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HELMONT Joannes Baptista van, 1579-1644

Edelmann aus Brabant, Alchemist, Arzt und Philosoph, wohl der bedeutendste Nachfolger des Paracelsus. Helmont wurde zu Brüssel geboren, studierte in Leuven, befasste sich mit den Schriften der Mystiker und wandte sich dem Studium der Medizin zu. 1609 wurde er Doktor Mediziner und siedelte sich in Vilvorde bei Brüssel an, wo er bis zu seinem Tode praktizierte und laborierte. »Gewiss ist es, dass er viele seltsame und irrige Meynungen, sonderlich in der Theologie hatte. Er starb den 30. December 1644, und zwar so, dass er seine Todes Stunde zuvor wuste«, nach Zedlers Lexikon. Wasser und Luft bezeichnete Helmont als Urfermente.
Sal, sulphur und mercurius bestehen für ihn letzten Endes aus Wasser. Urprinzipien sind die Materie und die allen Dingen innewohnende Zeugungskraft. Der »Archaeus« des Paracelsus ist auch für Helmont der »Schmied, Zeuger und Wecker des Lebens«; sein Sitz im Menschenkörper ist die Milz, und er wirkte durch eine von den Sternen herwehende Kraft, die alle astrolog. Einflüsse bewirkt und »Blas stellarum« genannt wird. Helmont rühmt sich des Besitzes des Lapis Philosophorum, den er von dem irischen Alchemisten James Butler erhalten haben will: »Ich habe nämlich diesen Stein einigemale in meinen Händen betastet und mit meinen Augen gesehen, dass gemeines Quecksilber, dessen Gewicht mehrere tausendmal grösser war als das des goldmachenden Pulvers, mittels desselben wahrhaft verwandelt wurde. Das Pulver hatte die Farbe des Saffrans und schimmerte wie grob gestossenes Glas. Ich erhielt ein Viertel eines Granes oder ein Zweitausendvierhundertstel einer Unze, wickelte es in Wachs, damit es vom Kohlendampf nicht zerstreut würde, und warf es auf ein halbes Pfund kochendes, eben gekauftes Quecksilber in einen gewöhnlichen Schmelztiegel. Sofort entstand ein Geprassel, und das Quecksilber gerann wie ein Kuchen bei einer den Schmelzpunkt des Bleies übersteigenden Hitze. Bald verstärkte ich jedoch das Feuer durch Blasen und liess das Metall schmelzen. Beim Ausgiessen fand ich 8 Unzen des reinsten Goldes, woraus sich ergab, dass ein Gran dieses Pulvers zur Veredelung von 19.200 Gran Quecksilber hinreicht.«, nach Kiesewetter. Grösseren Wert legte Helmont, seinen Aussagen zufolge, auf den Besitz des Elixiers. »Niemals hat dieser noble Mensch auf die Leichtgläubigkeit anderer spekuliert, ja er schreibt direkt von dem 'von Gott erwählten Arzt', dass 'Gewinnsucht ihn nicht bemeistern wird« De Francesco 1936.
Ungeachtet seiner mystischen Neigungen war Helmont ein intelligenter Beobachter und Experimentator. Er stand mit Gelehrten wie William Harvey, Francis Bacon und Galilei in Verbindung. Von ihm stammt die Unterscheidung von gewöhnlicher Luft und Gas, ja selbst der Ausdruck Gas: Ortus medicinae, Amsterdam 1648. Helmont kannte überdies den Gasdruck bei Kohlensäure, Wasserstoff, bei Schiesspulver und Säurereaktionen. Von seinen zahlreich vorwiegend medizinischen Schriften ist vor allem zu nennen »Ortus medicinae, i.e. initia physica inaudita«, Amsterdam 1648, 1652. Sein Sohn Franciscus Mercurius van Helmont, der selbst ein bedeutender chemiatrischer und mystischphilosophischer Schriftsteller war, gab 1652 die Schriften seines Vaters gesammelt heraus. Knorr von Rosenroth übersetzte sie in die deutsche Sprache. In der Vorrede bemerkt der Obersetzer, dass die Schriften fast auf Anraten eines Arztes der galenischen Schule verbrannt worden wären und der Vernichtung nur mit Mühe entrissen werden konnten; Neudruck, hergestellt von EKemp, Stuttgart 1971. Kiesewetter meint: » Helmont würde vielleicht der grösste Adept der Mystik, Philosophie und der mit der Naturwissenschaft verbundenen Medizin der älteren Zeit gewesen sein, wenn er sich damit begnügt hätte, nur in einer der genannten Disziplinen die ihm erreichbare höchste Stufe der Vollendung zu erklimmen. Er hielt sich jedoch zum Generalreformator von allen drei Erkenntniszweigen berufen und gelangte so zu keinem harmonischen Abschluss seines Strebens. Sein praktisches Augenmerk war auf die Verbesserung der Arzneikunde mit Hilfe der Chemie gerichtet, wobei er die damals noch fast allein herrschende aristotelisch-scholastische Philosophie zu zerstören suchte, um an deren Stelle eine aus der mystischen Vertiefung in das eigene Ich geschöpfte Lehre zu setzen, welche als aus dem Absoluten entspringend - den wahren Urgrund aller menschlichen Erkenntnis, und mithin auch die der Krankheiten, enthalte.«

 

 

 

 

 

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