven, befasste
sich mit den Schriften der Mystiker und wandte sich dem Studium der Medizin
zu. 1609 wurde er Doktor Mediziner und siedelte sich in Vilvorde bei Brüssel
an, wo er bis zu seinem Tode praktizierte und laborierte. »Gewiss ist es,
dass er viele seltsame und irrige Meynungen, sonderlich in der Theologie
hatte. Er starb den 30. December 1644, und zwar so, dass er seine Todes
Stunde zuvor wuste«, nach Zedlers Lexikon. Wasser und Luft bezeichnete
Helmont als Urfermente.
Sal, sulphur und mercurius bestehen für ihn letzten Endes aus Wasser.
Urprinzipien sind die Materie und die allen Dingen innewohnende
Zeugungskraft. Der »Archaeus« des Paracelsus ist auch für Helmont der
»Schmied, Zeuger und Wecker des Lebens«; sein Sitz im Menschenkörper ist die
Milz, und er wirkte durch eine von den Sternen herwehende Kraft, die alle
astrolog. Einflüsse bewirkt und »Blas stellarum« genannt wird. Helmont rühmt
sich des Besitzes des Lapis Philosophorum, den er von dem irischen
Alchemisten James Butler erhalten haben will: »Ich habe nämlich diesen Stein
einigemale in meinen Händen betastet und mit meinen Augen gesehen, dass
gemeines Quecksilber, dessen Gewicht mehrere tausendmal grösser war als das
des goldmachenden Pulvers, mittels desselben wahrhaft verwandelt wurde. Das
Pulver hatte die Farbe des Saffrans und schimmerte wie grob gestossenes
Glas. Ich erhielt ein Viertel eines Granes oder ein
Zweitausendvierhundertstel einer Unze, wickelte es in Wachs, damit es vom
Kohlendampf nicht zerstreut würde, und warf es auf ein halbes Pfund
kochendes, eben gekauftes Quecksilber in einen gewöhnlichen Schmelztiegel.
Sofort entstand ein Geprassel, und das Quecksilber gerann wie ein Kuchen bei
einer den Schmelzpunkt des Bleies übersteigenden Hitze. Bald verstärkte ich
jedoch das Feuer durch Blasen und liess das Metall schmelzen. Beim
Ausgiessen fand ich 8 Unzen des reinsten Goldes, woraus sich ergab, dass ein
Gran dieses Pulvers zur Veredelung von 19.200 Gran Quecksilber hinreicht.«,
nach Kiesewetter. Grösseren Wert legte Helmont, seinen Aussagen zufolge, auf
den Besitz des Elixiers. »Niemals hat dieser noble Mensch auf die
Leichtgläubigkeit anderer spekuliert, ja er schreibt direkt von dem 'von
Gott erwählten Arzt', dass 'Gewinnsucht ihn nicht bemeistern wird« De
Francesco 1936.
Ungeachtet seiner mystischen Neigungen war Helmont ein intelligenter
Beobachter und Experimentator. Er stand mit Gelehrten wie William Harvey,
Francis Bacon und Galilei in Verbindung. Von ihm stammt die Unterscheidung
von gewöhnlicher Luft und Gas, ja selbst der Ausdruck Gas: Ortus medicinae,
Amsterdam 1648. Helmont kannte überdies den Gasdruck bei Kohlensäure,
Wasserstoff, bei Schiesspulver und Säurereaktionen. Von seinen zahlreich
vorwiegend medizinischen Schriften ist vor allem zu nennen »Ortus medicinae,
i.e. initia physica inaudita«, Amsterdam 1648, 1652. Sein Sohn Franciscus
Mercurius van Helmont, der selbst ein bedeutender chemiatrischer und
mystischphilosophischer Schriftsteller war, gab 1652 die Schriften seines
Vaters gesammelt heraus. Knorr von Rosenroth übersetzte sie in die deutsche
Sprache. In der Vorrede bemerkt der Obersetzer, dass die Schriften fast auf
Anraten eines Arztes der galenischen Schule verbrannt worden wären und der
Vernichtung nur mit Mühe entrissen werden konnten; Neudruck, hergestellt von
EKemp, Stuttgart 1971. Kiesewetter meint: » Helmont würde vielleicht der
grösste Adept der Mystik, Philosophie und der mit der Naturwissenschaft
verbundenen Medizin der älteren Zeit gewesen sein, wenn er sich damit
begnügt hätte, nur in einer der genannten Disziplinen die ihm erreichbare
höchste Stufe der Vollendung zu erklimmen. Er hielt sich jedoch zum
Generalreformator von allen drei Erkenntniszweigen berufen und gelangte so
zu keinem harmonischen Abschluss seines Strebens. Sein praktisches Augenmerk
war auf die Verbesserung der Arzneikunde mit Hilfe der Chemie gerichtet,
wobei er die damals noch fast allein herrschende aristotelisch-scholastische
Philosophie zu zerstören suchte, um an deren Stelle eine aus der mystischen
Vertiefung in das eigene Ich geschöpfte Lehre zu setzen, welche als aus dem
Absoluten entspringend - den wahren Urgrund aller menschlichen Erkenntnis,
und mithin auch die der Krankheiten, enthalte.« |