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FAUST, Dr. Johannes, so in den Sagenbüchern; nicht wie bei Goethe Heinrich!

Eine historisch nicht klar erfassbare Persönlichkeit des 16.Jahrhunderts, ging als der Prototyp eines dem »epikureischen« Leben ergebenen Schwarzkünstlers in die Weltliteratur ein. In seiner Biographie, wie sie das Volksbuch wiedergibt, spiegelt sich das Misstrauen des einfachen Mannes gegenüber der ihm unverständlichen Wissenschaft, die ihm teuflisch erscheint, wider. Als Geburtsjahr des Doktor Faust wird meist 1485, als sein Geburtsort wechselweise Knittlingen bei Pforzheim, Simmern bei Kreuznach, Roda bei Weimar, Anhalt oder das brandenburgische Salzwedel genannt. Faust soll in Wittenberg oder Heidelberg, später in Ingolstadtstudiert und sich schon in der Jugend mit Magie befasst haben. Nachdem er als Erbe seines Onkels zu Reichtum gekommen war, beschäftigte sich Faust unter anderem auch mit dem Studium der Medizin, weiterhin auch mit magischen Experimenten, wobei ihn sein »Famulus« Johannes Wagner, der Sohn eines Wasserburger Priesters, unterstützte. Ein Christoph Kaylinger soll Faust in der Kunst des Kristallsehens unterwiesen haben. Schliesslich habe Faust einen Teufelspakt geschlossen, der ihm für 24 Jahre den Dienst des dämonischen Wesens Mephistopheles sicherte. Am Hofe von Kaiser Maximilian I. habe Faust Beschwörungen durchgeführt, wie man sie auch dem Abt Trithemius zuschrieb. Nach einem ruhelosen Vagantenleben soll Faust um 1540 eines gewaltsamen Todes gestorben sein, als der Satan den Vertrag einlöste und Faust den Hals umdrehte, in Staufen im Breisgau oder Rimlich bei Wittenberg.
Melanchthon spricht von Faust wie von einer realen Persönlichkeit:»als er zu Krakau lernte, hatte er die Magie studiert, wie sie dort früher stark betrieben wurde«. Trithemius bezeichnet Faust als einen landfahrenden Scharlatan, der sich in Anlehnung an den französichen Humanisten Publius Faustus Androvinus, gestorben 1517, »Magister Georgius Sabellicus Faustus junior« nenne und ein »tollkühner, aufgeblasener Mensch« sei. Der Erfurter Humanist Mutianus Rufus schreibt von Faust als von einem Wahrsager mit dem Pseudonym »Georgius Faustus Helmitheus Hedebergensis«. Aug. Lercheimer von Steinfelden erwähnt in seinem »Christlich Bedencken und Erinnerung vor Zauberey«, dass Faust den Geist der Helena beschworen und mit ihr einen Sohn namens Justus gezeugt habe, doch wären beide bei seinem Tode verschwunden. Das bei Spies 1587 in Frankfurt am Main erschienene Volksbuch »Historia von D. Johann Fausten, dem weitbeschreyten Zauberer und Schwarzkünstler« wurde von Georg Rudolph Wid(e)mann ausgestaltet und nach dieser Ausgabe von Johannes Nikolaus Pfizer neuerlich umgearbeitet. Daraus ging das Faustbuch des »Christlich Meynenden« hervor, das Goethe als Quelle seiner Dichtung heranzog. Dabei konnte er die Kenntnis magischer und alchemistischer Bücher verwerten.
In neueren Nachschlagewerken wird meist die Identifikation des Faust der Sagenbücher mit einem historischen Georg Faust, geboren um 1480 in Knittlingen, vorgetragen; »Seit 1506 trat er zuerst mit magischen Kunststücken und als Horoskopsteller auf, war 1507 Schulmeister in Kreuznach, wo er sich unwürdig benahm, erschien in Erfurt, 1513, Bamberg, 1520, Ingolstadt, 1528, Nürnberg, 1532, fast überall nach kurzem Verweilen ausgewiesen«,so in der Brockhaus-Enzyklopädie. Georg und Johann Faust werden von E. M. Butler als Zwillingsbrüder angesehen. P. M. Palmer und R. P. More, The Sources of the Faust Tradition, London 1966. G. Mahal rekonstruiert die Biographie eines historischen Faust, der um 1480 im württembergischen Knittlingen geboren wurde, als fahrender Aussenseiter der okkulten Wissenschaft viel Widerspruch erregte, wahrscheinlich als Illusionist wirkte und sich als Alleskönner betätigte. Doch war er, Mahal zufolge, nicht bloss der »Schreihals und Charakterlump, wie ihn mit dem gehässigen Abt auch spätere Beurteiler sehen zu müssen meinten, dass er den elitären Humanisten seiner Zeit nicht gefallen konnte oder auch nicht gefallen wollte, spricht eher gegen diese als gegen ihn. Dass er Namen und Heimatorte wie Hemden wechselte, konnte Lust an der Maskerade ebenso sein wie das öffentlich geübte Freihalten einer Identität, die sich nur im Verborgenen fand, in jener Meditation und geistigen Anstrengung, die man Faust stets vorschnell abgesprochen hat... ein Mann, der sich in seiner Zeit laut und auffällig gab, es aber gleichzeitig verstand, hinter der berühmten Fassade ein Unbekannter zu bleiben«.
Eine exakte historische Fixierung der Person des Faust ist dennoch kaum möglich. Früher wurde gelegentlich vermutet, dass der Name von dem Mainzer Buchdrucker Johannes Faust. gestorben 1467, entlehnt wurde und unter diesem Namen verschiedene Zaubersagen des 15. und 16.Jahrhunderts zusammengefasst bzw. mit landfahrenden Scharlatanen dieser Zeit in Verbindung gebracht wurden. Die Gestalt des Faust war im Barock in Deutschland bereits sehr berühmt. Mehrere der bekanntesten Zauberbücher wurden dem Faust zugeschrieben. Das Marionettenspiel vom Doktor Faust war bis in neuere Zeit beliebt und geht wohl auf englische Vorbilder zurück. Der Faust-Stoff inspirierte seit Marlowe, 1589, zahlreiche Dichter wie zum Beispiel Lessing, Lenz, Goethe, Grabbe, Heine, Lenau und Musiker wie, Berlioz, Liszt, Gounod. Die neueste Faust-Bibliographie, ältere Vorarbeiten umfassend, ist jene von Hans Henning, Berlin und Weimar 1966/70 über die volkskundliche Seite. Eine polnische Parallelfigur zu Faust ist »Meister Twardowski«

 

 

 

 

 

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