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Magisches Schutzmittel
zur Abwehr feindlicher Mächte, etwa des bösen Blickes, innerlich verwandt
mit dem Talisman, der Glück anziehen soll, und nicht immer von ihm zu
trennen. Die »apotropäischen« Bildwerke der Antike, etwa das Gorgoneion,
Haupt der Medusa, deren Blick in Stein verwandelt, bezeugen das hohe Alter
der Ansicht, die sich in dem Spruch »Maleficia posse, per artem quam facta
sunt, destrui« „böse Mächte können durch die Kunst, die ihnen zukommt, auch
zunichte gemacht werden“ äussert. Auf klassischen und frühgeschichtlichen
Gegenständen treten nicht selten Augenornamente auf, die feindliche
Blick-Emanationen neutralisieren sollen. Die als magisch-kraftgeladen
betrachteten Genitalien treten häufig in symbolischer Form als Amulett auf:
etwa die »fica«-Geste, der bei geballter Faust zwischen Zeige- und
Mittelfinger gesteckte Daumen, fixiert und plastische Bildwerke wie
Schmuckanhänger und Schnitzereien oder phallische Amulette als Abwehr des
bösen Blickes.
Manche Naturprodukte sollen aus sich heraus Amulett-Wirkung besitzen: etwa
die Koralle, der Sage nach aus dem Blut des von Perseus abgeschnittenen
Gorgonenhauptes gewachsen, die häufig zu Schmuck verarbeitet wurde; der im
Anschliff augenähnlich gezeichnete Achat »Augenstein«, der Amethyst als
Verscheucher der Melancholie, der Diamant für die Abwehr quälender Träume
usw. Vielen Characteres sollte Amulett-Charakter zukommen, etwa dem
Pentagramm. In der Renaissance tragen Talismane und Amulette häufig
astrologische Symbole
H. Nemec betont die Rolle, die Amulett und Talisman bei der Herausbildung
des Schmuckes im bäuerlichen Bereich spielten und erwähnt, dass im Alpenraum
das Wort Amulett vielfach unbekannt ist; Synonyme: »Wehrer«,
UnglücksAbwehrer und »Amadesl«; ältere Bezeichnung für Amulett: Phylacterium.
Für Amulett und Talisman ist die enge Bindung charakteristisch, »die sie zum
Menschen haben müssen, damit sie ihre Aufgabe erfüllen können: Sie werden
entweder einzeln oder in mehreren Stücken getragen oder in Haus und Stall an
bestimmten Plätzen aufbewahrt.«
Amulett und J. Knuf weisen darauf hin, dass für Amulette wie auch für
Talismane »die Manipulationen, denen man sie unterzieht, von entscheidender
Bedeutung für ihre Wirkung sind. Solche Manipulationen können stark formal
und historisch verkrustet sein, so dass die einzelnen Elemente in ihrer
Beziehung untereinander nur noch unvollkommen zu erkennen sind. Meistens
aber sind sie einfach und stehen in direkter Verbindung mit den menschlichen
Sinnen. Typische 'Manipulationen' sind: Berühren, Streicheln, Reiben. Damit
verbundene Umgangsformen sind zum Beispiel das Tragen unter der Kleidung,
das heisst direkt am Körper, an oder auf der Kleidung... Durch ihre
Identifikation mit solchen ritualisierten Formender Manipulation erfüllen
Amulette und Talismane in sich ständig die Merkmale ihres Vollzuges, am
einfachsten zu erkennen dort, wo sie direkt in Vertretung solcher
Kommunikationsformen gebraucht werden, wie zum Beispiel bei den
Schriftamuletten oder den Darstellungen von Gesten... Sie sind rituelle
Gegenstände, als Verkörperungen von Ritualen zu erkennen, deren körperliche
Form den dauernden Vollzug des Rituals beinhaltet... Es zeigt sich, dass
Amulett und Talisman notwendig sind, da durch die formale Einheitlichkeit im
Umgang mit ihnen Sicherheit erzeugt wird. Das Bedürfnis nach Sicherheit ist
im Menschen immer gross, besonders dann, wenn seine Lebenswelt erschüttert
wird. Zusammenfassend sehen wir, dass über die festgestellten Wirkungen im
psychischen, physischen und emotionalen Bereich hinaus Amulette und
Talismane auch dort real, das heisst messbar wirksam sind, wo ein Gefühl der
Sicherheit schon allein die Erfolgsaussichten einer Handlung vergrössert: Im
Umgang mit der Natur, im Umgang mit den Menschen und im Umgang mit dem
übernatürlichen Bereich.« In der Zeit der Aufklärung schwand der Glaube an
die Wirksamkeit der Amulettee rasch dahin. In Zedlers Lexikon ist davon die
Rede, »wie nichtig und betrüglich diese Kunst sey... so haben es
vernünfftige Leute iederzeit, theils vor abergläubische Possen gehalten,
theils vor Betrug, dahero die erste Kirche es schon verboten und untersaget.
Canon.XXXVI. Con-cil. Laodicen. welchem Verbote die Kayser mit scharffen
Befehlen und Edicten mehrern Nachdruck gegeben«. |