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Parapsychologie
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Überleben

Postulat verschiedener Religionen und Philosophien, das voraussetzt, dass beim Tod mehrere Komponenten (mentale, psychische, physische) unterschieden werden.

Die einzelnen Ausformungen der Überlebenshypothesen sind mannigfaltig: Neben einem ewigen Leben in der Zeit oder jenseits aller Zeit (Unsterblichkeit) stehen Vorstellungen eines befristeten Überlebens.

Neben der Idee der Erhaltung der Person (persönliches, individuelles Überleben) findet sich die Behauptung, das Individuell-Psychische ginge in ein Kollektiv-Psychisches ein oder psychische Inhalte überlebten isoliert, ohne von einem Neuen absorbiert zu werden und ohne Fortdauer der personhaften Integration.

Der Gedanke eines befristeten oder ewigen Überlebens liegt auch den Reinkarnations-Vorstellungen zugrunde.

Der einzige Grund an das Erlöschen des Bewusstseins nach dem Tode zu glauben, ist die Auflösung des Körpers, und dieser Grund wird hinfällig, wenn man die Unabhängigkeit fast des ganzen Bewusstseins vom Körper ebenfalls als Tatsache konstatieren kann.

Mit dem Überleben hängt auch die von manchen christlichen Theologen vertretene Auffassung zusammen, der Tod bedeute die völlige leib-seelische Aufhebung der menschlichen Existenz, ein spurloses Verschwinden, Gott aber vermöchte die Neuschöpfung der Person aus dem Nichts.

 

Nach alter chinesischer Lehre gehen der physische und psychische Aspekt des Menschen beim Tod in einem beseelten All auf. Eine bewusstseinsfähige psychische Komponente kann aber überleben, wenn es ihr gelungen ist, sich zu Lebzeiten einen Geistleib zu bilden - aber nur die grossen Weisen seien dazu fähig.

Der Ort dieses Geistleibs und des ihn regierenden Bewusstseins ist das Tao, der dem Sein zugrunde liegende Sinn, ein Jenseits also, das vom Diesseits weder räumlich noch zeitlich getrennt ist.

Daneben gibt es in China noch die Idee irrender Einflüsse (ohne integrierendes Bewusstsein), die den Tod eine Zeitlang überstehen und für Spuk verantwortlich gemacht werden.

 

C. G. Jung griff diesen Gedanken auf:

Er hält es für möglich, dass Bilder, Erinnerungen, dissoziiert zu isolierten psychischen Fakten postmortal Einfluss ausüben können. Solcher Spuk - vor allem im ersten Jahr nach dem Ableben eines Menschen wird von Spukvorgängen berichtet! - wäre allerdings nicht dem Verstorbenen anzulasten, nur weil diese Bilder einmal Teil seiner Persönlichkeit waren.

Im spiritistischen Sprachgebrauch versteht man unter Überleben, dass die personale Identität total oder in identifizierbaren Persönlichkeitsfragmenten den körperlichen Tod überlebt, und dass diese Persönlichkeiten oder Teilpersönlichkeiten die Möglichkeit haben, sich in der Sphäre der Lebenden zu manifestieren.

Diese Vorstellungen sind freilich älter als der moderne Spiritismus. Das zeigen die antike Inkubation am Heroengrab, der Glaube an das Weiterwirken grosser verstorbener Schamanen, Totenorakel und -beschwörung und die Forderung der katholische Kirche nach postmortalen Wundern als Beweise im Heiligsprechungsprozess.

 

Grundsätzlich kann die parapsychologische Kasuistik nicht als Indiz für das Überleben dienen:

Die den Toten zugeschriebenen Leistungen lassen sich auch als paranormale Leistungen Lebender verstehen.

 

Schon Schopenhauer spottete:

Das wäre freilich allerliebst, wenn mit dem Tode nicht der Intellekt unterginge: da brächte man das Griechisch, das man in dieser gelernt hat, ganz fertig in die andere Welt mit.

Dennoch vertrat er in Zur Lehre von der Unzerstörbarkeit unseres wahren Wesens durch den Tod (1851), es sei prinzipiell nicht zu leugnen, dass auch ein Verstorbener noch wirken könne, da der Wille durch den Tod nicht zu zerstören ist.

 

Die prinzipielle Unbeweisbarkeit der spiritistischen Hypothese hinderte viele Parapsychologen nicht, das Überleben in die parapsychologische Theorienbildung einzubeziehen, vor allem weil viele komplexe Phänomene dadurch ihres Erachtens leichter verstehbar werden:

Wenn ich also auch nicht zugeben kann, dass der Spiritismus eine bewiesene Lehre ist, so gestehe ich doch andererseits zu, dass es gewisse Tatsachen gibt, für welche die spiritistische Erklärung einfacher und weniger künstlich ist, als jede andere, so dass dem Spiritismus ein gewisser Grad von Wahrscheinlichkeit zugebilligt werden kann ... Nicht verwerfen und annehmen bleiben jedoch noch zwei verschiedene Dinge.

Andere unterscheiden zwischen persönlicher (oft religiös motivierter) Überzeugung und wissenschaftlicher Annahme: Als Parapsychologe glaube ich nicht, dass man einen Kontakt mit Verstorbenen beweisen kann, wie es die Spiritisten vorgeben. Meine private Meinung zu diesem Thema des Weiterlebens ist wirklich privat.

 

 

 

 

 

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