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Die Lehre von den
Entsprechungen der Gestirne in der Menschenwelt, ist bei allen Hochkulturen
in irgendeiner Form bekannt; in der dem Abendland geläufigen Form geht die
Astrologie jedoch auf die sumerisch-babylonischen Kulturen Mesopotamiens,
3.-2.Jahrtausend vor Christus, zurück und erfuhr in der Zeit des Hellenismus
ihre eigentliche Ausprägung. Uralt ist die Unterscheidung von Fixsternen und
Planeten, welche eigene Bahnen haben und sich unabhängig vom Fixsternhimmel
scheinbar willkürlich bewegen, daher als Gestirngötter angesehen wurden.
Schon frühzeitig wurde offenbar versucht, menschlicher Charakter-und
Schicksalstypen mit den schrittweise entschleierten kosmischen Gesetzen in
Beziehung zu bringen. Das astrologische Weltbild ist geozentrisch,
entspricht also dem subjektiven Eindruck eines irdischen Beobachters von den
himmlischen Vorgängen. Im Laufe der Geistesgeschichte lassen sich wiederholt
Meinungsverschiedenheiten darüber feststellen, ob die Sterne direkten
Einfluss auf den menschlichen Mikrokosmos nehmen oder ob sie das
mikrokosmische Geschehen im Sinne der Entsprechungslehre bloss
»synchronistisch«, nach C. G. Jung, widerspiegeln.
Zur Namens- und Begriffsgeschichte schreibt J.A.M. Mensinga: »Horaz hält es
für etwas Gottloses, die'babylonischen Zahlen` zu befragen; Gellius spottet
derselben, Juvenal verachtet sie-sie und ihre Pfleger kommen jetzt vor unter
den Namen Mathesis, Mathematici, Chaldaei, Babylonii; später genethliaci,
planetarii. Das Wort Astrologia gebrauchte Aristoteles sowohl als Cicero
synonym mit astronomia: meinten sie die Sterndeutung, so sagten sie
astrologia apotelesmatiki, bestimmende Astrologie, oder einfach das
letztere, die Lateiner astrologia judiciaria.«
Es müsste untersucht werden, inwieweit die etwa in der Philosophie der Stoa
mächtig wirkende Idee der »necessitas«, Notwendigkeit, von der Beobachtung
der unabänderlichen kosmischen Gesetzmässigkeiten und ihrer astrologischen
Projektion auf den Menschen bestimmt war: Manilius, Zeitgenosse des
Augustus, Autor des Lehrgedichts »Astronomica«, schreibt etwa »Fata regunt
orbem, certa stant omnia lege«, um das direkte Regieren der Astralmächte
über den menschlichen Bereich auszudrücken. Der sich daraus ergebende
Fatalismus ist im Weltbild des Islam rein erhalten geblieben. Tiberius war
überzeugt, dass alles durch das Fatum bestimmt sei und vernachlässigte daher
bewusst die Übungen der Religion. Firmicus Maternus hingegen, obwohl von der
Macht des Schicksals überzeugt, ruft die Götter an, damit sie ihn in seinem
Bemühen stärken, den astralen Einflüssen zu widerstehen. Wenn eine Lehre
oder ein Kult verspricht, geheime Mittel gegen die Schicksalsmächte
mitzuteilen, etwa das Leben über die vom Fatum vorgezeichnete Frist hinaus
zu verlängern, führt die Astrologie nicht zu einer Vernachlässigung des
Kultischen, sondern im Gegenteil zu einer besonderen Ausgestaltung und
Vertiefung. Viel seltener wurde eine weitere Alternative realisiert, die
vertrauensvolle Hingabe an das als vorgezeichnet empfundene Schicksal, »amor
fati«. Die Astrologie überlebte den Zerfall des antiken Polytheismus und
trug zum Beispiel dazu bei, das Weihnachtsfest in die Nähe des »Geburtstages
der neuen Sonne« zu verlegen, zwischen 354 und 360. Das
geistesgeschichtliche Phänomen der Konstanz der Astrologie über die
Auflösung der antiken Welt hinweg datiert aus den unruhigen Zeiten des
Hellenismus, als der Mensch »ein wohlgeordnetes Ganzes mit ewig
unwandelbaren Gesetzen« suchte »der menschlichen Willkür trat hier ein
göttlicher Zwang mit seinem unerbittlichen Muss gegenüber. Die
Astralreligion hatte auch den Vorteil, dass sie ihre Anschauungen vor dem
Verstande rechtfertigen und mit scheinbar naturwissenschaftlicher
Genauigkeit beweisen konnte. Der rationale und verkappte wissenschaftliche
Charakter hat ihr eine erstaunliche Widerstandskraft auch gegen den
christlichen Glauben verliehen. Denn sie war die einzige heidnische
Religion, deren Untergang erst die moderne Wissenschaft im Zeitalter des
Rationalismus besiegelt hat«. Theoretisch wurde die Astrologie von der
christlichen Kirche bekämpft, praktisch jedoch nicht selten toleriert,
solange die Astrologen ihre Lehren nicht zu laut und aggressiv verkündeten.
Francisco de Os(s)una verurteilt in seinem »Flagellum Diaboli« die
astrologische Prognostikation: Der böse Feind »zaiget den Menschen
underschiedliche Häuser im Himmel und sonderbare aspecten und beschawungen:
Er sagt, dass der ein aspect oder das eine hauss dem einen etwas guts, und
dem andern etwas böses verhaisse: Er sagt, dass durch dise und dise
Coniunction oder zaichen, sich erheben und begeben sollen sonderbare Krieg,
blutige schlachten, und tödtliche abgang dises oder jenen Potentatens: er
verhaist durch die Erkäntnus der Planeten, Gestirn und Himmelsleuff, ob das
Kind oder ein Person solle lang leben, glücklich oder unglücklich sein
etc... Aber 0 grosse thorheit und unsinnigkeit aller deren, welche disen und
dergleichen traumereyen und listigen erfindungen dess Sathans glauben, und
ihr Fundament und vertrawen setzen auff die stundt ihrer Geburt. Wo bleibt
die Providentz und Fürsichtigkeit Gottes?... Wer aber sich understehet,
durch die Himmelsleuff und Gestirn zukünfftige ding zuverkünden, der ist ein
Abergläubischer Christ, ain Ketzer, ein Narr, ain Lugner und Verführer der
Menschen, und daher wirdig, verfolgt und vertrieben zuwerden, auss aller
Gesellschafft der Menschen« usw. . Das Ansehen des Astronomus an den
Fürstenhöfen konnten diese Angriffe von kirchlicher Seite in der Praxis
jedoch nicht beeinträchtigen.
Auf jeden Fall lieferte das astrologische Lehrgebäude der wissenschaftlichen
Astronomie durch intensive Beschäftigung mit der Himmelskunde die Basis
späteren Fortschrittes, wobei der Astronomus lange Zeit vom Astrologen nicht
unterschieden wurde. In neuerer Zeit sind interessante Versuche
festzustellen, die sehr feingegliederte astrologische Typologie statistisch
zu fundieren, so H. Frh. v. Klöckler, Astrologie als Erfahrungswissenschaft,
Leipzig 1927. Neue ideologische Ansätze auch bei Ring 1972.
Im täglichen Leben hat die Astrologie durch den Stern (*) für »geboren« und
Redensarten wie »unter einem guten Stern stehen« Spuren hinterlassen,
desgleichen in den Ausdrücken »jovial« und »martialisch«, eigentlich vom
Jupiter bzw. Mars regiert. Auch die Namen der Wochentage weisen auf den
alten Gestirnkult hin: Montag, dies lunae: französich vendredi, dies veneris
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