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Ebenso Halbedelsteine und
seltene Mineralien spielten in der Magie seit den Babyloniern eine grosse
Rolle, und zwar als Konzentrat kosmischer Kräfte, das dauerhafter und
unvergänglicher ist als etwa magisch wirkende Pflanzen. Aus der Antike sind
mehrere Quellen erhalten: das Steinbuch des Theophrastos, um 200 vor
Christus, das »Orphische Steinbuch«, die Kompilation eines Lapidars, das
unter dem Namen »Damigeron« bekannt ist; das Steinbuch des Aetios von Amida,
des Leibarztes Justinians; die Steinbücher von Epiphanios und von Michael
Psellos und ähnliche Quellen.
Paracelsus bezeichnete die Edelsteine als die »höchste Subtilität der Natur«
und teilte die Mineralien in seinem Traktat »de mineralibus« in Salia,
Mineralia, Lapides, des weiteren in Gemmen und Gluten ein. Cardanus schrieb,
die Edelsteine seien wunderkräftiger und mächtiger als die Stoffe
pflanzlichen und tierischen Ursprungs, weil sie höheres Alter und »weniger
Funktionen« besässen. Jeder schön geschliffene Stein besitze die Macht,
Liebe, Reichtum und langes Leben zu bewirken. Bekannte Lapidarien aus der
neueren Zeit sind jene von de Boot und Swedenborg. Gegen Ende des
18.Jahrhunderts war der Glaube an die magische Wirksamkeit der Edelsteine
bereits weitgehend geschwunden. K. von Eckartshausen berichtet in seinen
»Aufschlüssen zur Magie«, München 1788: »Die Wunderdinge, die Alten davon
erzählten, bestätigten sich selten durch bewährte Versuche. Albertus Magnus
und Albertus Parvus schrieben sehr viele lügenhafte Sachen von den Steinen«,
etc., doch führt er im Anschluss eine Liste jener Edelsteine an, die in
magischen Büchern eine Rolle spielten: »Adamas, Achates, Alectorius,
Amethystus, Androdamas, Absinthos, Asbestos, Alabandina, Berillus,
Carbunculus, Chrysolithus, Chrysopras, Chrysoprasius, Chelidonius, Carneolus,
Calcophonos, Chrysolectros, Chalazias, Chelonites, Corallium, Chalcedonius,
Cerauneus, Cristallus, Diadochos, Dionysias, Etites, Enhidros, Gagates,
Gagatromeus, Galactites, Hieracites, Hienia, Heliotropia, Hephestites,
Hematites, Hexeconthalithos, Hyacinthus, Jaspis, Iris, Lyncurius, Lipares,
Magnes, Molochites, Medus, Onix, Orites, Ophtalmius, Pantherus, Pyrites,
Peanites, Prasius, Saphirus, Smaragdus, Sardius, Sardonix, Selenites, Sagda,
Topazius, Tecolitus, Unio.« Eckartshausen zitiert dazu Angaben aus Solinus,
Bartholomaeus Anglicus, Aristoteles, Dioskurides, Isidorus, Vincentius
Bellovacensis, Avicenna.
Die den einzelnen Edelsteinen zugeschriebenen Kräfte werden von der
Spätantike bis in die Neuzeit weitgehend identisch beschrieben: der Diamant
etwa soll die Kraft haben, Gespenster zu verscheuchen, Gunst bei Frauen zu
verschaffen, auch hieb- und stichfest zu machen und Unsichtbarkeit zu
verleihen. Böse Geister fliehen auch den Bernstein, den Jaspis und den
Chrysolith, der Amethyst hilft gegen Ungewitter und Trunkenheit; die Koralle
verwandelt bitteres Wasser in süsses, schützt gegen Gift und verscheucht
Dämonen. Der Nephrit vertreibt Schlangen und macht bei Frauen beliebt; der
Rubin bewahrt vor Schiffbruch. Stürme und Ungewitter vertreibt der Smaragd,
die Seekrankheit der Topas, welcher auch reichen Gewinn beim Handel bringt;
der Opal verscheucht quälende Träume usw. Als besonders wirkungsvoll wurden
die Edelsteine dann betrachtet, wenn sie durch die Kunst des Goldschmiedes
in Amulette und Talismane eingesetzt waren. Das komplizierte System der
kosmischen Entsprechungen bzw., Sympathien machte die Zusammenstellung von
Tabellen nötig, worin die Korrespondenzen zwischen Edelsteinen einerseits
und 1 Planeten und Zeichen des Zodiakus andererseits registriert waren: so
entspricht etwa der Rubin der Sonne und dem Tierkreiszeichen Leo.
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