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GOLD- UND ROSENKREUZER, Fraternitas Rosae Crucis Aureae, abgekürzt FRCA

Der »Orden der Rosenkreuzer« erfuhr um die Mitte des 18.Jahrhunderts eine Neubelebung durch den schlesischen Prediger Samuel Richter, der 1710 unter dem Pseudonym Sincerus Renatus Theophilus das Buch »Die Wahrhaffte und Vollkommene Bereitung des philosophischen Steines der Bruderschafft aus dem Orden des Gülden und Rosen Creutzes« veröffentlicht hatte. Hier wird erstmals nachweisbar das Symbol »Gold« in Verbindung mit jenem des Rosenkreuzes gebraucht; der Orden erscheint in die beiden Zweige des Goldkreuzes und des Rosenkreuzes geteilt, was auf die theosophische und die »philosophische« Art des Strebens nach dem Stein der Weisen hinweisen soll. Gerade in der Zeit der »Aufklärung« waren jene mystischen Tendenzen stark verbreitet. Ein Prager Zirkel des Gold- und Rosenkreuz-Bundes wurde 1764 durch ein landesherrlichen Edikt aufgehoben. Der Bund, zum Teil mit freimaurerischen Logen in Verbindung, konstituierte sich 1767 und 1777 neu. Unterschieden wurden 9 Grade: Junior, Theoreticus, Practicus, Philosophus, Adeptus minor, Adeptus maior, Adeptus exemptus, Kenntnis des Steines der Weisen, der Kabbala und der Magia naturalis, Magister, Bereiter des Steines der Weisen und Magus. Den Ordensinhalt bildet ein »System von Alchemie, Magie, kabbalistischen Gedankengängen und christlicher Mystik«. Zentrum des Bundes war eine Zeitlang Wien, später Berlin, wo auf den unter dem Namen Ormesus Magnus 1781 aufgenommenen Friedrich Wilhelm 11. beträchtlicher Einfluss ausgeübt wurde. Bei dem gespenstischen Ritual verzichtete man nicht auf mit Hilfe von betrügerischen Apparaturen und Bauchrednern hervorgerufene Effekte. 1787 wurde der Bund durch das »Silanum« eingestellt, während sich in Wien 1785 schon das Freimaureredikt als hemmend ausgewirkt hatte. Hier war die Alchemie besonders gepflegt worden, wie die Vorschriften der »Loge zur Gekrönten Hoffnung«, 1780 zeigen. Die Einrichtung eines Laboratoriums wird beschrieben bei Lennhoff/Posner. Ein Nachklang des Gold- und Rosenkreuz-Bundes, »Die Stillen im Lande«, blieb ohne Einfluss und deren Auflösung 1793. Zu den letzten Veröffentlichungen gehören: Ketmia Vere: Der Compass der Weisen, Berlin 1782, und Chrysophiron: Die Pflichten der Gold- und Rosenkreuzer alten Systems, Altona 1792. Zu Anfang des 19.Jahrhundert hörte die Tätigkeit der Gold- und Rosenkreuzer völlig auf. »Ketmia Vere« schreibt in seinem »Compass der Weisen«, die rechte Schule der wahren Weisheit wäre der Orden der Gold- und Rosenkreuzer; »Die Lehrer derselben sind die Besitzer aller natürlichen Geheimnisse, zu welchen ihnen Gott die Schlüssel anvertrauet, und sie zu Priestern der Natur geweihet hat. Durch diese allein, und deren väterliche Unterweisung, kann man diejenige Weisheit erlangen, von welcher der weise Salomon versichert, dass 'langes Leben zur ihrer rechten Hand, zu ihrer Linken aber Reichthum und Ehre zu finden sey`, doch könnten nur wenige von ihnen als »vollkommene Adepten« angesprochen werden, und die Kunst des Goldmachens sei keineswegs der Endzweck, sondern vielmehr: »Kunst, Weisheit und Tugend zu erlangen, Gott zu gefallen, und dem Nächsten zu dienen«.
Die Ideologie der Gold- und Rosenkreuzer stellt den geistesgeschichtlich sehr interessanten und noch zu wenig erforschten Versuch dar, im Gegensatz zu der offiziellen Kirchengläubigkeit einerseits altertümliche Vorstellungen aus der Geisteswelt der Gnosis mit solchen der Aufklärung zu verbinden. Verbindendes Element ist dabei zunächst bloss der Widerstand gegen die anerkannte Lehre der Kirche als staatstragendes Element, während die Diskrepanz zwischen aufklärerischem Agnostizismus und alten Mysterienlehren sich in den Meinungsverschiedenheiten des ab 1717 konstituierten Freimaurertums bis in die Gegenwart verfolgen lässt. Alchemistische Goldsynthese Texte sind dabei ebenso wenig wörtlich zu interpretieren, wie die Idee der Errichtung eines Tempels der Menschheit »architektonisch« aufzufassen ist. Lediglich Randgruppen der Gold- und Rosenkreuzer nahmen die Texte im buchstäblichen Sinn auf, und so ist es erklärlich, dass sich diese Gruppierungen bald auflösten.
Ober das System der Gold- und Rosenkreuzer schreibt K. Frick: sie waren »als Traditionalisten ganz dem Aristotelischen Weltbild und der Vier-Element-Lehre verhaftet. Sie waren noch echte Alchemisten, wenn auch bei ihnen besonders theosophische Spekulationen die Erkenntnisse der zeitgenössischen Chemiker weitgehend aus dem Lehrgebäude verbannten. Kein Wunder, dass sie von ihren aufklärerischen Kritikern und den Chemiehistorikern des 19.Jahrhunderts mit beissendem Spott überschüttet wurden«. Eine Medaille der Gold- und Rosenkreuzer ist abgebildet bei Agrippa/Nowotny 1967.

 

 

 

 

 

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