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ANDREAS, Johann Valentin

Der eigentliche Begründer des Rosenkreuzer-Bundes, wurde 1586 als Sohn des lutherischen Theologen Jakob A. in Herrenberg Württemberg geboren. 1607-14 bereiste er als Hofmeister junger Edelleute die Schweiz, Frankreich und Italien, nachdem er von 1601-06 in Tübingen studiert hatte. Hier war er mit dem Werk des , Paracelsus, durch seinen Lehrer Besold mit esoterischer Wissenschaft und mit der Utopie Campanellas bekannt geworden. 1614 wurde Andreas Diakon in Vaihingen, 1620 Superintendent in Calw, 1639 Hofprediger in Stuttgart, 1646 Mitglied der »Fruchtbringenden Gesellschaft«, 1650 Abt und Generalsuperintendent zu Bebenhausen, 1654 Abt zu Adelberg. Andreas starb 1654 in Stuttgart. In seiner Tübinger Studienzeit muss ihm der Gedanke zur Gründung eines Bundes erlauchter Geister gekommen sein, die das Papsttum, den Islam und die scholastische Philosophie bekämpfen und ein reformiertes, mit der Esoterik in Einklang stehendes Christentum herbeiführen sollten. So schuf Andreas den Mythus einer bereits 120 Jahre bestehenden Geheimgesellschaft, von einem »Christian Rosenkreutz« begründet »Fama Fraternitatis, oder die Entdeckung der Brüderschaft des hochlöblichen Ordens des Rosenkreutzes, gedruckt anonym zu Kassel 1614; »Confessio Fraternitatis R.C. 1615.
Der mythische Gründer des Ordens, Christian Rosenkreutz, soll diesen Schriften zufolge nach langen Orientreisen den Plan einer Sammlung reifer Gelehrter gefasst, jedoch zu wenig Erfolg gehabt haben; daher wäre sein Grabmal nach seinem Tode im Jahre 1486 so gebaut worden, dass es sich nach 120 Jahren, also 1606, öffne und die Geheimnisse preisgebe. Den weitaus grössten Erfolg hatte jedoch die »Chymische Hochzeit Christiani Rosencreutz. Anno 1459«, Strassburg 1616, die man früher als »derbe Satire auf geheime Gesellschaften und die Alchemie« auffasste, während man sie heute als allegorische Schilderung des geheimwissenschaftlichen Einweihungsweges und der Herstellung des Steines der Weisen ansieht. Der Erzähler Rosenkreutz wird zu der Hochzeit eines Königs geladen, muss viele Proben bestehen, nimmt an alchemistischen Operationen teil, belauscht aber schliesslich die nackte Venus, hier wohl Symbol der Weltlust, und kann daher die endgültige Erleuchtung nicht erlangen. Der Schluss wurde nicht geschrieben. Andreas bricht mitten im Text mit dem Hinweis ab, in den Schriften des Rosenkreutz fehlten hier »zwei quart Blättlin«. Es wäre falsch, dieses Buch als satirische Mystifikation aufzufassen; es handelt sich eher um einen utopischen Mythus, der in weiten Kreisen das Interesse an Rosenkreutz und seinem geheimen Bunde wachrief. Der Stil des Buches ist von innerer Begeisterung erfüllt, stellenweise naiv und holprig, aber jedenfalls geistesgeschichtlich ein überaus wertvolles Zeitdokument. Andreas leugnete später die Autorenschaft der beiden anderen Rosenkreuzerschriften ab, »wohl zu seinem Schutze und in Erkenntnis der Unerfüllbarkeit seines hohen Traumes« wie Alfons Rosenberg 1957 schrieb, und er rückte von seinen Ideen später auch mehr oder weniger ab, ohne jedoch zu leugnen, die »Chymische Hochzeit« verfasst zu haben.
D. Hölscher vertritt in der »Realencyklopädie für prot. Theologie und Kirche«, die Ansicht, Andreas Rosenkreuzerschriften wären ursprünglich als Satire auf die »mystische und alchymistische Geheimniskrämerei der Zeit gemeint gewesen, doch habe sich dem Autor die Möglichkeit eröffnet, »einen Geistesbund von christlichen Freunden aus allen Ländern zu stiften. Diese Gedanken entwickelte er 1617 in der Invitatio Fraternitatis Christi ad amoris candidatos und 1620 in der Christianae societatis idea und der Christini amoris dextra porecta.«
H. Schick spricht sich im Gegensatz zu manchen Versuchen, die Autorschaft der drei alten Rosenkreuzer-Schriften anderen Verfassern, etwa Besold, zuzuschreiben, nach sorgfältiger Analyse der Argumente eindeutig für Andreas aus: »Am Schluss der 'Fama` steht der Spruch: 'sub umbra alarum tuarum Jehova'. Das ist... eine Variation des Wahlspruches Andreas: in te domine speravi, non confundar in aeternuum. Nur eine Person, und zwar Johann Valentin Andreae, kommt somit nach Untersuchung von Form und Inhalt der drei echten Rosenkreuzer-Schriften als Verfasser in Frage.

 

 

 

 

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