|
Von der Spätantike an
vorwiegend Sammelbezeichnung für böse Geister, während der Name früher
einfach »Übernatürliche« bedeutete, etwa bei Homer, der die Götter so nennt.
Dämonen im neueren Sinne wären in der Antike mit dem Sammelnamen »Kakodaimones«,
im Gegensatz zu Agathodaimones, bezeichnet worden. Der antike Volksglaube
offenbart sich im Ausspruch des Epiktet, um 140, »Alles ist erfüllt mit
Göttern und Dämonen«. Böse Dämonen wurden als Urheber von Krankheiten
angesehen, vor allem von Geistesstörungen, von welchen exorzistische Sprüche
und Zeremonien befreien konnten. Für Plutarch sind die Dämonen Bewohner
eines Zwischenreiches inmitten der Regionen der Götter und der Menschen.
Besonders ausgeprägt ist der Dämonenglaube bei Neupythagoräern und im
Neuplatonismus. Bei Platin ist die Welt der Dämonen zwischen die der Götter
und die der Menschen eingeordnet, wobei die Dämonen mit den Menschen Triebe,
Affekte und Sinnesempfindungen teilen. Sie können deshalb angerufen werden
und besitzen wohl eine eigene Sprache. Platins Schüler Porphyrius baut diese
Dämonenlehre weiter aus. Böse Dämonen nehmen hier viele Züge an, die später
den Teufeln zukommen. Sie können Krankheiten, besonders Seuchen, und
Impotenz hervorrufen, und sie können auch durch Nahrungsmittel in den Körper
eingeschleppt werden.
Jamblichos beschrieb einerseits die Dämonen der Elemente, andererseits die
Stoff- Dämonen, die in den Tieren, Pflanzen und Gesteinen wirken. Proklos
unterscheidet die 4 Gruppen der Elementar-Dämonen von der 5., den
»Unterirdischen«; Michael Psellos fügte als 6.Ordnung die der
»Lichtscheuenden« hinzu. Bei Maximos von Tyrus heisst es, dass es die
Bestimmung der Dämonen wäre, sich am Menschenschicksal zu beteiligen, »den
Guten zu helfen, den Unrecht Leidenden beizustehen, den Unrecht Verübenden
aber Strafe aufzuerlegen«.
Allgemein-religionswissenschaftlich wird der Begriff Dämonen von J.
Zwernemann so besprochen: »Dämonen sind unkörperlich, personifiziert und
meist unsterblich gedachte, übernatürliche Mächte mit eigenem Willen, aber
begrenzter Kraft und Fähigkeit. Sie werden mit Objekten, Lokalitäten,
Naturerscheinungen oder Tätigkeiten in Verbindung gebracht und können durch
magische Praktiken oder Kulthandlungen beeinflusst werden. Die ihnen
zugeschriebenen charakterlichen Eigenschaften sind typologisch irrelevant.
Ebenso ist das Vorhandensein eines Kultes m.E. keine conditio sine qua non,
denn jeder Dämon erhält einen Kult, sobald Menschen versuchen, mit ihm in
direkten Kontakt zu treten. Das geschieht, wenn Menschen sich im gedachten
Einflussbereich eines Dämonen niederlassen oder dort eine Tätigkeit
aufnehmen, oder wenn der Dämon sich einem Menschen offenbart. Neben
namentlich oder nach ihrem Aufenthaltsort bekannten Dämonen kann die
Vorstellung zahlloser anonymer Dämonen bestehen, die nach ihrer Entdeckung
durch die Menschen Gegenstand eines Kultes werden können. Auch der
umgekehrte Weg ist denkbar: das Zurücktreten einzelner Dämonen in die
Anonymität.«
Die Dämonenlehre des Judentums leitet sich aus dem Alten Testament ab, aus
einer Textstelle, die sich im Sinne der Lehre von der Empörung und dem
endlichen Fall der Engel, die als Übertreter der Schöpfungsordnung zu
Dämonen werden, deuten lässt. Dabei könnte die Dämonenlehre des Judentums
und später des Christentums vom persönlichen Dualismus beeinflusst sein. So
wurde dem Lichtreich der Engel eine entgegengesetzte Hierarchie des
teuflischen Satansreiches gegenübergestellt.
Der Volksglaube in den 1.Jahrhunderten nach Christus kannte zahllose
Dämonen, die den Menschen auf mannigfache Weise zu plagen die Macht hatten.
Bei Grimm, Deutsche Mythologie, ist religionsgeschichtlich und volkskundlich
Material zu dem Vorstellungskomplex der Dämonen gesammelt: »heidnische
gottheiten und geister, die an sich schon übelthätig und finster waren,
giengen leicht in den christlchen begriff teuflischer wesen über,
schwieriger erfolgte die Verwandlung der guten götter des althertums in
gespenster und teufel. Sie wandelten sich den neuen Christen nicht bloss in
götzen, sondern in teufel, das heisst genossen und theilhaber eines
feindlichen reichs, dessen herschaft gebrochen war, aber noch im
zurückweichen kräfte entwickelte«. So wurde in der Patristik die heidnische
Religion vielfach durch die Verblendung der Menschheit durch dämonische
Wesen erklärt. Hieronymus schreibt, die Luft sei erfüllt von Dämonen, und
Augustinus erklärt, »alle Krankheiten der Christen sind Dämonen
zuzuschreiben«. in »De Civitate Dei« ist davon die Rede, dass die Dämonen
des weiteren Krankheiten verursachen, Menschen zum Prophezeien zukünftiger
Dinge und zur Verrichtung sonst unmöglicher Taten, etwa zum Wetterzauber,
befähigen und sie zur Dämonen-Buhlschaft verleiten. Augustinus hält also an
der Vorstellung von Incubus und Succubus fest. Ähnliche Vorstellungen finden
wir bei Thomas von Aquino, was in den späteren Hexenprozessen als Äusserung
einer hohen Autorität ins Treffen geführt wurde. Auch Ungewitter führt
Thomas auf die direkte Einwirkung der Dämonen zurück, ebenso wie Paracelsus.
Luther nennt Unglücksfälle, Verletzungen usw. »eitel Teufelsauswürfe«.
In der neueren Zeit ist das Wort Dämon meist ein Synonym für Teufel, jedoch
in dem Sinn, dass meist der Satan als Teufel, seine untergeordneten bösen
Geister als Dämonen bezeichnet werden. Wie lange der ausgeprägte
Dämonenglaube in der Neuzeit in vollem Umfang lebendig blieb, zeigt die
ausführliche Kasuistik bei Görres, der zahllose Fälle der »dämonischen
Besessenheit« nach Originalakten wiedergibt. Quellen für den Dämonenglauben
aus der Spätantike sind die Collationes Cassiani. Aus dem Byzanz des
Mittelalters besitzen wir die Werke des Michael Psellos, aus dem Abendland
die etwa ein Jahrhundert jüngeren Bücher des Cäsarius von Heisterbach und
von Jacobus von Teramo, 1328. In neuerer Zeit wird der Dämonenglaube
ausführlich dargelegt von Pierre Le Loyer, vor allem aber in der »Pseudo-Monarchia«
des Johannes Wierus. Im .Malleus Maleficarum heisst es über die Dämonen:
»Als Eigenschaften sind ihnen aber von den Theologen beigelegt, dass es
unreine Geister sind, wenn auch nicht unsauber von Natur. Weil ihnen nach
Dionysius innewohnt unvernünftige Wut, sinnlose Begehrlichkeit,
schrankenlose Phantasie, nämlich bezüglich ihrer geistigen Sünden, als
Stolz, Neid und Zorn, darum sind sie die Feinde des Menschengeschlechts,
vernünftig im Geiste, doch ohne Erörterung begreifend, getrieben in
Nichtsnutzigkeit; begierig zu schaden, immer auf neuen Trug bedacht; sie
verändern die Sinne, erforschen die Triebe, stören die Wachenden, schrecken
die Schlafenden durch Träume, bringen Krankheiten, erregen Stürme,
verwandeln sich in Engel des Lichts, tragen immer die Hölle bei sich,
verlangen von den Hexern göttliche Verehrung, Zauberkünste geschehen durch
sie, über die Guten wollen sie herrschen und bedrängen sie weiterhin nach
Kräften; den Auserwählten werden sie zur Prüfung gegeben, suchen immer das
Ende der Menschen herbeizuführen. Aber mögen sie auch tausend Arten und
Kunstgriffe zu schaden haben, da der Teufel versucht, vom Anfang seines
Sturzes an, die Einheit der Kirche zu zerstören, die Liebe zu verletzen...
und auf alle Weise das Menschengeschlecht zu vernichten und auszurotten:
seine Stärke beruht doch in den Lenden und in dem Nabel weil sie nämlich
durch die Oppigkeit des Fleisches mächtig in den Menschen herrschen. Denn
der Sitz der Oppigkeit ist bei den Männern in den Lenden, weil von hier der
Same abgesondert wird, wie bei den Weibern aus dem Nabel«. Darauf beruht der
Glaube an Incubus und Succubus. Nicht ganz klar ist im Malleus Maleficarum,
ob die Namen des Teufels und seiner dienstbaren Dämonen auf verschiedene
Personen oder bloss Aspekte einer Macht hinweisen: Den Diabolus nennt man
auch »Dämon, das heisst nach Blut riechend oder blutig, nach Sünden nämlich,
nach denen er dürstet. Er heisst auch Belial, was verdolmetscht wird mit
`ohne Joch' oder `ohne Herrn', weil er nach Kräften gegen den ankämpft, dem
er untertan sein müsste. Er wird ferner auch Beelzebub genannt, welches
übersetzt wird mit `Mann der Fliegen', das heisst der sündigen Seelen,
welche ihren wahren Bräutigam Jesus Christus verlassen haben. Ebenso heisst
er Satanas, das heisst `Gegner'. Auch Behemoth, das heisst Bestie, weil er
die Menschen bestialisch macht. Der eigentliche Dämon der Hurerei und der
Fürst jener Unfläterei heisst Asmodeus, was verdolmetscht wird mit 'Bringer
des Gerichts', weil wegen eines derartigen Lasters ein furchtbares Gericht
erging über Sodom und noch vier andere Städte. Der Dämon des Obermuts with
Leviathan genannt, was übersetzt wird mit `Zugabe', weil der Teufel, als er
die ersten Eltern versuchte, ihnen im Obermute die Zugabe der Göttlichkeit
versprach; Adam.
Über ihn spricht auch Jesaias durch den Mund des Herrn: Ich werde heimsuchen
durch Leviathan, die alte, gewundene Schlange. Der Dämon des Geizes heisst
Mammon, von dem auch Christus im Evangelium gesprochen hat: Matthäus 6: Ihr
könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.«.
Viel jünger sind die dämonologischen Bücher von Francis Barett und Collin de
Plancy.
Eine anschauliche Beschreibung der Dämonen, wie man sie sich im
16.Jahrhundert vorstellte, gibt zum Beispiel das Faust Volksbuch von 1589,:
»Belial aber erschien Doctor Fausto in gestalt eines zotteten und gantz
kolschwartzen Beeren, alleine das seine Ohren über sich stunden, und waren
die Ohren und Rüssel gantz brennend roth, mit hohen schneeweissen Zeenen,
und einem langen Schwantz, drey Ellen lang ungefehrlich, am Halse hatte er
drey fliegender Flügel... Lucifer, in Gestalt eines Mannes hoch, und war
haarig und zottig, in einer Farbe wie die rothen Eichhörnlein sind, den
Schwantz gantz über sich habend... Darnach der Beelzebub, der hatte ein
leibfarbes Haar, und einen Ochsenkopff, mit zweyen erschrecklichen Ohren,
auch gantz zottig und härig, mit zweyen grossen Flügeln, und so scharf f,
wie die Disteln im Felde, halb Grün und Gelb, allein das über den Flügeln
Fewerstromen heraus flogen, hatte einen Kühschwantz«
In der Neuzeit wurde häufig jedem dieser Dämonen ein besonderer
Kompetenzbereich zugewiesen: Buer etwa wird von Wierus als Experte für Ethik
und Logik, für pflanzliche Heilsäfte und als Zuweiset von Familiaren
beschrieben. Um Dämonen zu vertreiben, bediente man sich seit
vorchristlicher Zeit bestimmter Zaubersprüche, Segensformeln, des Exorzismus
und bestimmter Amulette. Eine grosse Rolle spielte der Glaube an Dämonen im
Hexenglauben. |