| Tierparapsychologie, auch Animal-Psi und Anpsi |
| Teilgebiet der Parapsychologie, das die Hypothese überprüft, Tiere zeigten paranormale Fähigkeiten. Die möglichen Phänomene sind im wesentlichen Präkognition (Warnungen durch Tiere!) und Hellsehen bei Tieren, Telepathie zwischen Tier und Tier und zwischen Mensch und Tier, Psi-Trailing (vermutlich Telepathie oder Hellsehen), PK bei Tieren und möglicherweise der Human-Parapsychologie zuzuzählen - Tierphantome und Tiermaterialisationen. Besondere Beachtung verdient die Frage, ob Psi-Phänomene an einzelne Tiere gebunden sind oder als Gruppenphänomene auftreten (Imker sprechen z. B. vom Bien als einer Art Seele ihres Bienenstocks). Ausserdem interessiert das reaktive Verhalten von Tieren bei PK-Manifestationen: Schon Homer spricht Hunden die Fähigkeit zu, Geister sehen zu können, und neuere Beobachter wollen wissen, dass Tiere (z. B. Katzen) auf menschliche Out-of-Body-Experiences ansprechen. Die Forschungslage ist dadurch beeinträchtigt, dass die Zoologie und Ethologie im Bereich des tierischen räumlichen Orientierungsvermögens (Zugvögel, Heimfindevermögen von Brieftauben, Aalzug und ähnliches mehr) vor vielen noch offenen Fragen stehen, für die sie eine normale Erklärung erhoffen, d. h. eine Erklärung, die sich in die gegenwärtigen biologischen Erkenntnisse einordnen lässt. (Vergleiche den bei Rotkehlchen entdeckten Magnetsinn). Spekulativ vermuten manche Autoren, dass die Tierparapsychologie den Nachweis erbringen könnte, Psi sei ein phylogenetisch altes Vermögen, älter z. B. als die sinnliche Wahrnehmung. Zahlreich und weit zurückreichend sind Berichte darüber, dass Tiere vor Katastrophen fliehen, ehe der Mensch auch nur erste Anzeichen bemerkt. Angeblich verwandten portugiesische Kolonisatoren bereits im 17. Jahrhundert auf den Molukken Katzen erfolgreich als Erdbebenseismographen. 1939 weigerten sich Bernhardiner am St. Bernhard, die Klosteranlagen zu verlassen. Eine Stunde später war das Kloster durch eine Lawine von der Umwelt abgeschnitten. Tage vor dem Erdbeben von Agadir (1960) mieden Fische und Seevögel die Küstennähe, und 1966 sollen vor dem Bruch von Elbdämmen in Hamburg und Niedersachsen Kaninchen, Mäuse und andere Tiere ihr Revier verlassen haben. Derartige Vorkommnisse können über die Annahme fein ausgebildeter sensorischer Vermögen verstanden werden. Das wird aber schwierig bei spontanen, nicht natürlichen Katastrophen: 390 vor Christus warnten Gänse vor dem Sturm der Kelten auf das Kapitol. Am 27.11.1944 warnte eine Gans in Freiburg i. Br. vor einem Bombenangriff. Im Juli 1927 verliessen Tauben ihren angestammten Platz auf dem Justizpalast in Wien, wenige Tage darauf brannte das Dachgestühl infolge eines Brandanschlags aus. Ein Geschäftsmann aus Bronx, New York, berichtete, sein Hund habe ihn durch Unruhe und Zupfen am Ärmel gezwungen, seine ebenerdige Wohnung zu verlassen: Er nahm den Hund an die Leine, und das Tier hatte nichts anderes im Sinn, als vom Haus fortzukommen. In diesem Augenblick zerstörte ein ins Schleudern geratener Omnibus die Hauswand völlig. In diesem Falle scheint eine sensorische Information schwer vorstellbar. Unterstellt man die Richtigkeit dieser Erzählung, würde es sich vermutlich um ein präkognitives Warnverhalten eines Tieres handeln, das auf seinen Herrn bezogen ist. Beispiele telepathischer Kommunikation zwischen Mensch (Agent) und Tier (Perzipient) kann man manchen Heiligenlegenden entnehmen. Auch die Frage der Geistheilung bei Tieren gehört teilweise in den Kontext Telepathie zwischen Mensch und Tier. Manche westliche Autoren vermuten dabei allerdings PK-Prozesse. Besser beglaubigte Fälle von Telepathie zwischen Menschen und Tieren sind jene, in denen das Tier als Agent fungiert (z. B. Haggard). Interesse verdient hier auch das oft berichtete antizipatorische Verhalten von Haustieren in bezug auf die Rückkehr ihres Herrn. Es sind vor allem Hunde, die zu wissen scheinen, dass jetzt bald ihr Besitzer kommt, auch wenn dies zu unregelmässigen Zeiten geschieht und die Rückkunft nicht erwartet werden kann. Als Ursache hat man unter anderem an ein Vardögr-Phänomen gedacht, das unter der Schwelle menschlicher paranormaler Perzeption liegen soll. Da aber der Vardögr nicht objektiv gesichert ist, liegt es näher, an ein Abzapfen seitens des Tieres zu denken. Bei Fällen tierischer Doppelgänger bleibt vorerst offen, ob es sich um Dramatisierungen im Rahmen einer telepathischen Kommunikation oder um materielle (feinstofflidie) Phantome handeln soll. Über positive Experimente zur Telepathie zwischen Mensch und Tier, die schon vor dem Ersten Weltkrieg durchgeführt wurden (mit dem Dompteur Wladimir Durow und dessen Hunden), berichtete schon Bechterew (1924). Eindrucksvoll plädiert der folgende Bericht - dessen Authentizität zum Teil bestritten wird - für eine Telepathie zwischen Tier und Tier: Der russische Psychologe Pawel Naumow erzählte amerikanischen Besuchern über ein russisches ASW-Experiment mit einem U-Boot: Wir verwendeten keine menschlichen Medien, sondern eine Kaninchenmutter und ihre frisch geborenen Jungen. Wie Sie wissen, hat ein getauchtes U-Boot keine Möglichkeit, sich mit dem Land in Verbindung zu setzen. Das Funkgerät funktioniert nicht. Wissenschaftler brachten die jungen Kaninchen an Bord des Unterseebootes, während sie die Kaninchenmutter in ihrem Laboratorium behielten, wo sie ihr Elektroden ins Gehirn einsetzten. Als das Unterseeboot tief unter Wasser war, wurde eines der Jungen nach dem andern getötet. Die Kaninchenmutter wusste natürlich nichts davon, und doch reagierte ihr Gehirn in jedem synchronisierten Augenblick des Todes. Und unsere Instrumente registrierten ganz deutlich diese Augenblicke von ASW. Systematische Forschung zu Fragen der Tierparapsychologie begann an der Duke University zu Beginn der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts. Spontane Fälle, vor allem von Psi-Trailing wurden nachuntersucht und quantitative Experimente zum Psi-Verhalten bei Tieren entwickelt. Die Untersuchungen zur tierischen ASW von Osis und Pratt waren nicht beweiskräftig, aber ermutigend. Später konstruierte Helmut Schmidt Zufallsgeneratoren, die durch den Zerfall radioaktiver Substanzen gesteuert wurden. Ein Erkundungsexperiment war wie folgt angelegt: Eine Katze wurde in ein kaltes Zimmer gesetzt (0° Grad C). Eine 200 Watt-Heizlampe mit der Brenndauer 1 Sek. wurde von dem Generator bedient. Zu erwarten war, dass von dem Generator gegebene Impulse (während des ganzen Versuchs 9000) je zur Hälfte Brennen und Nicht-Brennen auslösen würden. Von der Katze konnte man vermuten, dass ihr eine längere Brenndauer erwünscht wäre. Dass sie gegebenenfalls den Impulsgeber psychokinetisch beeinflussen würde. Tatsächlich schaltete sich die Lampe 115 mal mehr als die zu erwartenden 4500 Fälle ein. Das ist statistisch, nach parapsychologischer Konvention, fast signifikant und ermutigte zur Weiterarbeit, zumal die Versuchsapparatur fern von Tieren und Menschen (auch der Versuchsleiter könnte ungewollt psychokinetisch Impulse geben) exakt die Zufallserwartung erfüllte. Die quantitativen Tierversuche zur ASW erreichten zuerst in Frankreich signifikante Ergebnisse: Chauvin und seine Mitarbeiter setzten Feldmäuse in einen Doppelkäfig, dessen Trennwand übersprungen werden konnte. Die Böden des Käfigs wurden in zufälliger Reihenfolge unter Strom gesetzt. Ein rechtzeitiger Sprung bewahrte also vor einem Schlag. Die Signifikanz spricht für einen präkognitiven Effekt. Die Forschungsrichtung der Tierparapsychologie geriet durch die von Parapsychologen (!) vermuteten Manipulationen Levys etwas in Verruf. Levy war aber nur für einen Teil der Experimente auf diesem Gebiet verantwortlich. Die experimentelle Tierparapsychologie hat eine erfolgversprechende Zukunft: Zwar scheinen auch Tiere, vor allem Säuger, in ihren Psi-Leistungen von bestimmten Faktoren wie Angst, Ermüdung, Erregung abhängig zu sein, dennoch scheinen sie in ihrem Psi-Verhalten konstanter als menschliche Medien zu sein, und ihre paranormalen Leistungen sind weniger als beim Menschen von anderen Verhaltensweisen überlagert. Für die statistische Aufbereitung ist wichtig, dass man im Tierversuch in der Regel rascher den Bereich der grossen Zahlen erreicht als mit Versuchspersonen. |
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