| Vitalismus |
| Biologisch-philosophische Theorie, nach der eine eigenständige Lebenskraft (vis vitalis) alle Lebensprozesse bestimmt. Damit wird das Prinzip der Kausalität zumindest teilweise in Frage gestellt. In der abendländischen Wissenschaft kann Aristoteles als erster Vitalist betrachtet werden: Im Samenkorn sah er aktuell den Samen, potentiell die Pflanze. Der Samen ist Träger der Entelechie (das, was sein Ziel in sich trägt, die vegetative Seele). Damit kann das Konzept der Reifung in der Entwicklungspsychologie verglichen werden: Auch sie ist angelegt, wirksam, aber nicht erkennbar. In der Wissenschaftsgeschichte ist Thomas von Aquin der nächste grosse Vitalist. Er lehrt, dass ein Ereignis aus seinen Ursachen oder aus seinem Ziel begriffen werden kann (Finalität). In Weiterentwicklung von Aristoteles vertritt er die Theorie von der causa immanens, der dem Organischen eigenen, immanenten intentionalen Ursache (eine Ansicht, die später Descartes in seiner Auffassung vom Körper als Automaten bestreitet). In neuerer Zeit bekämpften die energetischen Monisten (Ernst Haeckel, 1834-1919, und seine Anhänger) den Vitalismus, dagegen begründete Driesch einen kritischen Neovitalismus, der zielgerichtete Strebungen (Kräfte) im Organischen und Psychischen als Organisator postuliert. Die von Driesch beschriebenen objektiven biologischen Gegebenheiten, dargestellt durch experimentelle Eingriffe am Seeigelei, werden heute nicht mehr bestritten, angezweifelt wird lediglich ihre Deutung als ein Mechanismus der Selbstregulierung des Organismus. Die Kontroverse in der Biologie zwischen konventioneller (z. B. biochemischer) Deutung und neovitalistischer beeinflusst auch die Parapsychologie, wobei, etwas voreilig, jene Parapsychologen, die einen idealistischen Standpunkt vertreten (d. h. die nichtphysikalische Natur von Psi vermuten), meinen, die neovitalistische Position entspreche auf jeden Fall ihrer Ansicht. |
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