| Unbewusste |
| Die Summe aller vorhandenen, aber nicht im Bewusstsein befindlichen psychischen Inhalte. Die verschiedenen Interpretationen des Unbewussten verbindet, dass es meist als Chiffre für etwas letztlich Unfassbares verstanden wird. Leibniz gebraucht das Bild, jede Seele sei ein Spiegel des Universums. Das All affiziere den einzelnen im Unbewussten. In ebenfalls eher philosophischem Sinn verwandten auch Goethe, Carus, Schelling, Fechner, Herbart, v. Hartmann und Nietzsche den Begriff. Für das 20. Jahrhundert wichtig wurden die Auffassungen Freuds - er unterschied Unbewusstes, Vorbewusstes und Bewusstes - und Jungs Trennung des persönlichen von einem kollektiven Unbewussten. Jaspers verwies auf 4 Aspekte, unter denen das Unbewusste gesehen wird:
Die Notwendigkeit des tiefenpsychologischen Postulats vom Unbewussten wird von der Psychologie, namentlich der Neuropsychologie, gelegentlich bestritten: Da wir heute mit voller Sicherheit wissen, dass die Grundlagen jeden bewussten Erlebens in Erregungsprozessen des Gehirns bestehen, ist es überflüssig, zwischen das bewusste Erleben und seine organischen Grundlagen noch ein unbewusstes Seelenleben als Zwischenstadium einzuschalten: denn dieses unbewusste psychische Geschehen müsste dann selbst wieder organische Grundlagen haben. Die Hypothese unbewusster psychischer Prozesse ist daher eine überflüssige Annahme. Sie bringt keinen wissenschaftlichen Gewinn ... Die Lehre vom unbewussten psychischen Geschehen ist durch den Fortschritt der neuropsychologischen Forschung überholt. Man braucht diese Hypothese nicht mehr. Mit dieser Entwicklung ist genau dasjenige eingetreten, was Freud nicht nur geahnt, sondern mit klaren Worten vorausgesagt hat. Die Grösse seiner Persönlichkeit zeigt sich kaum irgendwo eindrucksvoller als in seinen selbstkritischen düsteren Prognosen über die Zukunft der psychoanalytischen Theorien: man dürfte Theorien, die den analytischen Auffassungen widersprechen, zurückweisen - so erklärte Freud im Jahre 1920 und fährt dann wörtlich fort: ... und kann dabei doch wissen, dass die Richtigkeit derer, die man selbst vertritt, nur eine vorläufige ist. Die Tatsache, dass seine Lehren manchmal zu befremdenden Vorstellungen führen, rührt nur daher, dass wir genötigt sind, mit den wissenschaftlichen Termini, d. h. mit der eigenen Bildersprache der Psychologie (richtig: der Tiefenpsychologie) zu arbeiten. Sonst könnten wir die entsprechenden Vorgänge überhaupt nicht beschreiben, ja würden sie gar nicht wahrgenommen haben. Die Mängel unserer Beschreibung würden wahrscheinlich verschwinden, wenn wir anstatt der psychologischen Termini schon die physiologischen oder chemischen einsetzen könnten (Jenseits des Lustprinzips). Bis zu einem gewissen Grade kann man heute schon die physiologischen Termini einsetzen, ja es kündet sich sogar schon die Möglichkeit der chemischen Termini an: es ist daher an der Zeit, die Bildersprache des unbewussten Seelenlebens aufzugeben. Für die Parapsychologie wurde der Begriff des Unbewussten in der Akzentuierung Janets von Bedeutung: Es soll bei den parapsychisch veranlagten Menschen unbewusste psychische Akte geben, die sich nach aussen in ganz gleicher Weise kundgeben wie entsprechend bewusste Erlebnisse, d. h., der Aktionsradius des Unbewussten soll über die leibliche Grenze hinausreichen. Das Unbewusste der Tiefenpsychologie und weite Bereiche der Parapsychologie ist hypothetisch. Ob Freud in dem angeführten Zitat das Ende der Psychoanalyse vorwegnimmt oder hinter ihre Anfänge zurückfällt, bleibt eine offene Frage. Jedenfalls sind die von dem österreichischen Psychologen Hubert Rohracher (geboren 1903) vermuteten Veränderungen der molekularen Feinstrukturen in den Ganglienzellen durch gehirnelektrische Prozesse, die dem bewussten Erleben zugrunde liegen sollen, auch hypothetisch. Der Unterschied beider Auffassungen besteht darin, dass das Unbewusste nur wahrscheinlich gemacht werden kann, aber grundsätzlich unbeweisbar bleibt. Die Hypothese der Neuropsychologie könnte jedoch durch neue oder verfeinerte Untersuchungsmethoden empirisch verifiziert oder falsifiziert werden. Auf der einen Seite wird somit den Theoretikern des Unbewussten der Vorwurf gemacht, sie stünden nicht auf der Höhe der naturwissenschaftlichen Erkenntnis ihrer Zeit. Andererseits aber wird eine bemerkenswerte Annäherung zwischen physikalischen und tiefenpsychologischen Theorien sichtbar: Der französische Physiker Olivier Costa de Beauregard sagt, dass das von den Physikern erforschte Universum nicht das Ganze sei, sondern die Existenz eines anderen, viel ursprünglicheren psychischen Universums ahnen lasse, wovon das materielle Universum nur ein passives und partielles Doppel darstelle. |
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