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Abgeleitet von einem
arabischen Wort al-ichsir oder el-eschir, das heisst der Stein, nach dem
griechischen xerion, trockenes Pulver; in der Chemiatrie im weiteren Sinne
jede flüssige Arznei, die gelöste Stoffe enthält, in der alten Pharmakologie
auch Sammelbezeichnung für Essenzen und Emulsionen. So nennt Zedlers Lexikon
nicht weniger als 154 verschiedene Elixiere, zum Teil nach Mynsicht und
Crollius. Elixier im engeren Sinne, auch »Elixier vitae« oder »Alkahest«,
ein legendäres Lösungsmittel, bedeutet in der Alchemie die Universalmedizin,
die aus dem Stein der Weisen hergestellt und oft als das eigentliche Ziel
der alchemistischen Bemühungen bezeichnet wird. Bei Paracelsus heisst das
Elixier auch »Tinetura physica« und wird beschrieben als ein »Universal,
welches verzehrt alle Krankheiten. Seine Dosis ist klein, aber seine
Würckung mächtig gross. Daher sind von mir curiret worden Aussatz,
Frantzosen [Luesi, Wassersucht, hinfallende Sucht, Colica, Gutta;
desgleichen Wolff, Krebs, Sprey, Fisteln und allerley inwendige Mängel...«.
In seiner Schrift »De viribus membrorum« schreibt Paracelsus über den »Alkahest«,
dass er besonders auf die Leber stark wirke und den Menschen kräftige und
vor Krankheiten bewahre. Über dieses Allheilmittel schrieb später besonders
J. B. van Helmont, der es Wundermedizin, Feuerwasser und Höllenwasser nennt.
Es handle sich »um das gesegnetste aller Salze«, und nur Gott könne das
Geheimnis seiner Herstellung offenbaren. Darüber berichtet d' Espagnet, man
müsse rote Erde, Luft und Wasser mischen, daraus eine metallische Paste »wie
Butter« bereiten: »Hinzu füge 1 1/2 Teile Feuer und setze es in ein
sorgfältig verschlossenes Gefäss, gib ihm Feuer des ersten Grades zur 1
Digestion. Du bereitest dann einen Extrakt der Elemente nach den Graden des
Feuers, bis sie in eine feste Erde reduziert werden. Die Materie wird wie
ein glänzender roter Stein und ist dann fertig. Setze sie in einen Giesstopf
auf schwaches Feuer und befeuchte sie mit ihrem roten Öl, Tropfen für
Tropfen, bis sie ohne Rauch flüssig wird. Befürchte nicht, dass sich dein
Mercurius verdampft; die Erde trinkt die Feuchtigkeit begierig, denn sie ist
von ihrer Natur. Du hast nun das Elixier vollendet. Danke Gott für seine
Gunst, die er dir erwiesen hat, gebrauche es zu seinem Ruhm und bewahre das
Geheimnis.« Glauber betrachtete das Natriumsulfat als Elixier, und erst
Kunkel äusserte sich über die Existenz einer Universalmedizin skeptisch:
»Einige sagen, sein Name bedeute Alkali est ; andere behaupten, er sei von
dem deutschen 'All-Geist' oder von 'all ist' abgeleitet. Aber ich glaube,
dass ein solches Lösungsmittel nicht besteht und nenne es bei seinem wahren
Namen: alles ist Lüge«. - Die Vorstellung eines das Altern verhinderten
Elixiers dürfte auf mythologische Vorstellungen, wie Götterspeise Nektar und
Ambrosia, zurückgehen. Der Göttertrank der indischen Sage, Amrita, besteht
aus reinem Wasser, »flüssigem Gold« und aufgelösten Edelsteinen. Die
ptolemäische Königin Kleopatra liess sich ein ähnliches Elixier aus in Wein
aufgelösten Perlen herstellen.
Döbereiner schreibt in Ersch-Grubers Enzyklopädie, dass der »Begriff dieser
Arzneimittel in der neueren Zeit sehr beschränkt worden sei, wo man sehr
viele derselben zu den Tincturen gezogen hat«. Von diesen unterscheiden sie
sich dadurch, dass sie nicht klar, sondern dunkel und zuweilen
undurchsichtig sind. In der christlichen Allegorik steht Elixier oft für das
Altarsakrament, das den Gläubigen des ewigen Lebens teilhaftig werden lässt. |