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ABRAXASGEMMEN

Entweder aus der Spätantike stammende oder aber im Mittelalter nach spätantiken Vorbildern gefertigte Talismane, die aus der Geisteswelt der gnostischen Sekte des Basilides um 130 nach Christus stammen. Die Buchstaben des Namens Abraxas oder Abrasax haben zusammen nach griechischer Zählung den Zahlwert 365 und symbolisieren als Zahl der Tage des Jahres das Ganze, das heisst die Gottheit lautet: »Und es sind im ganzen 365 Himmel. Deshalb hat auch das Jahr 365 Tage, entsprechend der Anzahl der Himmel. Und der grosse Herr über alle diese Himmel ist Abraxas, da sein Name den Zahlenwert 365 hat, so dass der Zahlenwert seines Namens das All umfasst.« Die unterste Himmelsstufe ist jene, der die Erde mit ihren Geschöpfen entspricht, die darüberliegenden stellen stufenweise Emanationen der Gottheit dar. Das System des Basilides wird bei Rudolph so charakterisiert, dass aus dem Paar »Sophia«, Weisheit und »Dynamis«, Kraft in absteigender Folge 365 Engelmächte als Repräsentanten der Himmelssphären hervorgehen, die das Weltenjahr, Aion bilden. Diese Klasse von Engeln hat, dem basilidianischen System zufolge, die sichtbare Welt und die Menschheit geschaffen. »Ihr Anführer ist der Judengott, der offenbar auch Abrasax` oder 'Abraxas' heisst, ein Name, dem der Zahlenwert 365, wie die Anzahl der Himmel, zugrunde liegt, ursprünglich aber wahrscheinlich eine geheimnisvolle Umschreibung des mit vier Konsonanten geschriebenen jüdischen Gottesnamens Jahwe gewesen ist«, nach Rudolph 1980. Die Abraxasgemmen tragen Inschriften wie »Jao Abrasax Sabaoth Adonaios«, »Jao«, »Sabao Abrasax« usw. und zeigen Prägungen von Hahnen- und Eselsköpfigen, oft auch schlangenfüssigen Mischwesen, »Anguipes«, häufig von der sich in den Schwanz beissenden Schlange Ouroboros eingefasst.
Bei Dornseiff ist Abraxas »der Aion des Jahres, dessen Name zu gematrischen Spielen dienen musste«, wobei sein »Name 7 Buchstaben, die Zahl der griechischen Vokale enthält. Erst durch Reitzenstein ist die aus persischer Mystik stammende Aion-Gottheit etwas deutlicher geworden als 'die Vereinigung ganz verschiedener Vorstellungen in dieser einen Götterfigur, die Lichtgott, Zeitgott, Weltschöpfer, Weltregent, ja Weltgott, Offenbarungsgott und Erlöser ist, verschiedene Namen annimmt und doch immer seltsam unbestimmt bleibt... Er wird gleichgesetzt mit Agathos daimon, Sarapis, lao, Kronos... Nach Eisler gehört der Name zur Merkabahmystik, der Auslegung der Thronvision des Hesekiel. Das Gnostische daran ist, dass die 4 Tiere zusammen den Gott bilden, ähnlich dem polymorphen mithräischen Chronos.« Dabei sei »der Versuch nicht aussichtslos, eine durch die Gemmen fortlaufend illustrierte Ausgabe der Zauberpapyri herzustellen.« Die Abraxasgemmen verkörpern eindrucksvoll den Synkretismus der Spätantike, wobei jüdische, persische und gnostische Elemente zu kaum analysierbaren neuen Einheiten geformt wurden.

 

 

 

 

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