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FESTMACHEN

Unverwundbar werden, wird im 16. Kapitel des Malleus maleficarum besprochen. Zauberer stehlen von einem Kruzifix die Körperteile, die unverwundbar gemacht werden sollen: »Wer zum Beispiel will, dass er am Kopfe durch kein Eisen und durch keinen Hieb verletzt werden kann, hat den Kopf des Bildes wegzunehmen... (usw.), und zum Zeichen dessen findet man unter zehn auf Weggabelungen oder im Felde aufgestellten Bildern kaum ein ganzes.« Entehrer des Kruzifixes sind als Apostaten zu bestrafen, hingegen ist es eine geringere Sünde, sich durch Breve-Amulette schützen zu wollen. Sprüche und Segen christlichen Charakters, mit welchen sich reisende Kaufleute zu schützen suchen, sind anders zu bewerten als dämonische Zauberzeichen. Das »gegen Hieb und Stich gefroren Machen« ist eine in vielen alten Zauberbüchern oft erwähnte magische Kunst, vor allem aus dem Soldatenaberglauben reich belegt. Es handelt sich um Kunstgriffe, durch die man sich gegen Eisenwaffen, vor allem aber gegen feindliche Kugeln sichern zu können glaubte. Dazu dienten laut Flemming in erster Linie Zauberzettel, sogenannte »Himmelbriefe«, auf die magische Characteres gezeichnet sind und die verschluckt werden müssen, um den Leib gebundene Riemen, sogenannte »Kolbrytschen«, und »dergleichen abergläubische Sachen mehr«, wie zum Beispiel ein in die Kleider genähtes Stück Fledermaus. Trägt man ein Hemd, dessen Garn von einem 7 jährigen Kinde gesponnen ist, so kann keine Kugel es durchdringen. Ein pflanzliches Amulett ist der Allermannsharnisch. Berühmt wurden die Zettel zum Festmachen, die um 1611 ein Passauer Scharfrichter verkaufte.
Flemming berichtet über »natürliche Festmachung durch gewisse Gewächse, wobey die Influenzen und gewisse Aspecten des Gestirns gar viel zu thun. Zum Exempel, wann eine Gemse zu gewisser Zeit die Gemsen Wurtzel frisst, so thut ihr keine Kugel schaden... Wann zu gewisser Zeit eine Gemse geschossen wird, und eine Kugel in ihr hat, so hat dieselbige, davon etwas eingenommen, die Krafft, fest zu machen.« Will man Kugeln giessen, die das Festmachen verhindern, so muss man ein »Weltzen Körnlein« eingiessen.
Gegen »Hauen und Stechen« empfiehlt derselbe Autor »Totenmoos«, Moos aus dem Schädel eines »Gehängten oder Geradebrechten«, das heisst durch Rädern Hingerichteten, das man sich unter dem linken Arm in das Wams nähen muss. Skeptisch äussert sich Einzinger von Einzing 1755: der Teufel sei nicht fähig, auf die Materie einzuwirken und könne weder Kugel noch Klinge beeinflussen. »Es geschiehet freylich öfters, dass die Schneide eines Schwertes auf das Brustbein gehet und nicht durchgehen kann, oder dass eine Kugel, wenn sie vom Pulver nicht stark genug getrieben wird nicht durch die Haut gehet. Wenn der Teufel diese Sachen machen könnte: so müsste er die Gesetze der Natur aufheben können. Diese Macht aber hat Gott der Schöpfer sich allein vorbehalten«.

 

 

 

 

 

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