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BACON, Roger »doctor mirabilis« od. »admirabilis«

Englischer Philosoph und Naturforscher, geboren circa 1214 in Ilchester, gestorben circa 1294 in Oxford. Bacon war bestrebt, die Theologie von der profanen Wissenschaft zu trennen, wobei er jene nur auf Beobachtung, Versuch und Berechnung gegründet wissen wollte. Obwohl er diese Forderungen in der Praxis nur selten erfüllte, wird er als einer der ersten echten Naturforscher des Mittelalters bezeichnet. Von 1244 bis circa 1252 studierte Bacon in Paris und hörte dort unter anderem Albertus Magnus. Um 1257 trat er dem Franziskanerorden bei, ohne jedoch offenbar für den Dienst in einem strengen Orden geboren gewesen zu sein. Durch Verbreitung eigenwilliger Lehren machte sich Bacon bei seinen Oberen unbeliebt; als Papst Clemens IV., mit dem Bacon korrespondiert hatte, 1268 starb, konnten seine geheimwissenschaftlichen Neigungen nur dazu führen, dass ihn sein Ordensgeneral zu Klosterhaft verurteilte. Die gelegentlich geäusserte Annahme, der Anlass hiefür wäre das »Speculum astronomiae«, wurde von L. Thorndike mit guten Gründen widerlegt, da dieses Werk sicherlich von Albertus Magnus stammt; Bacon’s ferneres Schicksal ist ungewiss. Das letzte von ihm bekannt gewordene Werk, Compendium studii theologiae, 1292 oder 1293, zeigt seine ungebrochene Eigenständigkeit. Bacon’s Hauptwerke, Opus maius, darin unter anderem die Traktate »de iudiciis astrologiae; prognostica et siderum cursu; de specierum multiplicatione; de arte experimentali«, opus minus, opus tertium, dürften zwischen 1260 und 1268 entstanden sein. In philosophischer Hinsicht ist Bacon Aristoteliker, jedoch mit deutlichen Anklängen des, Neuplatonismus. Kulturgeschichtlich interessant ist seine »Epistola de secretis operibus artis et naturae«, worin Bacon zahllose Maschinen, Fahrzeuge, Luftschiffe usw. vorausahnt und beschreibt. Er zweifelte nicht an der Realität der Magie, wollte aber zwischen der satanischen und der erlaubten magia naturalis unterscheiden. Die Alchemie schätzte er hoch, obwohl Aristoteles nichts über sie geschrieben habe; sie könne durch Erzeugung von Gold und Elixieren viel nützen, doch wäre sie nur für jene zugänglich, die mit der Bedeutung von Adler, Hirsch, Schlange und Phönix, das heisst, mit dem Geheimnis der Erneuerung, vertraut wären. Sie habe sich mit allen denkbaren Zusammensetzungen der tellurischen Stoffe zu befassen, und das Goldmachen sei nur eine von 145 verschiedenen Kombinationsarten. In astrologischer Hinsicht ist Bacon der Meinung, dass die Gestirne nur die allgemeinen Tendenzen des Schicksals bestimmten, der Wille des Menschen jedoch frei sei. Alchemie, Astrologie und Magie sind für Bacon der Höhepunkt der Naturwissenschaft, eine Geheimlehre im strengen Sinn.

 

 

 

 

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