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BAHIR

Ein mittelalterlicher Text aus der Geisteswelt der Kabbala, im Süden Frankreichs entstanden in einem Raum, der stark von den gnostizierenden Doktrinen der Katharer und Albigenser beeinflusst war. Vermutlich war dieses geistige Klima dafür verantwortlich, dass auch die Juden sich esoterischen Lehren zuwandten und für Einflüsse aus dem Orient zugänglich waren. Das Buch Bahir hat seinen Namen nach Hiob 13,21, »hell, klar«, ähnlich wie das kabbalistische Hauptwerk Sohar, »Glanz« nach Daniel 12,3, das an Bedeutung später unter den Juden Spaniens das Buch Bahir übertraf. Obwohl die Sprache im Bahir vielfach jene der Gnosis ist, wird der Weltschöpfer nicht als böser Demiurg betrachtet, sondern steht als der wahre Gott Israels im Mittelpunkt des Weltbildes. In ideologischer Hinsicht ist daher der Bahir trotz seiner ähnlichen Terminologie nicht als gnostisch zu bezeichnen. Die in der aus jüngerer Zeit überlieferten Kabbala ausgearbeitete Struktur der Sephirot wird so erwähnt, als werde ihre Kenntnis vorausgesetzt. Interessant ist im Zusammenhang damit die Spekulation über die Abtrennung des Satanischen von der göttlichen Macht. Es entstand durch Adams Genuss vom Baum der Erkenntnis; die Eigenschaft der Strenge und Beschränkung, die früher durch die Ströme des Lebens und der Liebe aufgewogen worden war, wurde durch Adams Kontemplation isoliert, aus dem Verband der Sephirot losgelöst »und gewann nun als das Böse, als das Prinzip des Satans, über ihn Gewalt. Die Trennung und Isolierung dessen, was geeint sein sollte, ist die Natur des Bösen. Wo der Mensch eine solche Trennung in sein Wesen aufnahm, schafft er uneigentliche, unechte Zusammenhänge der Wirklichkeit und produziert damit das Böse, das von Gott Abgetrennte ist. Im Sinne der alten Kabbalisten war es die Isolierung, welche die Vergröberung und Materialisation der menschlichen Erfahrungswelt bedingte«. Daraus ergibt sich, dass die Herstellung illegitimer Einheiten, die demiurgische Anmassung der Magie, als eine Folge des Einbruches des Bösen in die Weltordnung interpretiert wird.
Bei Scholem 1970, heisst es über den Bahir: »Die theosophische Exegese, die in den Worten der Bibel Aussagen über diese Kräfte findet, das heisst über jene der Sephirot, beansprucht das lebendige Interesse des Buches. Es ist sozusagen ein Bruchstück aus der gnostischen Hierarchie der Dinge. Gerade der Anfang, den die Gnostiker in so eindrucksvollen Bildern beschrieben, wird schweigend übergangen. Weder gnostische noch neuplatonische Bestimmungen werden von ihm gegeben. Doch steht hinter all dem eher eine durchaus persönliche Gottesauffassung als deren Gegenteil. Die Äonen sind nicht selber Gott, sie bilden nur einen Bereich, in dem sich seine Macht manifestiert. Der torsohafte Text konnte allen möglichen spekulativen Ausdeutungen als Beweisgrund dienen. Eine kabbalistische Theologie in irgendeinem präzisen Sinne enthält er nicht.«

 

 

 

 

 

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